Post-PPV-Talk zu NJPW Wrestle Kingdom 9 (Teil 2)

  • 12 Januar, 2015
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... und weiter geht es. Heute mit AJ Styles und den beiden Main Events, die ordentlich Blätterauschen im virtuellen Kritikerwald verursacht haben. Was meint unsere Redaktion dazu?

Special Singles Match
Tetsuya Naito vs. AJ Styles

Tanaka: Mit Ishii gegen Makabe das beste Match bis zu diesem Zeitpunkt. Simpel starkes und hartes Match mit einfacher, aber sehr effektiver Story. Der Styles Clash ist in Japan aufgrund einige gebrochener Nacken ein sehr gefürchteter Move und Styles ist sich natürlich nicht zu schade diesem am Anfang gleich gegen Naito zu zeigen, was gleich eine größere Angst-Reaktion der Crowd hervorrief. Naito kann sich jedoch immer wieder gegen die Styles Clash Ansätze wehren, jedoch hat Styles nicht nur einen Finisher, also fängt er an Naitos Bein für seinen Calf Killer zu bearbeiten. Naito sellt das alles gut, indem er auch ein paar eigene Moves nicht komplett durchzieht oder sie verstolpert, wie seinen Running Dropkick. Während des ganzes Matches versucht sich Naito zurück zu kämpfen, jedoch gelingen immer nur kurze Stiche, bis Styles ihn wieder dominiert. Einige heftige Aktionen, wie Naito Dropkick außerhalb des Ringes oder seinen Backdrop mit dem er Styles aus dem Ring wirft, aber das Highlight bleibt hier das Finish, als sich Naito an einem Top Rope Hurracanrana versucht, Styles ihn aber festhält und den Styles Clash ansetzt. Naito versucht sich noch verzweifelt frei zu kämpfen, doch es kommt das Finish und Styles zeigt den Clash vom zweiten Seil für den Sieg. Krasses Finish, vor allem mit dem Hintergrund, dass letztes Jahr einige Wrestler und ihr Nacken dem Styles Clash zum Opfer fiel, ein großer Angst-Moment für die Zuschauer. Ein sehr guter und starker Sieg für Styles und ein starkes Match mit sehr guter Leistung beider Wrestler und mit krassem Finish. 

Papa Shango: Ich muss zugeben, hier habe ich mir noch etwas mehr erwartet, was aber wohl an den hohen Erwartungen gegenüber Styles liegt. Ich kann es nur immer wieder sagen: Der Mann ist mein absoluter Favorit in einem Wrestling-Ring! Das Match empfand ich als gut mit noch Luft nach oben. Das Finish war dann allerdings richtig geil und es freut mich riesig, dass AJ diesen relativ großen Sieg bei WK9 feiern darf und seine Revanche für seine Climax-Niederlage bekommt. Und das Beste daran ist ja eigentlich, dass er nun schon bald eine Chance auf den Titel von Tanahashi bekommt. Ich glaube zwar nicht an einen erneuten Titelgewinn, aber einen AJ Styles in einem großen Main Event finde ich immer geil.

Simon Weimer: Sieger des Awards: Amerikanischstes Match des Abends. Müsste ich einem Neueinsteiger, der sich bisher nur mit dem Mainstream beschäftigt hat ein Match von dieser Veranstaltung zeigen, um ihn zu überzeugen, würde ich das hier wählen. Viele gewohnte Elemente, mit einem indirekten No.1 Contender Spot stand so einiges auf dem Spiel, das ganze gewürzt mit zwei Wrestlern, die ein angenehmes Drama erzeugen können und alles mit einem krassen Finish veredeln. Was will man mehr?

IWGP Intercontinental Title Match
Shinsuke Nakamura (c) vs. Kota Ibushi

Tanaka: Die Erwartungen für dieses Match waren sehr hoch, denn die beiden trafen sich 2013 schon ein mal während des G1 Climax und lieferten dort für viele ein MOTY. Damals galt Kota Ibushi noch als Jr. Heavyweight, war also seinem Gegner körperlich, aber auch vom Standing her unterlegen, denn er war zwar der Star der Jr. Division, aber halt immer noch ein Jr. Das spiegelte sich auch ein wenig in ihrem damaligen Match weniger. Nakamura der Heavyweight Veteran, Ibushi der junge Jr. Heavyweight Star. Nakamura dominierte und führte das Match, während Ibushi am Anfang nur kurz und leicht Paroli bieten durfte. Doch mit jeder Minute wurde Ibushi verbissener und böser, rächte sich für manche Späßchen von Nakamura und war am Ende sogar kurz davor das
Match zu gewinnen, doch Nakamura wurde auch verbissener und böser und zahlte Ibushi alles doppelt zurück und gewann das Match. Ibushi verlor das Match, hat aber bewiesen, dass er in der Heavyweight Division definitiv eine Chance hat. Spulen wir vor und gehen in den Herbst von 2014. Ibushi war durch eine Gehirnerschütterung für einige Zeit außer Gefecht gesetzt und feierte sein Comeback, kam mit ein paar Kilos auf den Rippen mehr zurück und verkündete, dass er ab sofort in der Heavyweight Division antreten wird. Anfangs gab es für ihn nur Tag Team Matches, diese konnte er aber immer gewinnen und für sein Team den Pin erzielen, womit er mehr auf sich aufmerksam machen konnte und sich besser präsentieren konnte. Ibushi jedoch wollte noch mehr als das und so suchte er sich gleich einen großen Fisch. Nachdem Nakamura bei Power Struggle im Main Event seinen Titel verteidigen konnte, hielt er eine Promo in der er sagte, dass ihn für WK9 ein Gegner fehlt und NJPW ihm wohl keinen geben könnte, der verrückt genug sei, doch bevor er seine Promo zum Ende kommen konnte, stürmte Ibushi zum Ring, verpasste Nakamura einen German Suplex, ahmte sein „Yeaoh!“ nach und ließ verlauten, dass Nakamura nun seinen verrückten Gegner gefunden hätte. Nakamura kurz verwundert, stimmt diesem mit einem Lächeln zu und somit haben wir unseren ersten Main Event.

Etwas viel Gelaber zur Vorgeschichte, aber es gehört einfach dazu um das Match vielleicht noch etwas besser zu verstehen. Ibushi ist so „on Fire“ wie noch nie und will sich unbedingt in der Heavyweight Division beweisen. Welcher Gegner kann das besser sein, als der gegen den man damals schon Rieseneindrücke hinterließ. Das Match war dann am Ende einfach nur „out of this World“. Okada hat für den Main Event ein Sechs-Sterne-Match versprochen. Nakamura und Ibushi sind da frech und kommen einfach an und wrestlen ihr Sechs-Sterne-Match. Diese Intensität, die Charaktere, die Konter, das Charisma, das Drama und und und. Ibushi galt für mich noch vor ein paar Jahren ein blasser Bubi mit Kindergesicht und ein paar hübschen Spots. Hier ist er ein so unglaubliches großes und geiles Arschloch, der Nakamuras Gestiken und Mimik verarscht, seine Moves klaut, versucht Nakamura mit seinem eigenen Finisher besiegen und scheinbar keine Probleme damit hat Nakamuras Kopf abzutreten oder ihm mal gepflegt eine Faust in die Fresse haut. Ein für mich genialer Moment war es, als Nakamura am Ende Ibushi den Diving Boma Ye in den Rücken einfach aufsteht und einen Blick und ein Grinsen hat das förmlich sagt: „Fick dich Shinsuke!“. Nakamura will da natürlich nicht zurück stecken, verarscht ebenfalls Ibushi, zahlt ihm alles zurück, was Ibushi ihm angetan und ist ebenfalls einfach nur „out of this World“. Nebenbei noch ein cooler Entrance von Nakamura, der als „King of Strong Style“ natürlich mit Krone und Umhang zum Ring läuft, ein Springboard German Suplex, den man in der Form wohl noch nie gesehen hat und ein gutes Aftermath, als sich Nakamura und Ibushi Bro-Fist geben und Nakamura am Mic Ibushi noch als harten Contender und Wrestler overbringt. Nicht zu fassen, dass Nakamura und Ibushi Okada den sechs Sterne Spot klauen. Mal sehen, was er dagegen im Main Event macht.

Papa Shango: MOTY, MOTY, MOTY! Wow, einfach nur wow kann ich zu diesem Match sagen. Das war wirklich nicht von dieser Welt, was die beiden hier abgeliefert haben. Wenn ich nur schon daran denke, dann bekomme ich schon Gänsehaut. Das war definitiv mein Match des Abends, wenn nicht sogar das Match of the Year. Zumindest bisher kommt daran einfach mal gar nichts, nicht mal im Ansatz, daran. Dass Nakamura eine coole Sau ist, war ja auch mir bekannt. Aber auch Ibushi stand dem Kerl... pardon, König (!)... in nichts nach. Wie Tanaka schon schrieb, wie die beiden sich nachahmten, sich kaputt machten, welche innovativen Moves sie gezeigt haben – es war unfassbar phänomenal. Ich liebe dieses Match einfach nur und würde wohl immer und immer wieder die vollen 5 Sterne geben. That was awesome!

Simon Weimer: Tja, was bleibt mir jetzt noch zu sagen? Vermutlich einfach nur, dass es erstaunlich ist, dass zwei mir völlig unbekannte Typen es innerhalb von 20 Minuten schaffen, mich komplett in ihren Bann zu ziehen. WWE schafft das nicht einmal mit Workern, deren Werdegang man jahrelang begleitet und zu denen man eine gewisse Bindung aufgebaut hat.Coole Sau – nichts trifft auf Nakamura mehr zu und niemand Japaner, von denen ich vorher niemanden kannte, hat sich mehr in mein Gedächtnis gebrannt, als er. Die beiden sind einfach raus und haben sich den Main Event genommen. Noch nie ist die Floskel „das Spotlight klauen“ so sehr zugetroffen wie hier. Ich schließe mich Pilipp an: Match of the Year 2015, das wird ziemlich unmöglich zu toppen sein.

IWGP Heavyweight Title Match
Hiroshi Tanahashi (c) vs. Kazuchika Okada
 
Tanaka: Hiroshi Tanahashi, der Top Star, das Babyface, „The Sun of New Japan“, welches dafür sorgte, dass die  Liga seit 2007 und dem NJPW Tiefpunkt mit dem MMA-Inoki-Nonsense wieder in neuem Glanz strahlt gegen Kazuchika Okada, dem Mann der 2012 die Puroresu-Welt geschockt hat, als er nach seiner TNA Exkursion Hiroshi Tanahashi in einem Match um den IWGP Heavyweight Titel besiegen und somit neuer Champion wurde. Niemand glaubte, dass er sich dort oben halten kann und dass NJPW einen Riesenfehler gemacht hat, doch begann mit diesem Tag „The Rise of the Rainmaker“. Er verlor den Titel nach drei Monaten wieder an Tanahashi, doch konnte er danach das G1 Climax 2012 für sich gewinnen und stand somit im WK7 Main Event gegen Tanahashi. Das lang erwartete Rematch, doch Okada verlor das Match und viele dachten, dass es das war für den Rainmaker. Tanahashi kann er nicht erreichen. Doch waren ihm die Meinungen herzlich egal und er gewann das New Japan Cup Tournament und bekam somit eine weitere Chance auf Tanahashis Titel. Und diesmal schaffte er es. Nach einem weiteren großen und fantastischen Match konnte er sich den Titel mithilfe seines Rainmakers, wie er es auch schon im ersten Match der beiden tat, zurückholen. Damit begann eine große und lange Regentschaft mit vielen starken Gegnern, starken Matches und starken Siegen für Okada. Ein Match war jedoch das wichtigste. Das scheinbar letzte Match gegen Tanahashi. Der sagte, falls er Okada diesmal nicht besiegen kann, wird er nicht mehr um den IWGP Heavyweight Titel antreten solange Okada diesen Titel hält. Es kam zum Match und Tanahashi fiel ein drittes Mal dem Finisher von Okada zum Opfer. Bis heute konnte auch nie jemand aus dem Rainmaker auskicken. Im Frühling des Jahres 2014 verlor Okada dann den Titel an den in NJPW debütierten AJ Styles. Nach mehren Niederlagen gegen Styles, bekam Okada endlich seine Revanche im G1 Climax, konnte Styles dort besiegen, ihm das G1 Finale vor der Nase wegschnappen und das Turnier gewinnen. Es lief alles darauf hin, dass Okada gegen Styles im WK9 Main Event antritt und seinen Titel zurück gewinnen kann, doch es kam anders als man denkt, denn vor Okada bekam Tanahashi nach genau einem Jahr endlich wieder ein Chance auf den Titel, denn Okada war ja nicht mehr Champion. Und Tanahashi konnte diese Chance nutzen und war mit einem Schlag wieder der Mann an der Spitze, „The Sun of NJPW is back, where it belongs“. Okada sah dies natürlich als Chance die „Sonne“ ein und für alle mal auszulöschen und es für immer „regnen“ zu lassen. Okada wirkte auf dem Weg zu WK9 aggressiver und arroganter als sonst, sah Tanahashi schon deutlich über seinem Zenit, ließ ihn das während der Shows spüren und kündigte nebenbei ein sechs Sterne Match an, weil er wusste, dass er so gut ist. Weil er wusste, dass er gewinnen wird. Weil er wusste das er den Rainmaker hat.

Damit kommen wir zum Match. Nach einem wie von NJPW sehr gut gemachten Promovideo, den guten Entrances, dem ersten Gegenüberstehen und den großen Split-Reaktionen beginnt das Match  leicht verhalten und ausgeglichen mit etwas Matwork, kleinen Stichelein und dem ersten Schlagabtausch. Danach sichert sich Okada immer mehr die Kontrolle, bearbeitet Nacken und Rücken und das Storytelling erinnert an die Wochen vor WK9. Okada unglaublich selbstsicher, fast schon arrogant, weil er dominiert und weiß, dass er gewinnen wird, während Tanahashi vor allem in einem weiteren Schlagabtausch wirklich so wirkt, als wäre er über seinem Zenit. Jeder versuchte Konter geht ins Leere, die Elbows wirken schwach und jucken Okada nicht und Okada Sieg scheint nur eine Frage von Minuten. Doch dann kommt der Wendepunkt in dem Match, als Tanahashi auf das zurückgreift, was ihm damals den Sieg gegen Okada im WK9 Main Event brachte: Seine Beinbearbeitung. Tanahashi geht auf die Beine von Okada los und kann sich so endlich Luft verschaffen. Nun wechselt sich die Geschichte und plötzlich ist Tanahashi wieder in seinem A-Game und Okada kann sich nicht wehren. Jeder verdammte Konter, jeder verdammte Versuch den Rainmaker durchzubringen wird von Tanahashi ausgekontert. Selbst seine beiden anderen Killer-Moves, der Dropkick und der Tombstone gelingen nicht. Für Dropkick findet sich kein Moment und der Tombstone wird ebenfalls immer ausgekontert. Nach einem Mörder-High-Fly-Flow folgen zwei weitere im Ring und das Ende scheint da, doch Okada schafft den Kick-Out bei 2,99. Tanahashi, welcher nun schon seit geraumer Zeit die Kontrolle hat, wird nun selber arroganter, ahmt Okadas Pose nach und will ihm die ultimative Schmach verpassen, indem er ihm mit seinem eigenen Finisher besiegt. Tanahashi setzt den Rainmaker an, doch Okada kontert und bringt selber den Rainmaker durch. Er pinnt Tanahashi sofort, doch dieser kickt auch bei 2,99 aus und Okada ist sichtlich geschockt, dass es jemand geschafft aus seinem Finisher auszukicken. Gegen Ende folgt noch mal eine Serie von Suplessen mit heftigen Nearfalls und Okada sieht seinem Ende entgegen. Sein Tombstone und sein Finisher werden andauernd ausgekontert, Tanahashi kickt aus seinem Finisher aus, seinem Submissions und seine Nackenbearbeitung laufen ins Leere und die Beinbearbeitung von Tanahashi macht ihm zu schaffen. Doch für einen kurzen Moment gibt es einen Hoffnungsschimmer, denn Okada kann seinen Bilderbuch-Dropkick durchbringen und hat nochmal eine Chance das Match zu gewinnen, Rainmaker-Ansatz, doch Tanahashi kontert ein weiteres Mal, geht mithilfe der Seile wieder auf die Beine los, lässt einen High Fly Flow auf den in den Seilen hängenden Okada folgen, geht nochmal mit einem Dragon Screw auf Okadas Bein, lässt zwei weitere High Fly Flows auf Okada folgen, da dieser durch die Schmerzen nicht mehr aufstehen oder sich überhaupt bewegen kann und gewinnt den Main Event. Ich war geschockt. Ich war davon ausgegangen, dass Okada auf jeden Fall gewinnt und neues Top Ace wird. Ich habe das Match auch in dem Moment nur als ein 5-Sterne-Match gesehen. Okada ist also sogar doppelt gescheitert, weil er verloren und kein 6-Sterne-Match abgeliefert hat. Doch passierte dann noch etwas, was das erste für mich wett macht und das Match für mich auf 6 Sterne gehoben hat.

Man kennt es doch bestimmt als Wrestling-Fan, wenn man ein Programm, ob nun WWE, TNA, Independent-Ligen oder sonst etwas verfolgt, dass man sich mit Wrestlern identifiziert und sich freut, wenn sie von der Promotion das Vertrauen bekommen, gepusht werden und vielleicht sogar einen Titel gewinnen. Man kennt es doch bestimmt auch, wenn so ein Wrestler dann im entscheidenden Moment verliert, einen Depush bekommt oder ähnliches. Heute ist es schon Gewohnheit, dann auf die Promotion, die Booker oder auch liebend gerne Cena sauer zu sein, rum zu meckern und zu sagen, dass es so und so besser wäre. Aber wann hat man denn in einem solchen Moment nicht auf die Promotion oder ähnliches gemeckert, sondern mit dem Wrestler der verloren mitgefühlt. Ich weiß, dass so etwas heute in der WWE oder auch woanders wahrscheinlich unmöglich ist, aber NJPW hat bei mir diesem Moment hervorgerufen. Als ich Okada gesehen habe, wie er in Tränen die Halle verließ, weil er das wichtigste Match in seiner Karriere verlor und den Titel bei der größten Show im Main Event nicht gewann, war ich nicht mehr geschockt oder wütend. Ich war traurig und irgendwie leer. Dieser Moment als Okada weinend zusammenbricht und die Fans ihn mit großen Respekt-Beifall und Okada-Chants aufmuntern wollen, hatte ich Gänsehaut und als Tanahashi ihn dann mit seiner Promo noch ärgerte, indem er sagte, dass er noch unglaublich weit vom IWGP Titel und vom Top Ace entfernt, wusste ich, dass Okadas Geschichte noch lange nicht zu Ende erzählt und das dies nur ein tragisches Kapitel in „The Rise of the Rainmaker“ ist.

Papa Shango: Unfassbar toll geschriebener Part von Tanaka! Besonders die letzten Zeilen haben mich das Aftermath noch etwas besser verstehen lassen bzw. sie schafften es, dass ich noch ein wenig mehr Mitgefühl für Okada entwickele. Nach dem krassen Co-Main-Event hatten es die beiden etwas schwer, mich so richtig begeistern zu können. Der etwas behäbige Beginn, der an sich ja wirklich gut und in einem Main Event vielleicht auch notwendig ist, hat mich in diesem Augenblick etwas gestört. Aber wie gesagt, im Nachhinein hätte man es besser nicht machen können. Der Heavy Rain war dann allerdings mein erstes Highlight in diesem Match. Kurz darauf dann das nächste, als Tanahashi mit vom Top Rope über die Absperrung hinweg auf seinen Gegner segelte. Es wurde immer schneller und bzw. das Match immer dramatischer und es packte mich immer und immer mehr. Spätestens nach diesem sensationell aussehenden Dropkick von Okada gegen den Champion war ich völlig drin, war unfassbar gespannt auf den Ausgang des Matches und hatte wie schon im Match davor, einfach nur Gänsehaut. Das ist wohl auch der Vorteil, wenn man wirklich ungespoilert schaut. Und das hat NJPW tatsächlich geschafft, im Gegensatz zu WWE, TNA, ROH oder welcher Liga auch immer. Ein wirklich toller und würdiger Main Event, der dieses Mega-Event perfekt abschloss. Ich kann mir kaum vorstellen, dass diese Show in diesem Jahr groß überboten werden können.

Simon Weimer: Öha. Kennt man die Backstory, war man beim Main Event vermutlich noch emotionaler dabei. Auch hier kann ich nicht viel neues schreiben und eigentlich nur Phlipps Text kopieren. Mitgefühl zu erzeugen ist in der Tat eine Kunst für sich und bis zu diesem Augenblick hatte ich das nur einmal, bei Roode vs. Aries II. Aber wenn ich mir Tanakas Text so durchlese, denke ich es war ein guter Abend, um sich einen ersten Eindruck von Okada zu verschaffen um bei zukünftigen Events noch mehr mit ihm mitzufiebern. Von dem darf man wohl noch so einiges erwarten. Aber zunächst mal geht es Tanahashi vs. Styles, was ja auch nicht so verkehrt werden dürfte.

Fazit

Tanaka: Was kann man nun abschließend zur Show sagen? Ich fange mal mit dem Negativem an. Durch die GFW PPV Begrenzung von vier Stunden wirkte der PPV am Ende etwas stark durchgerusht, da NJPW und die Fans sonst eher fünf bis sechs Stunden gewohnt sind. Wrestler bekamen keine vollen Einzüge und wurden teilweise schon auf der Rampe von der Musik des nächsten überrumpelt, kaum bis gar keine Special Entrances, wenige Video Packages, keine Championship Themes vor den Titel-Matches, keine Ansagen im Ring für die wichtigen Matches, keine Intermission nach der Hälfte, wo man sich kurz mal vom ganzen ausruhen kann und alles sitzen lassen kann. Durch das ganze ging etwas das WK Feeling der letzten Jahre flöten und wirkte etwas trocken. Mit den ganzen fehlenden Sachen wäre der Einstieg für alle Neulinge wohl doch noch ein Stück einfacher gewesen und auch etwas beeindruckender. Dann die typische NJPW Undercard, die nicht jedermanns Sache ist, im Kontext aber zumindest ihren Zweck erfüllt, sowie der UWF Fight, der entweder einen total langweilt oder unterhält. Jim Ross und Matt Striker waren auch so ein zweischneidiges Schwert, da vor allem anfangs Jim Ross sehr eingerostet wirkte und mit dem Pacing der Show etwas zu kämpfen hatte, dann aber bei den beiden Main Events wieder zur alter Stärke fand. Striker war durchgehend solide, war aber etwas smarkig und lieferte einige Schitzer und musste sich bei einigen Wrestling Begriffen von Ross auf die Finger hauen lassen, bspw. „Swerve“. An Kritik war es das meiner Meinung nach, denn der Rest, also hauptsächlich das Wrestling und die Wrestler an sich, waren echt stark. Sehr guter Oponer, viele solide bis sehr gute und vor allem vom Stil her unterschiedliche Matches in der Mid- und Uppercard und zwei großartige Main Events, die beide jeweils aufgrund verschiedener Gründe für das Maximum geknackt haben. Keine fehlerlose Show, aber ein grandioser Einstieg ins Wrestling-Jahr 2015. Jede Promotion und auch selbst NJPW müssen sich dieses Jahr anstrengen diese Show oder die zwei Main Events noch zu überbieten. Ich wünsche allen da viel Glück und hoffentlich Erfolg, denn dann erwartet uns ein großartiges Wrestling-Jahr.

Papa Shango: Hier war einfach alles geboten und somit hielt die Show was sie versprach. Ich bin wirklich hellauf begeistert von WK9! Hier hat man alles gesehen, vom Tag Team Spotfest bis hin zu tollen Main Events, die die Halle nochmal so richtig abgerissen haben. Ich kann diese Show wirklich nur jedem Wrestling Fan empfehlen, denn diese 4 Stunden vergingen wie im Fluge und sie lohnen sich definitiv. Durch das tolle Zeit-Management stören die Filler Matches in der Undercard kein bisschen. Im Gegenteil, denn sie lassen einen nach dem tollen Opener etwas runterkommen, damit man gegen Ende hin die ganze Kraft für die genialen Main Events übrig hat. Dass die Show so gut wird, hätte ich mir nicht träumen lassen. Wirklich, einen besseren Einstieg für Neulinge kann man eigentlich gar nicht bieten!

Simon Weimer: Loved it! Auch die englischen Kommentatoren waren Anlass angemessen. Striker hat kompetent durch die Show geführt und auch Ross war nach anfänglichen Schwierigkeiten allerspätestens in den beiden Main Events mit Herz und Seele dabei. Zusammen mit den Youtube-Videos im Vorfeld gab es kaum einen besseren Weg, dem westlichen Fan das fernöstliche Wrestling näher zu bringen. Ich kann für meinen Teil sagen, dass ich demnächst wohl öfter mal reinschauen werde und dass alleine in diesem einen Event genau die Abwechslung geboten wurde, die einem bei WWE so vehement versagt wird.

Letzte Änderung am Montag, 12 Januar 2015 16:03

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