Hall of History: Vince McMahon – wie er wurde, was er ist

  • 24 August, 2015
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Der Aufstieg von Vincent Kennedy McMahon zum Kaiser der Wrestling-Welt wurde schon häufig erzählt: wie er das Jahrzehnte währende Territorien-System innerhalb kürzester Zeit untergrub, die Konkurrenz aus dem Geschäft drängte, schließlich sogar die WCW in die Knie zwang und die WWE in eine So-gut-wie-Monopol-Position manövrierte.

Ebenfalls oft berichtet wurde, wie er dem Wrestling seinen Stempel aufdrückte, es zur zirkusbunten Familien-Show formte, und wie er heute, etwa 30 Jahre nach seinem unnachahmlichen Aufstieg, längst „out of touch“ ist. Heute wird der Mann, dem nachgesagt wird, dass Geld und Geschäft bei ihm über allem stehen, 70 Jahre alt. Die Hall of History spürt nach, wie er wurde, was er ist.

(Foto: Sgt. DaleAnne Maxwell - Photo Courtesy of U.S. Army - via en.Wikipedia.org)

Die Kindheit

In einer Welt der Gewalt wuchs Vincent Kennedy McMahon sieben Kilometer außerhalb des Dorfes Havelock in North Carolina in einem Trailer Park auf. Er war damals als Vinnie Lupton bekannt, benannt nach seinem Stiefvater Leo Lupton. Elektriker Lupton war ein echtes Arschloch, das Vinnie regelmäßig mit einer Rohrzange verdrosch, weil er es wagte, Widerworte zu geben, und sich dazwischen zu stellen, wenn Lupton auf Vinnies Mutter Vicki losging. „Leider starb er, bevor ich ihn umbringen konnte“, sagte McMahon 2001 in einem ungewöhnlich offenen Interview mit dem Magazin Playboy. Auch zu seiner Mutter – sie war fünfmal verheiratet – war McMahon lange entfremdet. Im Interview deutete er an, dass er von ihr sexuell missbraucht wurde.

Seinen leiblichen Vater, den Wrestling-Promoter Vincent James McMahon, traf Vinnie das erste Mal, als er zwölf Jahre alt war. Dessen neue Ehefrau Juanita wollte, dass ihr Mann seine bisherigen Kinder kennenlernt. Vinnie mochte seinen Vater sofort. Das war 1957. Seitdem verbrachte er häufig Ferien und Feiertage bei seinem Vater. Die beiden wuchsen zusammen.

Die Jugend

Vinnie wurde schnell erwachsen, verlor früh seine Unschuld. Mit 14 war er auf sich allein gestellt. Er schwänzte die Schule und geriet auf die schiefe Bahn. Er stahl Autos – auch wenn er später behauptete, er habe sie sich nur ausgeliehen und immer zurückgebracht. Und er kloppte sich mit den Marines. Direkt bei Havelock lag die Militärbasis Cherry Point. Im Drive-in The Jet mischte er die Fremden auf. Die waren hervorragend ausgebildet und in gutem körperlichen Zustand, aber Vince war ein Straßenkämpfer. Er stach ihnen in die Augen oder schlug auf den Kehlkopf. Die Marines konnten gar nicht glauben, wie unfair Vince und seine Jungs kämpften, und fanden sich irgendwann in einer echten Tracht Prügel wieder. Umbringen wollte er niemanden, behauptet Vince, aber: „Man wollte nicht, dass er sich noch bewegt, also sorgte man dafür. Es war nicht schön, aber es war herausfordernd und hat Spaß gemacht.“

Später ging Vince auf die Fishburne Military School in Waynesboro, Virginia, und hatte dort seine Schwierigkeiten, sich unterzuordnen. Immer wieder gab es massiven Ärger, er stahl zum Beispiel das Auto des Kommandanten und verabreichte dessen Hund Abführmittel. Er tat aber nie etwas, sagt er, wofür man ihn hätte direkt rauswerfen können. Trotzdem landete er eines Tages vor dem Militärgericht, vor allem wegen Ungehorsams. Aber er schloss die Schule 1964 schließlich ab. Der Sport, Wrestling und Football (Vince war Offensive Guard und Defensive Tackle) halfen ihm in der Zeit.

Bereits mit 16 lernte er seine spätere Frau Linda Edwards kennen. Sie war damals 13. Die Mütter der beiden Teenager arbeiteten zusammen in einem Gebäude der Militärbasis. „Ich hatte keine Ahnung, was eine Familie ist, bis ich Linda getroffen habe, und gesehen habe, wie sie lebten“, erzählte Vince später dem Magazin Cigar Aficionado. Vince ging seitdem im Edwards-Haus ein und aus. Nach Lindas Schulabschluss heirateten die beiden.

Die Anfänge im Wrestling-Business

Vinnie war von der Arbeit seines Vaters und vom Wrestling-Business schnell fasziniert. Der Senior wollte zuerst aber nicht, dass sein Sohn ins Geschäft einsteigt, sondern was Ordentliches lernt. Vinnie ging auf die East Carolina University, schloss dort 1969 zusammen mit Linda ab. Am Tag der Abschlussfeier erfuhr Linda, dass sie schwanger mit ihrem ersten Sohn Shane war. Vince arbeitete dann zunächst als Vertreter, ehe ein Zufall ihm den ersten Job im Wrestling-Business bescherte. Ein Ringsprecher forderte mehr Geld, weil McMahons Wrestling-Shows mittlerweile über die ganze Ostküste ausgestrahlt wurden. Er wollte den landesweiten Tarif und drohte mit der Gewerkschaft. McMahon Sr. entdeckte aber ein Schlupfloch: Der Tarif gilt nicht für Familienmitglieder. Also feuerte er den Ringsprecher. Vinnie fragte seinen Vater: „Mit wem willst du ihn ersetzen?“ Und der antwortete: „Mit dir.“ Ab 1971 war Vinnie regelmäßig als Kommentator im Fernsehen zu hören.

Die nächste Stufe der Karriereleiter erklomm Vinnie 1973. In Bengor, Maine, sollte er einen Promoter ersetzen. Dies war die einzige ernsthafte Chance, die Vince Sr. seinem Sohn als Promoter geben wollte. Hätte Vinnie versagt, wäre das das Ende seiner Karriere gewesen. Auch wenn viele alteingesessene Wrestler auf Vinnie hinabschauten, fasste er Fuß. Vince und Linda kauften 1979 außerdem das Cape Cod Coliseum in South Yarmouth, Massachusetts, und lernten die Arbeit als Promoter noch besser kennen. Sie organisierten Wrestling-Abende, Hockey-Matches und Rock-Konzerte. Vince wurde ein immer wichtigerer Teil in der Führungsriege des Unternehmens seines Vaters. Er war es, der dafür sorgte, dass die die World Wide Wrestling Federation (WWWF) umbenannt wurde ins handlichere World Wrestling Federation (WWF). 1980 wurde Vince McMahon Jr. Unternehmens-Vorsitzender, 1982 kaufte er endgültig die Firma von seinem alternden Vater ab. Und so begann er seinen erfolgreichen Kriegszug gegen sämtliche anderen Wrestling-Promoter des Landes.

Gescheiterte Projekte

Vince McMahon ist heute Multi-Millionär, viele finden, er müsste sogar Milliardär sein. Aber so groß, wie er das Wrestling-Business auch gemacht hat – es war das einzige Projekt, was jemals geklappt hat. McMahon hatte zahlreiche Versuche unternommen, den großen Schlag zu landen. Auch schon vor seiner Erfolgszeit als WWE-Chairman. Etwa mit der Übertragung des gründlich misslungenen Sprungs am Snake River Canyon von Stunt-Legende Evel Knievel 1974 oder dem gefloppten Kampf zwischen Muhammad Ali und Antonio Inoki 1976. So richtig aus den Fehlern scheint er aber nicht gelernt zu haben: Die größten wirtschaftlichen Misserfolge erzielte er als Alleinherrscher der WWE. Etwa die nur zwei Jahre währende kostspielige World Bodybuilding Federation zwischen 1990 und 1992. Tiefpunkt war zweifellos das Millionengrab XFL – eine als Konkurrenz zur NFL gegründete Footballliga. Auch die noch aktuell tätigen WWE Studios haben bisher nichts als eine Reihe grottoider Filme herausgebracht. Wenn sich Vince McMahon mit etwas mehr auskennt als Erfolgen – dann sind es Misserfolge.

Letzte Änderung am Mittwoch, 06 September 2017 18:28

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