Schwartz, ungesüßt... #16 - Money in the Bank Ladder Matches (Teil 2)

  • 02 August, 2013
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Wenn eine Premiere glückt, spricht nichts gegen eine Neuauflage. Und noch eine, und noch eine… Das erste Money in the Bank Ladder Match war ein voller Erfolg. Die Fans liebten das Spotfest und im Nachgang kreierte es sogar einen der unvergesslichsten Momente der jüngeren WWE-Geschichte: den elektrisierenden Cash In von Edge bei New Year’s Revolution 2006. Bei den Offiziellen von World Wrestling Entertainment dürfte schnell festgestanden haben, dass sie sowas wieder ins Programm einbauen. Feuer frei für Runde zwei, und damit herzlich willkommen zur 16. Ausgabe von „Schwartz, ungesüßt…“.

Für mich persönlich war das Jahr 2006 ein ganz Besonderes. Seit mindestens fünf Jahren hatte ich kein Wrestling mehr gesehen, bevor ich im Januar wieder einstieg. Mein All Time Fav trug gerade das größte Gold der Liga und es gab viele unverbrauchte Gesichter in neuen Konstellationen. Der Royal Rumble erinnerte mich dann wieder daran, wie schnell man bei diesem Programm enttäuscht werden kann. Der Mexikaner-Zwerg Rey Mysterio gewann die 30 Men Battle Royal (lächerlich!) und der Rated R Superstar gab den WWE Championship nach nur drei Wochen wieder an John Cena ab (eine Frechheit!). Ich blieb trotzdem dran und kann mich heute an keine Road to WrestleMania erinnern, die mir so viel Vorfreude auf den größten PPV des Jahres am 2. April 2006 beschert hat.  Vor allem lag das am Hardcore Match zwischen Edge und Mick Foley, das meine Erwartungen sogar noch übertraf und weiterhin zu meinen persönlichen Top Ten zählt. Bei den Diven gab es im Vorfeld zu WrestleMania XXII mit Mickie James vs. Trish Stratus die wohl beste Frauenfehde ever zu bewundern. John Cenas Titelverteidigung gegen Triple H wurde genauso gut aufgebaut wie das No Holds Barred Match zwischen Vince McMahon und Shawn Michaels. Außerdem gab es in Rosemont, IL ja noch das zweite Money in the Bank Ladder Match, bei dessen Ankündigung ich ganz große Augen bekam.


Die Geschichte

Wie schon 2005 wurde die Idee für Money in the Bank auch 2006 von einem Superstar eingebracht. Dieses Mal war es Carlito, der mehrfach andeutete, dass es zu einer Neuauflage kommen würde, und es dieses Mal Qualifying Matches gebe. Vince McMahon hatte nix dagegen und zunächst traf Rob van Dam auf Trevor Murdoch. Wie zu erwarten gewann RVD mit dem Five Star Frogsplash und stand somit als erster Teilnehmer fest.

Nummer zwei wurde Shelton Benjamin, der sich in der Woche zuvor den Intercontinental Title von Ric Flair geholt hatte. Der frische Champion besiegte Chavo Guerrero unter freundlicher Mithilfe von Randy Orton, der den Mexikaner attackierte, weil er gerade eine Fehde mit dessen Kumpel Rey Mysterio am Laufen hatte. Carlito war ziemlich sicher, der Dritte im Bunde zu werden, schließlich setzte man ihm Wrestling-Opa Ric Flair vor. Doch der Nature Boy bewies einmal mehr, dass er der Dirtiest Player in the Game ist und gewann mit Hilfe der Ringseile.

Allerdings schaffte es Naitch nicht, sich in der Woche darauf, den IC Title zurückzuholen, denn er gewann gegen Shelton Benjamin nur durch DQ. Unterdessen verkündete Theodore Long, dass dieses Mal auch SmackDown Superstars bei Money in the Bank mitmachen dürfen. Doch gleich das erste Qualifying Match des blauen Brands endete in einem No Contest, weil Bobby Lashley und Finlay sich quer durch die Arena prügelten.

Während also weiterhin nur drei Teilnehmer feststanden, trafen zwei davon in einem Match um den Intercontinental Title aufeinander. Shelton Benjamin blieb nach einem unfairen Einroller gegen Rob van Dam Champion.

Damit nicht noch einmal das Gleiche wie sieben Tage zuvor passiert, wurden bei Finlay vs. Lashley, Part II, ein paar Lumberjacks um den Ring gestellt. Der Ire gewann dank der Shillelagh und reiste damit zu WrestleMania XXII. Einige Minuten später tat es ihm Matt Hardy gleich, weil er durch DQ gegen Road Warrior Animal gewann, mit dem er gerade eine kleine Fehde für Zwischendurch pflegte.


Bei RAW stritten sich die drei potentiellen neuen Mr. Money in the Bank weiterhin fleißig um den IC Championship, dieses Mal in einem Triple Threat Match. Shelton Benjamin hatte wieder das glücklichere Ende für sich, als er Ric Flair pinnte, der gerade den Figure Four Leg Lock gegen Rob van Dam angesetzt hatte.

Dann wurde es Zeit, endlich den letzten Rivalen für den großen Showdown beim PPV zu bestimmen. Weil Teddy Long ja immer besonders schleimig ist, gab er fast dem gesamten Roster eine Gelegenheit per Last Chance Battle Royal. In seinem dritten Versuch schaffte es Bobby Lashley dann doch, indem er als letzte MNM (Joey Mercury & Johnny Nitro) eliminierte.

Das letzte RAW vor dem PPV präsentierte dann einen kleinen Debattierclub. Diesen eröffnete Ric Flair, der daran erinnerte, dass er Zweiflern schon oft das Gegenteil bewiesen habe. Er wolle einen letzten Run als World Champion und Money in the Bank sei der erste Schritt dazu. Shelton Benjamin war da anderer Ansicht und verwies auf seine unheimliche Athletik, die in so einem Kampf das A und O seien. Flair machte das wütend und es entwickelte sich ein Brawl, an dem sich schon bald auch The whole fucking Show beteiligte. Es war aber der Nature Boy, der dieses Segment als moralischer Sieger verließ.

Auch Matt Hardy ging mit Rückenwind Richtung WrestleMania XXII, da er bei SmackDown den Pinfall in einem Six Men Tag Team Match einfuhr, an dem auch Finlay beteiligt war.

Wie man an meiner chronologischen Schilderung erkennen kann, war der Aufbau für dieses Match zweigeteilt. Sowohl grundsätzlich als auch qualitativ. Was bei RAW ablief, gefiel mir gut. Die Writer bauten den IC Championship ins Geschehen ein, womit in den Wochen vor dem PPV noch ein zusätzliches Objekt der Begierde auf dem Markt war. Auch die Beteiligten stellten eine bunte, interessante Mischung dar. SmackDown wurde hingegen mit dieser Storyline gar nicht tangiert. Dort standen Bobby Lashley und sein Bestreben im Mittelpunkt, ins MitB Match zu kommen. Die Geschichte passte zum Wrestler: langweilig. Ich werde nicht müde es zu betonen, aber außer einem beeindruckenden Körperbau ging dem Kerl einfach alles ab, was man im modernen Wrestling braucht. Dementsprechend happy war ich übrigens, als er einige Monate später meinte, sich im MMA einen Namen machen zu können, und endlich von der Bildfläche verschwand.

Auch wenn ich ob mancher Namen in dem Match skeptisch war, freute ich mich damals dennoch wie ein Schneekönig auf Money in the Bank II.


Das Match

Für Matt Hardy war Money in the Bank 2006 bereits das dritte Ladder Match, das er bei einer WrestleMania bestreiten musste. Beide zuvor natürlich gegen die Dudley Boys sowie Edge & Christian, wo es jeweils Niederlagen hagelte. Dass er hier drin war, weil er weiß, wie man geile Spots fabriziert, und nicht, um zu gewinnen, erschien logisch. Gleiches gilt wohl für Shelton Benjamin, der sich im Jahr zuvor für diese Art von Kampf empfahl und auch dieses Mal wieder als Intercontinental Champion antrat. Was Finlay hingegen hier machte, wird lange ein Geheimnis bleiben. Weder kam er als Sieger in Frage, noch dürfte er jemals  ein Spezialist für spektakuläre Aktionen gewesen sein. Er war wohl einfach ein solider Worker, der es verdient hatte, auf der Card zu stehen, und anderswo gab es keinen Platz mehr. Jim Ross meinte zumindest, der Ire sei „tougher, than a Two Dollar Steak“. Weiter gingen die sehr kurzen Entrances mit Rob van Dam. Der enterte die Schlacht mit einer 2:0-Bilanz bei WrestleManias und war zudem der eindeutige Publikumsliebling. Bobby Lashley feierte sein Debüt beim Granddaddy of them all und war zumindest der kräftigste Athlet in diesem Match. Tja, und dann war da noch Ric Flair. Zu diesem Zeitpunkt 57 (!) Jahre alt und alle fragten sich, was der Nature Boy hier zu suchen hatte. In seiner über 30-Jährigen Karriere bestritt er hiermit erst sein zweites Ladder Match. Das erste war übrigens noch gar nicht lange her, denn am 16. Januar wurde er von Edge bei RAW in einem TLC Match besiegt.

Diese Zweitauflage von Money in the Bank war mit etwas mehr als zwölf Minuten sogar noch kürzer als das Debüt. Soll heißen: Vergesst einen roten Faden, gebt einfach nur Vollgas. Gesagt, getan. RVD läutete den Reigen an Spots mit einem Baseball Slide und einem Crossbody übers Top Rope gegen Matt ein, der gerade eine Leiter in Händen hielt.

Shelton Benjamins großer Auftritt folgte gleich danach. Erneut baute er eine Leiterrampe, dieses Mal lehnte das Teil am obersten Seil und Finlay lag drunter, um festzuhalten. Sehr cool fand ich die Gestik und Mimik des IC Champions, bevor er loslegte. Das kam stark rüber. Und sein Flip (gegen van Dam Hardy und Lashley) saß wie im Vorjahr perfekt.


Man sollte meinen, dass jetzt schon die Spitze des Eisbergs erreicht war. Aber weit gefehlt. Für das absolute Highlight sorgte Ric Flair. Der war nah am Koffer, steckte dann aber von ganz oben einen fantastischen Superplex von Hardy ein. Wow, ganz großer Respekt für diese Aktion! Kurz nach dem Aufprall schrie Naitch aber schon wie am Spieß und hielt das Knie. Der Referee machte das X und Flair wurde humpelnd in den Backstage-Bereich geleitet.

Aber eine Legende verschwindet nicht einfach so. Wenige Minuten später hoppelte er zurück zum Ring, woraufhin sein alter Kumpane Finlay nur den Kopf schütteln konnte. Doch nicht nur das – nachdem er sich in eine wahre Chop-Ekstase brachte und die Whoooos nur so durch die Halle schallten, machte Ric sich daran, erneut die Sprossen zu erklimmen. Crazy der alte Mann! Der Ire hatte was aber gegen einen Sieg vom Nature Boy und kloppte ihn mit der Shillelagh. Das resultierte in einem weiteren heftigen Bump aus etwa zweieinhalb Metern Höhe.

Unglaublich im negativen Sinn war die Leistung von Bobby Lashley. Der hatte offenbar schon Höhenangst, wenn er nur die erste Stufe der Leiter betreten musste. So sahen seine Kletterversuche dann auch aus. Wie ein zurückgebliebener Dreijähriger, der zum ersten Mal das Gerüst auf dem Spielplatz besteigt. Shelton Benjamin kam von der anderen Seite und sprang mit einem Sunset Flip über den Muskelprotz hinweg. Statt dass dieser aber den Bump nimmt, hielt er sich lieber fest und ließ erst los, als Matt und der ehemalige Belfast Brawler es zu einer Triple Powerbomb machten.

Später war Bobby dann auch noch zu blöd, eine der Leitern richtig anzustupsen, damit sie umfällt. Wahrscheinlich hatte er schon Angst vor seinem nächsten Kletterversuch, der kurz darauf startete und wieder wirkte wie ein schwarzer Jungstier bei der ersten Samenspende auf der künstlichen Kuh. Gut, dass Lashley nach einem Van Daminator Dropkick und einem Flying Legdrop von der Leiter durch Matt Hardy aus dem Match raus war.


Finlay glänzte wie erwartet auch nicht, aber er stellte sich immerhin nicht so blöd an. Um genau zu sein, machte er das, was er am besten kann, und setzte die Steigwerkzeuge eher rabiat ein. Das ist legitim und passte als Abwechslung gut ins Bild. Zudem hatte auch er seinen genialen Moment, als Matt ihn mit einem tollen Side Effect von der Leiter riss und dann auch noch Rob mit einem Five Star Splash auf ihm landete. Um es zum Frogsplash zu machen, lag der Ire jedoch leider zu nah an der Leiter.

RVD stellte die Leiter in die Mitte des Rings und ging Stufe um Stufe nach oben. Wie aus dem Nichts kam aber plötzlich Shelton Benjamin mit einem Springboard auf der anderen Seite der Leiter an und es entwickelte sich ein Faustkampf. In diesen griff auch Matt Hardy mit einer zusätzlichen Leiter ein. Van Dam verscheuchte den IC Champion ebenfalls auf die zweite Steighilfe und warf diese kurzerhand um. Das sah schmerzhaft für Hardy aus, der über das Top Rope fiel und mit der Seite voll auf den Apron krachte. Und auch Benjamin dürfte die Landung auf dem Hallenboden ziemlich weh getan haben. The Whole fucking Show hatte sich somit aller Gegner entledigt und konnte in Ruhe den Koffer mit dem Vertrag abhängen. Darf ich vorstellen: Der neue Mr. Money in the Bank.


And the Winner is...


"Holy Shit"-Award

  • Shelton Benjamin baut mal wieder eine Leiterrampe und fliegt mit einem Granaten-Flip über das Top Rope
  • Der 57-jährige Ric Flair steckt einen Superplex von der Spitze der Leiter ein und bumpt später noch einmal spektakulär
  • Matt Hardy verpasst Finlay einen Side Effect von der Leiter.

 

"What the Fuck"-Award

  •  Bobby Lashley hat Höhenangst und scheißt bei seinen Kletterversuchen beinahe ein.

 

Jüngere MitB-Schlachten haben es häufig geschafft, mich zu enttäuschen. Wahrscheinlich einfach, weil die Erwartungen daran aufgrund zuvor gesetzter Standards viel zu groß waren. Bei WrestleMania XXII lief das anders. Ich freute mich zwar wie gesagt auf das Match, konnte mir aber nicht vorstellen, dass es mich vom Hocker reißen würde. Genau das tat es aber. Trotz viel zu kurzer Dauer waren begeisternde Aktionen dabei. Speziell der Superplex von Matt Hardy gegen Ric Flair ist meiner Ansicht nach bis heute eine der überragenden Aktionen in dieser Art von Kampf. Die sechs Superstars machten das Beste aus den Voraussetzungen und stellten ein Match auf die Beine, das ich mir immer wieder gerne anschaue.

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Letzte Änderung am Freitag, 02 August 2013 09:15

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