Hankes Standpunkt: WWE in Hamburg – live, lau und lasch

  • 17 April, 2015
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Neun Länder, elf Tage, 21 Shows – so sieht der Plan der aktuellen WWE-Europatour aus. Von Schottland, Irland und England geht es nach Deutschland, Polen, Ungarn, Frankreich, Belgien und in die Schweiz. Immerhin teilt sich das WWE-Roster in zwei Gruppen die Stationen auf. Dennoch: Europa-Houseshows sind reine Fließbandproduktion – lästige Pflichttermine. Und das merkt man.

Meine Erwartungen an die Houseshow am Mittwochabend in Hamburg hat die WWE voll erfüllt – ich hatte nämlich keine. Bereits beim vorigen Mal, im November 2012, als WWE Halt in der Hansestadt gemacht hat, war ich als langjähriger Fan von der Show enttäuscht gewesen. Daher habe ich dieses Mal – auch angesichts des eher lahmen angekündigten Programms – erst recht nichts erwartet. So hätte mich eine gute Show immerhin positiv überraschen können. Hat sie dann aber nicht. Denn die Show war nicht gut.

Die Show-Elemente fehlten – ausgerechnet

„Also, wenn ich Kind wäre, wäre ich jetzt enttäuscht“, sagte mir ein Fan in der Showpause. Er war Anfang der 90er-Jahre Fan gewesen und wollte jetzt wenigstens einmal eine Show live erleben. Er fühlte sich zwar weitgehend unterhalten – aber eine wirkliche Stimmung wollte nicht aufkommen. Sein Kritikpunkt: Die Show-Elemente fehlten. Ausgerechnet.

Tatsächlich folgte die Veranstaltung nur einem Schema: Match an Match an Match an Match. Zwei kurze Videoeinspieler und eine kaum verständlich gekreischte Heel-Promo von WWE-Diva Naomi kamen mal dazwischen. Das war’s. Selbst die Entrances, so eine andere Meinung, seien ja nicht gerade spektakulär gewesen. Selbst Laien, die bereit waren, sich voll auf das WWE-Programm einzulassen, hatten mehr erwartet.

Für den erfahrenen Fan kommt erschwerend hinzu, dass jede Sekunde der Show so unendlich vorhersehbar war. Bei einem Tippspiel hätte ich wohl jedes Ergebnis richtig getippt. Es gewann in acht Matches typischerweise nur einmal der Heel (Stardust setzte sich gegen Goldust durch), außerdem sind Titelmatches Gift für die Spannung. Natürlich wechselt bei einer Houseshow kein Titel. Eine alte Wrestling-Weisheit besagt: What didn’t happen on camera, didn’t happen. Mein Appell: Lasst die Titelklauseln endlich weg!

Magerkost als Hauptgericht und Verarsche als Nachtisch

Wenn wenigstens die Match-Qualität gestimmt hätte! Aber jedes Match lief nach Schema F ab. Kein Wrestler hat mehr gemacht, als er musste. Mit Ausnahme vielleicht von Seth Rollins, der seinen überdurchschnittlich riskanten Phoenix Splash ins Leere vollführte. Aber auch sein Match gegen Randy Orton – bei WrestleMania in meinen Augen der Showstealer – kam bei Weitem nicht an ihr vorheriges Aufeinandertreffen ran. Es hatte zwar seine Momente und war klar das beste Match des Abends, in manchen Phasen habe ich mich aber gefragt, ob die beiden miteinander gewettet hätten, wer das Match auf möglichst unkreative Weise in die Länge zu ziehen weiß.

Mit das Schlimmste war dann wieder das Finish. Wie schon bei der Hamburger Show im November 2012 mit dem Main Event zwischen Big Show vs. Sheamus endete auch das Titelmatch zwischen Rollins und Orton in einer Disqualifikation. Erst läuft das Match 20 Minuten, dann deutet Orton mit einer Pose den RKO gerade einmal an, und plötzlich stürmen J & J Security den Ring. So ein Ende ist einfach nur faul und frech. Magerkost als Hauptgericht – und Verarsche als Nachtisch.

Houseshows sind die reinste Mogelpackung

Nach dem offiziellen Match war erwartungsgemäß noch nicht Schluss, schließlich hat Orton zwar durch DQ gewonnen, Rollins aber den Titel behalten und war zum Match-Ende oben auf. Klar, Orton musste alle drei Gegner noch abfertigen und jedem einen RKO verpassen. So konnten immerhin die Marks zufrieden nach Hause gehen. Orton hat dann nicht mal Ärger über eine verpasste Titelchance gesellt, sondern sich ganz regulär feiern lassen. Schon bedenklich, wenn Wrestler somit offen zeigen, wie wenig Houseshows wert sind.

Ich will klarstellen: Ich hab mich nicht durchweg gelangweilt und man konnte sich das meiste zumindest angucken. Aber ausgerechnet dort, wo Fans den Wrestlern und angeblich auch die Wrestler den Fans am nahsten sein wollen, setzt man den Zuschauern das lascheste und faulste Standard-Produkt vor. „Anything can happen in the WWE“? Von wegen! Houseshows sind die reinste Mogelpackung. Hamburg war wieder das beste Beispiel.

Fotos vom roten Teppich von Julia Henys

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Letzte Änderung am Freitag, 17 April 2015 15:52

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