Hankes Standpunkt: WWE Cruiserweight Classic – Eine Zwischenbilanz nach Runde eins

  • 05 August, 2016
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Das Sahnestück gab es zum Abschluss. Johnny Gargano gegen Tommaso Ciampa, das letzte Erstrunden-Match beim ersten WWE Cruiserweight Classic, war ein absolutes Must-see-Match, ein Kandidat zum Match des Jahres. Dabei war es alles andere als ein klassisches Cruiserweight-Match, kein luftiges Highflying, sondern eine technisch versierte, aber knüppelharte Schlacht. Um beim Sahnestück zu bleiben: Die Sahne war nicht gerade cremig, sondern ziemlich steif geschlagen.

Gargano und Ciampa bekämpften sich, als ob sie eine lange erbitterte Fehde am Laufen hätten. Dabei sind die beiden bei NXT sonst Tag-Team-Partner. Ein einfacher Einspieler, ein kurzes Interview und ein Verweis auf die gemeinsame Vergangenheit beziehungsweise Gegenwart reichten völlig aus, um gleich von Anfang an Feuer in dieses Match zu bringen. Dann boten beide ein bärenstarkes Match, brachten nicht nur sich, sondern das Turnier als solches over, und zeigten einen emotionalen Nachdreh, der das Ganze noch eine Ebene höher hob. Es bewies endgültig: Das Cruiserweight Classic ist eine absolute Bereicherung für jeden Wrestling-Fan – und kann noch viel mehr bieten. Das hier war erst Runde eins.

Gargano vs. Ciampa: Guckt, was hier geht!

Es passte gut, dass Gargano und Ciampa – die wir als zwei der Teilnehmer schon aus WWE-NXT kennen – mit einem solchen Match die erste Runde abschlossen. Denn es ist der Höhepunkt dessen, was sich in den Matches davor andeutete: Guckt, was hier geht! Keine Frage, die erste Runde des CWC war bereits gut. Aber es war vor allem eine Einstiegsrunde. Wir lernten viele neue Gesichter mit ihren individuellen Stilen kennen. Meistens merkte man früh im Match (und oft auch schon davor), wer Favorit ist und wer sehr wahrscheinlich weiterkommt.

Manche Wrestler bekamen von vornherein eine ganz andere Aufmerksamkeit, wurden von den insgesamt großartigen Kommentatoren Mauro Ranallo und Daniel Bryan schon viel deutlicher over gebracht. Oft waren das die Indy-Stars, die man eh schon kannte. Zack Sabre Jr., Drew Gulak, Kota Ibushi und Co.. Die Matches dann waren soweit unterhaltsam, die Spannung eher so mittelhoch. Alles gut genug für den Zuschauer, um Show für Show zufrieden zu sein und dranzubleiben, gleichzeitig noch mit genügend Luft nach oben: Man ahnt, was noch kommen kann. Das machten Gargano und Ciampa vor. Wer bitte hat nach diesem Match nicht Bock auf Runde zwei? Zugegeben, das Match war so gut, dass es schwer wird, es überhaupt im weiteren Verlauf zu toppen – aber so hoch muss die Latte eben auch liegen, damit das CWC sein Potential voll ausschöpfen kann.

Vorstellungsrunde vorbei: Dream-Matches voraus

In Runde zwei warten schon richtige Dream-Matches, etwa Zack Sabre Jr. gegen Drew Gulak. Ihre zu erwartenden Submission-Schlacht könnte genauso gut ein Halbfinale sein. Ähnlich wie TJ Perkins gegen Johnny Gargano oder Kota Ibushi gegen Cedric Alexander. Alleine diese Ansetzungen sind Versprechen. Dank Gargano und Ciampa haben wir auch allen Grund zur Hoffnung, dass die WWE die Versprechen hält. Und ab der kommenden Episode werden nur noch zwei statt vier Matches gezeigt: Es ist also Zeit genug für ein gutes Programm.

Ich gebe zu, teilweise hat man schon den Eindruck, dass trotz 32 – oder jetzt 16 – Teilnehmern die Halbfinalisten schon klar sind. Dass die großen Stars Kota Ibushi, Zack Sabre Jr. oder auch Rich Swann nicht ins Halbfinale kommen, ist eigentlich kaum vorstellbar. (Es sei denn, die WWE setzt verstärkt auf die Wrestler, die nach dem CWC noch länger bei NXT und der WWE bleiben.) Einzig ein Viertel-Bereich in der KO-Klammer schien zunächst etwas Star-arm zu sein und keinen echten Halbfinal-Kandidaten zu bieten. Aber spätestens die letzte Show der ersten Runde hat diese Lücke geschlossen: Jack Gallagher ist eine Wucht.

Die große Entdeckung: Jack Gallagher

Jack Gallagher, das schmale Hemd mit den roten Haaren, der blassen Haut und dem gezwirbelten Bärtchen, ist die große Entdeckung der ersten Runde. Gemeinsam mit dem athletischen Kraftprotz Fabian Aichner (in Deutschland dürften ihn einige noch als Adrian Severe kennen) zeigte er ein tolles Match. Ihre Stile waren unterschiedlich genug, um ein buntes und spannendes Match zu bieten, und ähnlich genug, um wirklich stimmig zusammenzupassen. Jack Gallagher offenbarte neben seinem außergewöhnlichen Look und den technisch makellosen Wrestling-Skills Charisma, Humor und eine elegante Art, sich im Ring zu bewegen.

Auch Aichner überzeugte auf ganzer Linie, ist jetzt allerdings bereits raus. Offenbar hat der WWE ein Vertreter seines Looks und Stils gereicht und sich für Tony Nese entschieden, der ebenfalls in seinem Match gegen Anthony Bennett eine gute Leistung gezeigt hatte, die Lust auf mehr macht. Aichner und Nese sind im Übrigen zwei Vertreter eines Trends des CWC, der so nicht zu erwarten war: Die Teilnehmer sind kaum echte Highflyer. Eigentlich hatten wir bisher kaum ein richtiges Highflying-Match. Auch das ist uns die WWE noch schuldig. Aber dass die nicht-klassischen Cruiserweight-Matches auch voll überzeugen können, zeigten ja bereits Tommaso Ciampa und Johnny Gargano mit ihrem Sahnestück. Ich hab Appetit auf mehr.

Letzte Änderung am Mittwoch, 06 September 2017 18:39

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