Wrestler als 007-Schurken: Vor Batista war Oddjob

  • 05 November, 2015
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Als die James-Bond-Produzenten Barbara Broccoli und Michael G. Wilson nach dem neuen Handlanger ihres Superschurken für „Spectre“ suchten, hatten sie die Tradition im Blick. Sie wollten einen neuen ikonischen Henchman erschaffen, so wie Oddjob einer war. Oddjob aus „Goldfinger“, der stumme Lakai mit der mörderischen Melone. Und die Produzenten fanden: Dave Bautista, Wrestling-Fans besser bekannt als Batista.

Die Entscheidung für Batista ist kein Zufall. Eines verbindet ihn nämlich mit Oddjob. Beide waren Wrestler. Während Batista in den 2000ern als sechsfacher WWE World Champion einer der bekanntesten und erfolgreichsten Wrestler der Welt war, ist die Geschichte vom „Oddjob“ Harold Sakata weitgehend vergessen. Zum Start von „Spectre“ spüren wir seiner Geschichte als Wrestler nach.

Sakata gewinnt Silbermedaille bei Olympischen Spielen 1948

Harold Sakata wurde am 1. Juli 1920 als Toshiyuka Sakata auf Hawaii geboren. Er war japanischer Abstammung. Erst als er nach seiner Schulzeit aufs Festland zog, legte er sich den amerikanischen Vornamen zu. Als Heranwachsender war Sakata eher schmächtig, also begann er, Gewichte zu stemmen. Und was für ein Pfundskerl aus ihm wurde:  Als Gewichtheber trat er 1948 in London bei den Olympischen Sommerspielen an – und gewann die Silbermedaille für die USA. Im Leichtschwergewicht stemmte er in drei „Lifts“  insgesamt 380 Kilo.

Danach baute Sakata noch mehr Muskelmasse auf. Bald lag sein Gewicht bei rund 130 Kilo – bei einer Körpergröße von 1 Meter 78. Er begann eine Karriere als Wrestler. Sein Name: Tosh Togo. Die damaligen Bond-Produzenten Albert R. Broccoli und Harry Saltzman sahen ihn im Fernsehen und wollten ihn als Oddjob für „Goldfinger“ (1964). Sakata hatte keinerlei Schauspielerfahrungen – außer denen im Ring –, aber „Oddjob“ war keine Sprecherrolle. Da reichte seine Präsenz.

Wer wird Oddjob? Ein Wrestling-Match soll Klarheit schaffen

Als weiterer Kandidat für Oddjob war ein anderer Wrestler im Gespräch: Milton Reid, ein Schotte mit indischen Wurzeln. Der forderte Sakata zu einem Wrestling-Match heraus: Der Gewinner bekommt die Rolle. Zu dem Match sollte es aber nie kommen. Reid hatte schon in 007 jagt Dr. No eine kleine Schurken-Rolle gespielt. Die Bond-Produzenten Broccoli und Saltzman entschieden sich daher für Sakata.

Sakatas Wrestling-Karriere ist nur wenig detailliert dokumentiert. Bekannt ist: Er trat vor allem auf Hawaii und an der US-Westküste auf und verkörperte einen japanischen Bad Guy, einen Heel. Er gewann mehrere NWA-Titel, unter anderem die World Tag Team Championship und die Texas Heavyweight Championship. Nach „Goldfinger“ wurde die Melone auch im Ring zu seinem Markenzeichen, zum Teil trat Sakata sogar unter dem Namen Oddjob auf.

Der Beginn des Puroresu: Sakata entdeckt Rikidozan

Seine vielleicht wichtigste Rolle im Wrestling war aber die Entdeckung und Förderung von Mitsuhiro Momota, der Berühmtheit erlangen sollte als die Über-Legende des japanischen Wrestlings: Rikidozan. Es heißt, Sakata habe ihn 1951 fürs Wrestling begeistert. Der frühere Sumo-Ringer Momota stieg euphorisch ins Business ein.

Rikidozan trainierte auf Hawaii und brachte schließlich die amerikanische Sportkunst nach Japan. Dort wurde er der „Father of Puroresu“. Ohne Sakata wäre die japanische Wrestling-Geschichte vermutlich anders verlaufen.

Wrestler spielt Wrestler: Keiji Mutoh als Harold Sakata

Nach „Goldfinger“ nahm Sakata weitere Angebote als Schauspieler an, meistens Abklatsche seiner Oddjob-Rolle. 1974 trat er im Film „The Wrestler“ neben anderen Szene-Größen wie Ric Flair, Dusty Rhodes, Verne Gagne, Vincent J. McMahon und vielen, vielen weiteren auf. Sein Filmname, na klar: Odd Job.

Sakata starb 1982 im Alter von 62 Jahren an Leberkrebs. Jahre nach seinem Tod wurde der Wrestler und Schauspieler selber von einem Wrestler in einem Film verkörpert. Im Film „Rikidozan“ (2004) über die Puroresu-Legende kam auch Sakata vor. Er wurde gespielt von Keiji Mutoh, Gründer von All Japan Pro Wrestling und bestens bekannt als The Great Muta.

Harold Sakata, ein Name für die Geschichtsbücher: nicht nur für 007-Fans, sondern auch für Wrestling-Nerds.

Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 20:38

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