„Superfly“ Jimmy Snuka: Schatten auf einer Legende

  • 18 Januar, 2017
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Er war ein Pionier der Highflyer, eine Inspiration für Fans und werdende Wrestler, ist Mitglied mehrerer Wrestling-Ruhmeshallen. Jetzt ist „Superfly“ Jimmy Snuka im Alter von 73 Jahren gestorben. Auf seiner Legende liegt allerdings ein Schatten.

 

1983 war Jimmy Snukas Schicksalsjahr. Es sollte sein Leben auf den Kopf stellen. In jenem Jahr am 17. Oktober machte sich Jimmy Snuka als Wrestler unsterblich. Der Ort: Madison Square Garden, New York City. Snuka hatte gerade ein Käfig-Match um die WWE Intercontinental Championship unglücklich gegen „Magnificient“ Don Muraco verloren, war mit seinem Gegner aber noch nicht fertig. Er platzierte den Schurken in der Mitte des Rings, erklomm den Käfig in einer Ecke, richtete sich senkrecht auf. Dann schaute er ins Publikum und holte sich die Bestätigung, für das, was er vorhatte. Snuka breitete seine Arme aus – und sprang. Scheppernd landete er auf dem Körper seines Gegners, die Zuschauer johlten.

Diese Sekunden, die den Madison Square Garden in Ekstase versetzten, sollten in die Wrestling-Geschichte eingehen. Es war eine Zeit, in der es noch alles andere als Alltag war, wenn sich Wrestler aus großen Höhen auf ihre Gegner stürzten. Es war der legendärste Moment in der Karriere des Mannes aus Fidschi, der in den 70ern und 80ern zu einem der größten Stars der Wrestling-Szene aufstieg – und zu einem Pionier der Highflyer.

Fast genauso berühmt wie der „Superfly Splash“ gegen Don Muraco war die Ausgabe der Talkshow „Piper's Pit“ 1984, als „Rowdy“ Roddy Piper Snuka eine Kokosnuss über den Schädel zimmerte. Oder 1991, das Match, als Snuka als Erster bei WrestleMania dem Undertaker zum Opfer fiel. Für diese Momente und noch viel mehr für alles, was dazwischen lag, wurde Snuka bereits 1996 in einem der ersten Jahrgänge in die WWE Hall of Fame aufgenommen. Aufnahmen in andere Ruhmeshallen wie die Professional Wrestling Hall of Fame sollten im Laufe der Jahre hinzukommen.

Titel gewann Snuka in seiner Karriere auch eine ganze Reihe, ein wirklich großer in der der WWF war allerdings nicht dabei. Deswegen wird es der triumphale Sprung gegen Don Muraco sein, für den die Wrestling-Fans weltweit den Mann mit der schwarzen Mähne und dem Tarzan-Look auch in Jahrzehnten noch in Erinnerung behalten werden. Mehr als 30 Jahre hat die Strahlkraft dieses „Magic Moments“ ja bereits gehalten.

Es könnte so leicht sein, Snukas Karriere zu feiern

Snukas Impact ist unbestritten. Der „Superfly“ und sein Splash hat viele Fans inspiriert, selber Wrestler zu werden, und mit WWE Hall of Famer Mick Foley einen jungen Mann sogar so sehr, dass er sich Jahre später selbst todesmutig von noch höheren Käfigen stürzte – oder stürzen ließ. Foley, der damals den Sprung gegen Muraco live in der Halle sah, adelt sein Vorbild: „Ich wäre ein anderer Mann ohne den Einfluss von Jimmy Snuka – ein Mann ohne Traum“, schrieb er auf Facebook. Und auch der heutige WWE Superstar Seth Rollins sagt in einem Video: „Er war der Inbegriff des Highflyers.“ Es könnte so leicht sein, Snukas Karriere zu feiern.

Aber 1983 war auch etwas passiert, das all den Glanz und die Gloria in Dunkelheit hüllt. Fünf Monate vor dem großen Sprung, am 10. Mai 1983, starb Snukas Geliebte Nancy Argentino unter mysteriösen Umständen in einem Hotelzimmer in Allentown, Pennsylvania. Argentino hatte überall am Körper Wunden – sie war gewaltsam zu Tode gekommen. Snuka, der seine Freundin nach der Rückkehr von einer Wrestling-Show im Hotel gefunden und den Notruf verständigt hatte, geriet ins Visier der Ermittler. Von einem Strafgericht angeklagt wurde er aber nie. Vor einem Zivilgericht erstritt die Familie Argentino zwei Jahre später allerdings eine Zahlung von 500.000 Dollar – Snuka zahlte nicht, gab an, mittellos zu sein. Der Fall wurde zu den Akten gelegt.

Mysteriöser Mordfall rückt Snuka ins Zwielicht

Seitdem ist Jimmy Snuka in ein Zwielicht gerückt. Und der Fall sollte ihn bis zu seinem eigenen Tod verfolgen. Snuka, der wegen Fällen häuslicher Gewalt polizeibekannt war, beteuerte stets seine Unschuld, verstrickte sich im Laufe der Jahre aber immer wieder in eklatante Widersprüche, was an diesem Tag im Mai 1983 wirklich passiert war. Nach Veröffentlichung von Snukas Autobiografie (Er schrieb: „Ich habe Nancy nie geschlagen oder bedroht. Ich wollte ihr nie schaden.“ ) und Recherchen der Zeitung „The Morning Call“ – die den Autopsiebericht ans Tageslicht förderte – wurde der Fall neu aufgerollt. Es gab ausreichend Hinweise, dass Nancy Argentino an der Folge von Schlägen auf den Kopf starb. 2015 wurde Jimmy Snuka wegen Mordes angeklagt – 32 Jahre nach der Tat.

Doch Licht sollte nicht mehr ins Dunkel kommen. Snuka war krank, sehr krank. Er habe Magenkrebs, leide an Demenz, nehme Palliativmedizin in Anspruch, verlautete seine Verteidigung. Im Dezember 2016 hieß es, Snuka habe nur noch Monate zu leben. Am 3. Januar 2017 entschied eine Richterin, dass der Angeklagte nicht mehr in der Lage sei, an einem ordentlichen Prozess teilzunehmen. Die Anklage wurde fallengelassen. Zwölf Tage später war Jimmy Snuka tot. Einen Schuldspruch hat es nie gegeben. Die Wahrheit, so er sie denn kannte, hat der Ex-Wrestler mit ins Grab genommen.

„Superfly“ Jimmy Snuka wird in Erinnerung bleiben als streitbare Persönlichkeit, als Mann mit zwei Gesichtern. Als möglicher Totschläger, vielleicht sogar Mörder – einerseits. Die WWE und Snukas Weggefährten haben das nach seinem Tod ausgeblendet. Sie feiern seine helle Seite. Als charismatischer und leidenschaftlicher Wrestler. Als Vorzeige-Athlet und Pionier der Flieger. Als einer, der Tausende von Fans in Ekstase versetzt hat. So wie mit seinem „Superfly Splash“ am 17. Oktober 1983 im Madison Square Garden.

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Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 20:37

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