Hall of History: Der Unsterbliche. Zum 60. Geburtstag von Hulk Hogan

  • 11 August, 2013
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In nahezu jeder Sportart gibt es einen Superstar, der sinnbildlich für die ganze Disziplin steht. Fußball hat Pelé. Basketball hat Michael Jordan. Boxen hat Muhammad Ali und Eishockey hat Wayne Gretzky. Sogar Randsport wie Snooker und Darts haben mit Ronnie O’Sullivan und Phil Taylor ihre übergroßen Ikonen. Fragt man auf der Straße, an wen man zuerst denkt, wenn man „Wrestling“ hört – die Antwort dürfte sehr oft Hulk Hogan lauten. Insbesondere in den 80er Jahren hat Hulk Hogan dem Sport-Zirkus sein Gesicht verliehen. Gleichzeitig stieg er zu einer Bekanntheit und Kultfigur außerhalb seines „Sports“ auf. Heute wird der Hulkster 60 Jahre alt.


Nur ein Wort: Kult

Die Namensliste der Wrestler, die es aus dem Randdasein des verpönten Wrestling-Businesses in den Mainstream geschafft haben, ist äußerst dünn. Kaum jemand mehr als Dwayne „The Rock“ Johnson steht darauf. Außerdem gibt es nur eine Handvoll Superstars, die dem Wrestling an sich eine ganz neue Richtung gegeben, dem ganzen Geschäft ihren Stempel aufgedrückt haben. Gorgeous George war so einer in den 50er Jahren, als er erstmals einen schrillen Bad-Guy-Charakter geprägt hat. Stone Cold Steve Austin war Ende der 90er ein anderer, als er dem Wrestling einen realistischeren, härteren, graueren Anstrich verpasst hat.

Hulk Hogan ist der Einzige, der auf beiden Listen steht. Und vermutlich steht er auf beiden Listen ganz oben. Hogan hatte nach innen und nach außen eine massive Wirkung. Hulk Hogan ist es, der die vorherrschende Meinung vom Wrestling als grellem Karneval geprägt hat. Hulk Hogan hat Wrestling bunt gemacht. Hulk Hogan hat Wrestling auf eine ganz neue Stufe gehoben. Wrestling wurde so etwas wie Mainstream. Nostalgiker würden nur ein Wort gebrauchen: Kult.

„Hogan hat eine extrem wichtige Bedeutung für das Wrestling – ich denke besonders auch außerhalb der USA. Trotzdem konnte ich selbst zu seinen besten WWF-Zeiten nicht viel mit ihm anfangen. Ich fand ihn schon damals eher limitiert im Ring und dafür als Charakter viel zu flach. Es war irgendwie immer klar: Entweder er gewinnt oder er wird betrogen. Ich hielt immer mehr von Randy Savage. Wirklich cool fand ich aber, als er bei der nWo aufschlug – das war der Hammer. Eben WEIL damals schon klar war, wie wichtig die Figur des Hulk Hogan für die Rezeption des Wrestlings weltweit war.“ (Dana)


Der Auftritt eines Superhelden

„I am a real American“, dröhnt es durch die Hallen. „Fight for the rights of every man. I am a real American. Fight for what’s right – fight for your life.“ Auftritt eines Superhelden – Auftritt Hulk Hogan. Der braungebrannte 2-Meter-Hüne tritt durch den Vorhang ins Licht. Wie Lametta am Weihnachtsbaum hängen die blond gebleichten Spaghettihaare herab und rahmen den halb kahlen Kopf. Wie ein dicker Pfeifenreiniger umringt der markante Schnauzbart den Mund in Hufeisenform.

Energiegeladen stapft Hogan zum Ring und sticht mit dem rechten Zeigefinger häufiger imaginäre Seifenblasen kaputt, als es Markus Lanz in seinen Moderationen bei „Wetten, dass..?“ schaffen würde. Am Seilgeviert angekommen legt Hogan wahlweise Sonnenbrille, Kopftuch und gelb-rote Federboas ab. Kreisförmig schwingt Hogan seine rechte Hand und lehnt sie an sein Ohr. Wie ein Schwamm saugt er den Jubel der tobenden und tosenden Menge auf. Dann greift er den Kragen seines T-Shirts und reißt die meist gelbe Klamotte mitten durch.

„Als ich heute (30.07.13) gefragt wurde, ob ich etwas über Hulk Hogan für die Hall of History schreiben könne, wusste ich selber nicht welch schicksalhaftes Datum heute war. Denn genau heute vor 20 Jahren, am 30.07.1993, war ich live dabei in der Dortmunder Westfalenhalle, als der Mann, der mich in den 80er Jahren zum Wrestling brachte, versuchte, Yokozuna die WWE Championship zu entreißen: Hulk Hogan! Doch entgegen aller Anwesenden unterstützten meine Freunde und ich den massigen Japaner, denn Hogan war längst nicht mehr unser Favorit. Es waren eher ein Kanadier namens Bret Hart und Mr. Perfect, die mich begeisterten... Zur Freude der Massen gewann Hogan per DQ – zu meiner Freude bekam das Brathähnchen den Titel nicht und ich hatte zwei der größten Legenden auf meiner "Live-gesehen"-Liste abgehakt…“ (MRP)


Ein Rockstar auf Reisen

Was hat Hulk Hogan eigentlich so beliebt gemacht? Klar, sein Einzug schon einmal. Ansonsten war der Hulkster ja eher limitiert im Ring. Selbst auf dem Höhepunkt seiner Karriere war Hogan noch grün hinter den Ohren, im Ring hatte er weiterhin einen stiffen Stil. Sein Timing war mangelhaft, seine Aktionen hölzern. Und alle wussten es. Bereits Verne Gagne hatte gewusst, dass aus Hogan kein großer Techniker wird. Der AWA-Besitzer war schon Mitte der 70er Jahre auf Terrence Gene Bollea, so Hogans bürgerlicher Name,  aufmerksam geworden, als der in einem Nachtklub unter dem Namen Sterling Golden Gitarre spielte. Hogan versprühte Unmengen an natürlichem Charisma. Auch wenn aus Hogan kein Weltklasseathlet wird – ein guter Talker würde er allemal werden. Die Fans fraßen dem muskelbepackten Rockstar aus der Hand.

Gagnes Freund Eddie Graham nahm Hogan unter Vertrag für sein Wrestling-Territorium in Florida. Anfangs trat der am 11. August in Augusta, US-Bundesstaat Georgia, Geborene unter dem Namen Terry „the Hulk“ Boulder an. Von da an startete Hogans Odyssee. Über Florida ging es in die Wrestling-Hochburg Memphis, dann bereits kurz in Vincent James McMahons WWWF nach New York, ehe er endlich bei Gagnes AWA in Minneapolis landete.

„Wo wären wir heute ohne einen Hulk Hogan? ‚Vielleicht in einer besseren Welt, in der nicht jeder schlechte Wrestler einen Push bekommt, nur weil er etwas Charisma hat‘, textete mal ein weiser Wrestling-Schreiber. Besser kann ich es auch nicht ausdrücken. Die positiven Seiten Hogans beschränken sich bei mir auf Kindheitserinnerungen in der WCW (anfangs zwar noch als Babyface unterwegs, Hulkamania war jedoch schon lange tot), wo bei jedem hinterhältigen Low Blow von Ric Flair ein weiterer Bissabdruck eines Sechsjährigen in der Couch landete. Dass der fiese Typ im Bademantel aber auch immer dann zuschlagen musste, wenn der Hulkster gerade mit seinen Hulkamaniacs feierte. Heute dient Hogan für mich nur noch als Paradebeispiel, wenn ich anderen erklären will, warum Sting (der eigentliche Held meiner Kindheit) so großartig ist. Ob nun TNA oder WCW: Der Stinger schafft es wie kein anderer, Hogan zu einem guten Segment zu ziehen. Besonders in der WCW galt natürlich: Ein Blick von Sting sagt mehr als 1000 Worte von Hogan.“ (Simon Weimer)


"I'm not coming back"

In der AWA entstand Hulk Hogan. Sein Superman-Charakter, sein Outfit und all seine Posen. Um den Ringkampf an sich ging es gar nicht mehr, sondern ums Entertainment und natürlich ums Ticketverkaufen. Seinen Durchbruch verdankte Hogan einem Auftritt in "Rocky III". Zwar gehörte Hogan beim Dreh noch der McMahon-Company an, doch zum Zeitpunkt der Filmveröffentlichung im Mai 1982 stand er unter AWA-Kontrakt. Ein Star war geboren. Obwohl – noch nicht ganz. Hogan war noch kein Champion. Und Gagne hatte nicht vor, das zu ändern. Gagne war früher selber lange Champion gewesen und wollte einen zumindest grundsoliden Athleten als Meister, wie er selber einer war.

So musste Hogan oft für Titelträger Nick Bockwinkel jobben bzw. wurden Hogan-Siege durch irgendwelche Screwjob-Finishes annulliert. Bald waren die Fans genervt und Hogan ebenso. Als Verne Gagne am 15. Dezember 1983 seine Post durchkramte, stieß er auf ein knappes Telegramm von Hogan. „I’m not coming back“ – mehr stand nicht drauf. Gagne vermutete einen schlechten Scherz. Doch die Realität schlug ihm härter ins Gesicht als ein Terry-Funk-Schwinger. Hogan ging zu Vince McMahon, dem jungen, charismatischen und eiskalten Geschäftsmann, der die Geschicke seines Vater Vince Sr. übernahm, und Gagne bereits vorher einmal mitteilte: „Verne, I don’t negotiate.“

„Eigentlich schraube ich ja nur an Technik dieses Portals und habe mit der redaktionellen Arbeit nichts zu tun. Aber in meiner scheinbar vornehmsten Eigenschaft, nämlich schon uralt zu sein, hat man mich gebeten, etwas über Hulk Hogan zu schreiben. Nun denn: Es war irgendwann in den frühen 80ern, als die Straße, in der meine Oma wohnte, zu ersten Haushalten in der Stadt gehörte, die einen Kabelanschuss bekam. Ich als langhaariger, Heavy-Metal-hörender Teenager mit schlechten Noten in Französisch musste auf dem Philips-Glotzophon mit furnierten Seiten die neuen Sender einstellen und blieb ausgerechnet bei einem französischen Sender hängen: Ich sah das erste Mal in meinem Leben Wrestling. Ich sah mit einer eigenartigen Mischung aus Faszination und Ekel, wie sich große und leicht schwabbelige Männer in knappen Höschen begrapschten und durch einen Boxring schleuderten. Und diesen skurrilen Typen wie der Honkey Tonk Man oder Jerry Lawler war dieser gelbe Freak  mit Abstand die herausragende Figur (ja, als ich noch klein war, war Hulk Hogan ein gut trainierter Athlet). Dieser Spinner in der unmännlichsten Farbe neben rosa, der von seinen Gebeten und Vitaminen und Hulkamanics laberte und nur Moves drauf hatte, war so lange der Inbegriffs des Wrestlings für mich, bis der nächste, noch durchgeknalltere Freak kam, der noch besser trainiert war und einen ganzen Move mehr drauf hatte und dafür noch unverständlicheres Zeug brabbelte. Tja, es waren einfache Zeiten, in denen man mit wenig zufrieden war. Wir hatten ja sonst nichts, außer der ZDF-Hitparade.“ (Frank)


Right guy, right place, right time

Fakt ist: Hulk Hogan mit seinem Charisma, seinen überbordenden mit Catchphrasen gespickten Promos hatte großen Anteil an einem Wrestling-Boom. Fakt ist außerdem: Hulk Hogan war der richtige Typ mit dem richtigen Charakter zur richtigen Zeit. Er war der amerikanische Superheld während des Kalten Krieges, der unter anderen den Iron Sheik, den brutalen Iraner, vermöbeln durfte. Außerdem passte der rechtschaffende Kinderheld perfekt zu den Cartoons der 80er Jahre: Hogan schauspielerte oft nicht nur vollkommen over the top, sondern gab, wie viele andere Helden der damaligen Zeit, den Kleinen seine weisen Ratschläge mit auf den Weg: Say your prayers and eat your vitamines. Und: Egal, wie aussichtslos die Lage war, Hogan gab nie auf und war immer fähig, sich noch einmal hochzupowern. Das sogenannte Superman-Finish konnte entstehen. Für Kinder war Hogan der Größte.

Vince McMahon war verantwortlich für das Ende des Systems der Wrestling-Territorien und  sendete, nachdem er zahlreiche Konkurrenten geschluckt hatte, landesweit. Er wollte Unterhaltung, möglichst im Mainstream-Format. Vince McMahon wollte keine einstündigen hoch technischen Matches mehr, wie sie bis dahin noch häufig ausgefochten wurden. So kaschierte McMahon die Schwächen Hogans, der alles repräsentierte, was das bisherige Aushängeschild, der langjährige Champion Bob Backlund, nicht war. Und so sollte Hogan bei seinem ersten Titelgewinn, einem Fünfminüter, auch nur nach einer einzigen Aktionsfolge als Sieger hervorgehen. Hogan sollte dominieren. Fakt ist also auch: Hulk Hogan war zwar kein McMahon-Produkt, „Hulkamania“ zu großen Teilen schon. McMahon war der Big Boss und der äußerst gut vermarktbare Hogan war sein Instrument. Der Hype kannte kein Limit.

„Obwohl mir seine Matches überhaupt nicht zusagen, muss man Hulk Hogan für seine Leistungen für das Wrestling dankbar sein. Leider verpasste er den rechtzeitigen Absprung und will heute mit TNA was erreichen (oder kopieren?), was nicht mehr erreichbar ist, da die Kombination aus Alter und Name mittlerweile nicht mehr so fasziniert wie vor 25 Jahren.“ (Manfred Reisinger)


Say your prayers and take your steroids

„Hulkamania“ rollte – oder um es mit den Worten des One and Only Hulk Hogan zu formulieren: „Whatcha gonna do when Hulkamania runs wild on you?!” Es war eine Zeit, in der das Publikum noch regelmäßig geschlossen hinter dem Top-Babyface stand und emotional vollkommen vereinnahmt mitfieberte. Das lag auch daran, dass die Wrestler der damaligen Zeit noch nicht überpräsent waren: Es gab deutlich weniger Shows als heute und die großen Stars und Matches wurden für die Pay-per-Views aufgespart. Die Fans freuten sich einfach riesig, endlich mal ihren Star zu sehen. Hogan alleine funktionierte schon gut. Durch viele großartige Gegenspieler funktionierte er noch besser. Hogan profitierte in der WWF vom Können von Stars wie „Rowdy“ Roddy Piper, „Mr. Wonderful“ Paul Orndorff oder „Macho Man“ Randy Savage. In Japan konnte er mit Leuten wie Antonio Inoki und dem Great Muta sogar für seine Verhältnisse glänzende Matches auf Beine stellen.

Hulk Hogan headlinte acht der ersten neun WrestleManias, kreierte mit dem Bodyslam gegen Andre the Giant bei WrestleMania III einen der legendärsten Momente des kollektiven Wrestling-Gedächtnisses. Hogan baute sich eine Reputation auf, an der langfristig nicht einmal der Steroidskandal rütteln konnte. Natürlich hatte Hogan Steroide genommen, das gab er vor Gericht zu. Doch Hogan meinte, durch einen Fernsehauftritt in der Talkshow bei Arsenio Hall einen Imageverlust abwenden zu können, indem er noch vor dem Prozess öffentlich statierte, er nehme keine Steroide. Vor Gericht musste er schließlich zugeben, glatt gelogen zu haben.

„Mit meinen doch noch jungen 22 Jahren habe von Hulk Hogans WWF- und WCW-Zeit leider (oder zum Glück?) nichts mitbekommen. Matches von ihm, die mir im Kopf sind, sind das Match von Wrestlemania 3 mit dem legendären Slam gegen Andre the Giant sowie die Matches bei Wrestlemania 18 gegen The Rock und Wrestlamania 19 gegen Vince McMahon. Die einzige Storyline, die ich vom Hulkster als Fan mitbekommen habe, war die 2005 gegen Shawn Michaels. Das sind aber aus meiner Sicht alles positive Sachen. Kann daher eigentlich nicht meckern.“ (Great_One)


Wechsel zur WCW

Ein langwieriger Gerichtsprozess polterte über die WWF und Vince McMahon herein. Dem Boss wurde vorgeworfen, Steroide zu besitzen und zu verteilen. Letztlich wurde McMahon freigesprochen, doch der Schaden war angerichtet und die Verhandlungen verschlungen Unsummen. Nicht zuletzt des Geldes wegen ließ McMahon Hulk Hogan zur WCW und zum steinreichen Konkurrenten Ted Turner abwandern. Doch Hogan hatte mehr im Kopf als Wrestling: Er wollte sich langfristig in der Film- und Fernsehbranche etablieren und wie ginge das besser als mit einem guten Draht zu Medienmogul Turner?

Bei WCW hatte sich Hogan eine Klausel in den Vertrag schreiben lassen, die ihm kreatives Mitspracherecht einräumte. Denn Hogan hatte nach dem Steroidskandal Angst, dass sein Charakter scheitern könnte. Die Angst war auch abseits des Skandals nicht unberechtigt: Hogan war bereits 40, sein Charakter war schon lange nicht mehr frisch und aufregend. Sein letzter Run in der WWF galt bereits als Flop. Und in der Tat zog Hogan bei WCW nicht so viele Zuschauer an wie erhofft.

WCW-Produzent Eric Bischoff schlug Hogan vor, zum Heel zu turnen. Hogan weigerte sich. Bis die Verantwortlichen die Idee mit der New World Order, der nWo, hatten. Den gefährlichen Rüpeln Kevin Nash und Scott Hall, die „Outsiders“ genannt wurden, sollte ein dritter Star zur Seite gestellt werden. Die Schreiber sahen Sting für diese Rolle vor. Doch Hogan bestand darauf, dass ihm die Rolle zuteilwird. Ein unfassbar geschickter Schachzug von Hogan. Denn Hogan wusste schon immer, was am besten für Hogan ist.

„Da ich zu den regelmäßigen TNA-Zuschauern zähle, sehe ich Hulk Hogan aktuell als General Manager von TNA. In der Rolle weiß er zu überzeugen. Sein Mic-Work und seine Interaktion mit den Fans sind immer noch gut und in der Rolle eines General Managers ist er echt gut zu gebrauchen. Solange er sich nicht zu sehr in den Mittelpunkt der Show stellt, was durchaus schonmal vorkam. Auch nutzt er seine Backstage-Macht gerne aus, um alten Kumpels wie den Nasty Boys oder seiner talentfreien Tochter einen Job zu beschaffen. Leider nervt Brooke Hogan immer noch bei TNA herum, während die Nasty Boys wenigstens schon lange nicht mehr da sind. Im Großen und Ganzen kann ich aber eigentlich nichts Negatives über Hogan verlieren. Wirklich mit Fachwissen habe ich halt nur die von mir oben angesprochenen Matches gesehen sowie seine Zeit bei TNA. Die hatte und hat zwar auch Schattenseiten, doch die empfinde ich jetzt nicht als soo schlimm. In diesem Sinne wünsche ich dem Hulkster alles Gute zum Geburtstag. Möge er seinen geschundenen Körper nicht mehr in den Ring bewegen und noch eine Weile als Autoritätsperson im TV zu sehen sein –  denn das kann er noch.“ (Great_One)


Der größte Impact ever

Es war beim Bash at the Beach 1996. Lex Luger, „Macho Man“ Randy Savage und Sting trafen also auf die bösen Outsiders, die ihr drittes Mitglied an diesem Abend offenbaren wollten. Das Match war schon in vollem Gange, als Kevin Nash dem Macho Man, unbemerkt vom Referee, einen Tiefschlag verpasste. Dann marschierte ein schnurbartloser (!) Hulk Hogan die Rampe herunter, riss sich im Ring fix das Hemd von der Brust. Alle glaubten, er wäre gekommen, um wieder einmal für Gerechtigkeit zu sorgen. Doch plötzlich sprang er mit einem Legdrop auf den am Boden liegenden Randy Savage. Die Stimmung in der Halle drehte sich mit einem Mal um 180 Grad. Sogar der Ringrichter schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Der Ring füllte sich mit Müll, den die verärgerten Zuschauer von ihren Plätzen warfen, als sich Hogan in einer Ansprache gegen die Fans wendete.

Hulk Hogan wurde also Bösewicht. Der neue Charakter verlieh Hogans Legende noch einmal eine ganz neue Note und eine ungekannte Tiefe. Nie hatte ein Turn einen größeren Impact. Niemand hatte mit einem Sinneswandel des Hulksters gerechnet. Es war der Auftakt für das wohl markanteste Stable in der Wrestling-Geschichte, die nWo. Jahrelang drehte sich das Geschehen in der WCW um diese Gruppierung, die, so hieß es, die WCW zu übernehmen drohte.

„Hulk Hogan der einzige Wrestler, den alle, auch nicht Wrestling-Fans, neben dem Undertaker kennen. Spricht man mit einem „Außenstehenden“ über Wrestling, so kommen sofort Fragen wie ‚Ist der Undertaker immer noch dabei?‘  oder ‚Was macht eigentlich der Hulk Hogan?‘ Nun, die glorreiche Hulkamania-Zeit konnte ich leider nicht mitverfolgen. Dafür bin ich schlicht und einfach zu spät auf die Bühne namens Erde getreten. Aber es gibt ja massenweise Videomaterial und wenn ich mir das so ansehe, so stelle ich fest, dass Vince McMahon einfach auf den Style eines Hulk Hogans steht. Damals war es Hulk Hogan und heute ist es John Cena. Beide sind nicht wirklich begabte Wrestler und die einzigen Unterschiede von Hulk Hogan anno dazumal und dem heutigen John Cena sind, dass Hogan von den Zuschauern mehr geliebt und gefeiert wurde und der Hulkster mit den um einiges besseren Mic-Skills gesegnet wurde.“ (Lucius van Houton)


Ego ist nicht egal

Hogan musste einfach immer in erster Reihe stehen. Seinem Verständnis nach zumindest. Er kannte es ja nie anders. Verlieren musste er über Jahrzehnte hinweg sowieso kaum einmal. Mixt man Hogans massives Ego mit den Egos zahlreicher anderer Stars, die ebenfalls ein Mitspracherecht hatten, findet man einen zentralen Grund für den späteren Untergang der WCW. Ein Kompetenzgerangel und ein Kampf um Aufmerksamkeit ohne Gleichen entstanden. Für junge und frische Talente gab es indes keine Chance, sich zu etablieren. Bis heute bietet Hogans Ego Angriffsfläche für seine Kritiker.

Hogan hat nahezu nie in seiner Karriere jemand anderes als sich selber over gebracht. Bei seiner Rückkehr zu WWE im Jahr 2002 verlor er zwar sogar mal gegen aktuelle Stars – musste aber als 48-Jähriger unbedingt nochmal WWE Champion werden. Bei späteren Auftritten mussten sich außerdem Shawn Michaels, der noch voll im Saft stand, und ein aufstrebender Randy Orton zu seiner Legend-Killer-Zeit für ihn hinlegen. Auch heute tritt Hogan, der 2005 von Sylvester Stallone in die WWE Hall of Fame aufgenommen wurde, noch nicht aus dem Scheinwerferkegel. Bei TNA leitet er die Geschicke on-air als General Manager, spielt in wichtigen Storys. Zugegeben, die Liga erfährt durch seine Anwesenheit einen Schub in der öffentlichen Wahrnehmung. Eine Explosion der Quoten bleibt allerdings bis heute aus. Hogans Glanzzeit ist weiß Gott vorbei.

„Hogan kenne ich vor allem als den Typen, der das Sagen bei TNA hat. Meine Meinung zu ihm schwankt immer wieder. Mal bin ich zufrieden mit dem, was er macht und eine Woche später könnte ich ihm den Hals umdrehen. Wenn ich nun aber auf die Entwicklung von TNA seit Hogans „Machtübernahme“ blicke, dann muss ich neidlos anerkennen, dass er vieles richtig gemacht hat. Klar, Ausnahmen wie die Verpflichtung seiner talentfreien Tochter bestätigen die Regel, aber TNA machte für mich einen großen Schritt nach vorne. Ob dies nur an Hogan liegt, mag ich zu bezweifeln, aber seine Finger hatte er sicher im Spiel. Er kennt das Business und für mich darf er als GM noch einige Zeit aktiv sein. Den Ring sollte er aber  meiden. Dafür ist er zu alt und sein Körper zu verschlissen. Ich will nicht sehen, wie man den Hulkster eines Tages mit einer Trage, im Rollstuhl oder gar in einer Holzkiste aus dem Ring abtransportieren muss.“ (Lucius van Houton)


Hogan hatte einen Zeitgeist getroffen

Ach, und was die Schauspielerei angeht: Die Karriere war ja eher mäßig, um es gnädig zu formulieren. Hogan war ein begehrter Name, keine Frage. Trotzdem spielte er kaum attraktivere Rollen als die des klischeehaften Haudraufs in B-Action-Filmen und einigen billigen Komödien. Der Film "Santa Claus mit Muckies" wird von der Internet Movie Data Base als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten geführt. Die TV-Actionserie "Thunder in Paradise" dürfte also noch das Highlight im Portfolio sein. Und, nur um es nicht zu unterschlagen: Zwischen 2005 und 2007 flimmerte Hogan mit seiner Familie in der Reality-Show "Hogan Knows Best" über internationale Fernsehschirme. Wohl der beste Beweis, dass es zur zweiten großen Karriere nicht gereicht hat.

Was bleibt? Hulk Hogan ist das beste Beispiel, dass man kein toller Athlet mehr sein muss, um ein großer Wrestler zu sein. Heute gibt es eine Vielzahl an Fans, die die reine Fixierung auf Charisma und einen unterhaltsamen Charakter kritisieren und Hogan schlicht für überbewertet halten. Daher wird auch ein John Cena heute, der im Prinzip eine nicht mehr zeitgemäße Neuauflage des Hogan-Gimmicks abbildet, mehr als kritisch gesehen. Doch zu Hogans Hochphase gab es noch keine kritischen Smart Marks. Damals hatte Hogan einen Zeitgeist getroffen. Dadurch wurde Hulk Hogan zum vielleicht größten Star, den das Wrestling-Business bisher gesehen hat.

Wie seht ihr Hulk Hogan? Ist er wirklich der Größte aller Zeiten? Oder haltet ihr ihn auch für schlicht überschätzt? Oder seid ihr einer von denen, die, als sie Smart Mark wurden, Hogan verstießen, ihm aber heute wieder huldigen würden? Lasst es uns wissen. Schreibt ins Forum oder bei Facebook, schickt uns E-Mails. Lob, Kritik, Wünsche und Anregungen sind immer gerne gesehen!

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Letzte Änderung am Samstag, 14 Dezember 2013 18:12

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