Simons Selbstversuch: 30 Tage DDPYOGA

  • 25 November, 2013
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Diamond Dallas Page-211Vor einigen Wochen haben wir euch bereits DDPYOGA vorgestellt. Mit einer gesunden Mischung aus Verzweiflung und Neugier habe ich nun ein Paket von Page geordert, um mir selbst ein Bild zu machen. Wie viel der Begeisterung von Arthur Boorman, Chris Jericho & Scott Hall ist oversellte Werbung und was bringt es wirklich?

Ein bisschen lässt es vielleicht an den Wrestlern ableiten, die das Programm mitmachen. Ein großes Verkaufsargument ist laut Dallas die Flexibilität, die man als Wrestler zweifelsohne braucht. Letzte Woche war Page bereits im neuen WWE Performance Center, um den Nachwuchs-Talenten das ganze näher zu bringen. Die Liste der Wrestler, die DDPYOGA schon länger machen, ist schier endlos. Sicher befinden sich da auch ein, zwei Beispiele drunter, die nicht als Paradebeispiel für Flexibilität herhalten (namentlich Brodus Clay & Ezekiel Jackson). Aber zu 90% ist die Liste mit Leuten wie Edge, Mickie James, Beth Phoenix, Zack Ryder, Bobby Roode, Natalya, Goldust, den ehemaligen TNA Tag Champs von GunStorm oder sogar Tito Ortiz besetzt.

Aber zunächst zu mal mir: Ich bin 25, kein Fitnessmodel, aber in den letzten zwei bis drei Jahren habe ich meinen Spaß daran gefunden, mich in Form zu bringen. Allen voran im Gym, um Masse aufzubauen und ansonsten regelmäßig Radfahren, ganz selten auch mal Laufen. Zum ersten Mal von DDPYOGA habe ich gehört... ich glaube vor 1 ½ Jahren ca. Die Vorteile, die immer wieder betont wurden: Im Gegensatz zum Training mit Gewichten keine Belastung für die Gelenke sowie erhöhte Flexibilität. Mein erster Gedanke war: Ein nettes, kleines Workout für betagtere (oder eben die eigentliche Zielgruppe: beleibtere) Herren. Kann man sich mit 30 oder 40 nochmal anschauen, wenn die ersten Bewegungen schwerer fallen.

Mitte diesen Jahres kam dann eine Verletzung mit anschließender Operation und drei Wochen des absoluten Nichtstuns. Auch danach war an Gewichtheben noch nicht zu denken. In der Zwischenzeit: Acht Kilo abgenommen. Meh! Für jemanden wie mich, der Kalorien schon verbrannt hat, bevor er sie zu sich genommen hat, die Hölle das wieder drauf zu kriegen. Ich wollte einfach wieder mit irgendwas anfangen. Enter: DDPYOGA.


Nachdem der erste Schock über horrende Versandkosten und Zollgebühren überwunden war, wurde sich also gleich auf das Paket gestürzt. Neben dem Pulsmessgerät ein bedruckter Papierumschlag. Darin: 6 DVDs, ein Poster mit den YRG (Yoga for Regular Guys)-Grundpositionen und ein Begleitheft.

DDP empfiehlt unbedingt einen Pulsmesser, da die Herzfrequenz vor allem am Anfang schon mal durch die Decke gehen und das auf Dauer unerfreuliche Folgen haben kann. Page bietet Einen auf seiner Webseite an, bestellt man ihn zusammen mit dem Yoga-Programm kostet er 50$, ansonsten 70$. Auf Anhieb konnte ich nichts Günstigeres finden. Ich bin kein Experte für Pulsuhren, ich kann nur sagen, dass diese für mich einfach zu bedienen und zu verstehen war. Einmal die eigene Fettverbrennungszone eingestellt teilt einem die Uhr durch Piepsen mit, wann man sich darunter, bzw. darüber befindet. Wie man die eigene Zone bestimmt, wird auch sehr verständlich von DDP auf der ersten DVD erklärt.

Page verspricht kurz und bündig ein „kickass cardio workout that will tone & tighten your muscles and increase your flexibility“. Los geht es mit dem Diamond Dozen. Das ist allerdings noch kein echtes Workout. Hier lernt man die 13 Grundpositionen, auf denen YRG aufbaut. Damit habe ich die ersten Tage verbracht und das hat meinen ersten Eindruck bekräftigt: Ein nettes, kleines Workout für betagtere Herren, die sich nur noch eingeschränkt bewegen können.

Aber egal, mehr habe ich ja auch nicht erwartet. Aber Moment... Yoga? Cardio? Muskelaufbau? Enter: Dynamic Resistance. Oder auf gut deutsch: Muskeln anspannen. Page sagt, man solle sich vorstellen, man bewege sich durch Lehm. Den Move, der dafür verantwortlich ist, die Herzfrequenz am Anfang jedes Workouts in Schwung zu bringen, nennt er ganz bescheiden den Diamond Cutter. Ein guter PR-Mann war er schon immer. Hier wirkt quasi jeder Körperteil von den Zehen bis zu den Fingerspitzen mit.


Nach den ersten Tagen, nachdem ich die 13 Positionen ganz gut inne hatte, ging es dann mit dem ersten richtigen Workout los: Energy. Und Holy Crap! Ich habe seit Jahren nicht mehr so geschwitzt. Mein erster Eindruck war schlagartig revidiert. Schließlich habe ich die 22 Minuten überlebt und... moment... halt... stop! Nochmal das Intro angeschaut... Tatsache! Er hat wirklich von einem „basic workout“ und „quick & simple“ gesprochen! In dem Moment wusste ich, dass ich an dem Programm noch eine Menge „Freude“ haben werde.

Was ich außerdem gelernt habe: Niemals die Intensität eines Workouts an der Länge festmachen! In Pages Programm gibt es eine kleine Gemeinheit namens „Red Hot Core“. Also ein Workout, dass sich auf die Körpermitte konzentriert. Etwas, was ich vor allem am Bauch bislang ziemlich vernachlässigt habe. Das liegt hauptsächlich daran, dass ich das Prinzip von Sit-Ups, Crunches usw. einfach dämlich finde. Du quälst dich ständig durch die selben, stupiden Bewegungen, nur um am Ende noch mehr davon machen zu können? Wer tut sich sowas freiwillig an?

Red Hot Core wird seinem Namen mehr als gerecht (und ich musste nicht einen blöden Sit-Up machen!). Mit 12 Minuten ist es das Kürzeste aller Workouts in DDPYOGA, allerdings auch eines der Fordernsten (zumindest von denen, die ich bislang gemacht habe). Drei Tage! Drei Tage danach hatte ich noch Bauchmuskelkater! Aber hier lässt sich wunderbar sehen, wie schnell sich Fortschritte erzielen lassen: Als ich endlich wieder in der Lage war, das Workout nochmal durchzuziehen, war am nächsten Tag von Muskelkater keine Spur mehr.

Red Hot Core ist da bei weitem nicht alleine. Jedes Workout, das man neu anfängt, treibt einen beim ersten Mal an die Grenzen, selbst wenn man die Positionen der Modification Zone nutzt (dort wird Anfängern gezeigt, wie man die Positionen einfacher gestalten kann). Nach ein paar Tagen wollte ich mich alleine schon aufgrund des Namens an den „Diamond Cutter“ (der auch als Namensgeber für ein ganzes Workout dient) wagen – großer Fehler! Das Ding geht 50 Minuten und nach 39 musste ich mich geschlagen geben.


So ziemlich alle DDPYOGA Erfogsstories lassen sich an Zahlen festmachen. Ich habe weder eine Erfolgsstory, noch Zahlen (betreibe das ganze schließlich auch erst seit einem Monat), nur einen kleinen Moment des Stolzes: Es gibt eine Position namens „Down Dog“, unter der sich wohl jeder etwas vorstellen kann. Falls nicht, hier ganz am Anfang des Videos:

Im Einstiegsworkout „Energy“ fällt der Satz: „Maybe your heels will not be on the ground, but they will be in time.“ Ich richtete den Blick auf meine Füße und dachte mir nur: Nein, werden sie nicht. Aber falsch gedacht. Nach drei Wochen waren sie es tatsächlich. Flexibilität stellt sich also schon nach wenigen Wochen ein, genau wie andere erfreuliche Nebeneffekte (z.B. immer weniger „knackende“ Knie und Lösen von Verspannungen im Nackenbereich).


Nun bleibt noch die Frage: Wie schafft es YRG, jemanden der nicht komplett Fitness-unerfahren ist zu fordern und trotzdem Menschen, die anfangs ab 150 Kilo aufwärts wiegen nicht zu überfordern? Das ist einer der Ansätze, die mir DDPYOGA wirklich sympathisch gemacht gemacht haben: Make it your own! Ein Satz, der gefühlt alle fünf Minuten fällt, ob im Begleitheft oder in den Workouts.

Das ist ein Aspekt, der mich wahnsinnig stört, allgemein, wenn es um Werbung geht: Du musst! Gerade im Fitness-Bereich, wenn es um Flexibilität geht: Du musst dich komplett vorbeugen können! Du musst deine Zehen mit den Fingern berühren können oder du stirbst fett und einsam! Page kommt mir wie der erste vor, der erkannt hat, dass all diese Befehle nichts bringen, wenn der Kunde selbst es nicht will.

Page behauptet zwar auch, dass er Erfolg versprechen kann – allerdings nur, wenn man am Programm festhält und es regelmäßig durchzieht. Man müsse sich nicht an Essenspläne halten. Man müsse auch nicht auf Anhieb alle Positionen ausführen können (wie erwähnt, dafür gibt es die „Modification Zone“). Man müsse sich schon seine eigenen Ziele stecken und sich ständig selbst fragen ob die nächste Handlung (z.B. einen Schokoriegel zu essen) hilfreich ist, das entsprechende Ziel zu erreichen.


Da wären wir auch schon beim nächsten Thema: Der Ernährung. Wie schon erwähnt, die eigentliche Zielgruppe von DDPYOGA sind Übergewichtige, Pages Vorzeigeprojekt Arthur Boorman zeigt das wunderbar. Und denen gibt er das entsprechende Werkzeug an die Hand, denn ohne die richtige Ernährung nützt das beste Workout nichts. Das Thema „Ernährung“ nimmt gut zwei Drittel im 50-seitigen Begleitheft ein. Die erste Lektion: Dies ist keine Diät! „Look at the first three letters of the word DIEt. That's what they do, they die.“

Das einzige, was helfe, sei ein lifestyle change, eine langfristige Änderung der Ernährungsgewohnheiten. Gewichtsverlust sei ein Milliardengeschäft mit „schnellen Lösungen“ und falschen Versprechen. Die meisten dieser Dinge würde er nicht einmal an seinen Hund, seine Katze oder auch nur ein Schwein verfüttern.

Wie beim Workout, bietet DDP auch hier einen Einstiegspunkt für Menschen, die sich bislang ganz und gar nicht mit gesunder Ernährung auseinander gesetzt haben. Das ganze geht bis zum Kapitel für Fitnessfreaks, die ihre Ernährung auf die nächste Stufe heben wollen. Es gibt drei Phasen: In der ersten Phase geht es schlicht um „Entzug“: Sprich Fastfood, Dosenfutter und Softdrinks werden komplett gestrichen.

In Phase zwei werden Gluten sowie sämtliche Milchprodukte eliminiert, da der menschliche Körper laut Page ohnehin nie dafür gedacht war, solche Dinge zu verdauen (also Laktoseintoleranz etwas völlig natürliches ist) und mit der heutigen Genmanipulation seien das Dinge, die der Körper nur noch mit Glück als Nahrung erkennen könne. Zugegeben, diese Abschnitte sind im Heft schon sehr pathetisch geschrieben und lesen sich teilweise schon wie die Packungsbeilage zu einem Medikament, aber die Gedankengänge sind zumindest nachvollziehbar. Page gibt zudem zu, dass er selbst zwar recherchiert, aber nie wissenschaftliche Studien betrieben habe – er empfehle hier nur, was ihm selbst weiter geholfen habe.

Phase drei ist dann komplett „Bio“, komplett ohne Chemikalien oder sonstige industriell verarbeitete Lebensmittel auszukommen. Aber auch hier kommt wieder der wunderbare Satz: „Make it your own!“ DDP weiß, dass sich nicht jeder den Besuch im Eine-Welt-Laden um die Ecke leisten kann. Man solle sich jedoch so gesund ernähren, wie es das Portemonnaie zulässt und ein „label reader“ werden. Ein Anhaltspunkt: Je kürzer die Zutatenliste des Produkts, desto besser.

… und schließlich gibt es noch eine ganze Reihe von Seiten mit Rezepten und genauen Essensplänen, die ich jedoch nur überflogen habe. Diese sind schließlich für Menschen mit Übergewicht konzipiert die abnehmen wollen, also das genaue Gegenteil von mir. Wer zulegen möchte, dem empfehle ich ein Rezept, das DDP vor kurzem auf seinem Youtube Channel veröffentlichte, extremst lecker (Anm. d. Red.: Hemp Force, das man hier ohnehin nicht bekommt, kann natürlich durch ein Proteinpulver der eigenen Wahl ersetzt werden ;)).


Wie fällt also mein Fazit aus? Zunächst mal: DDPYOGA hat für mich das getan, was es sollte. Es hat mich wieder langsam an sportliche Betätigung herangeführt und inzwischen läuft es sogar wieder im Gym, fast schon mit den alten Gewichten. Was jedoch nicht bedeutet, dass ich es nun aufgeben werde. Im Gegenteil, ich bin schon ein bisschen süchtig geworden.

Die Vorteile für Gelenke und Beweglichkeit sind unabstreitbar, schon nach wenigen Wochen. Natürlich möchte ich noch weiter Gewicht zulegen und werde das Gym beibehalten, aber YRG ist mehr als eine nette Ergänzung und wenn ich mein Ziel gewichtmäßig erreicht habe, kann ich mir gut vorstellen, das Fitnesscenter komplett zu streichen. Falls man vor hat, sich das Programm zu holen und über längere Zeit dabei zu bleiben, empfehle ich jedoch mindestens das Paket mit den 4 DVDs, da es sonst schnell eintönig werden könnte (und die Wake-Up-Routine auf DVD 3 einfach nur Bombe ist).

Insofern will ich jetzt nicht zum Werbemann für DDP verkommen, aber spontan würde ich das Programm ausnahmslos jedem empfehlen, der versucht in Form zu kommen. Völlig egal, ob man zu- oder abnehmen will. Für extrem Übergewichtige (die das Schwierigste natürlich selbst mitbringen müssen: Die eigene Motivation) halte ich das Programm sogar für unbezahlbar. Es gibt einem alle Werkzeuge in die Hand, die man braucht, um seinen Körper (und damit letztendlich auch sein Leben) in den Griff zu bekommen – man muss sie nur benutzen. Das Ding ist Motivator, Personal Trainer und Ernährungsberater in einem. Da wirkt der Preis plötzlich viel kleiner.


Zu betonen bleibt eigentlich nur, dass man sich nicht vom Namen irre führen lassen darf. DDPYOGA hat mit „echtem“ Yoga ungefähr so viel zu tun wie die CDU mit christlicher Politik. Page hat aus der sehr ruhigen, friedvollen Einswerdung von Körper und Seele seine ganz eigene, sehr extrovertierte Version gemacht. Das einzige, was man mit Yoga in Verbindung bringen könnte: Die Wichtigkeit des Atmens wird hervorgehoben. „Own your breath and you own the situation.“ Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es funktioniert!

Das alles bedeutet jedoch nicht, dass DDP den Kopf seiner Schüler komplett vergisst – schließlich ist er auch Motivationsredner. Nach der Anmeldung in der eigenen Community Team DDPYOGA bekommt man den Link zu einem Video einer seiner Reden: „Live life at 90%.“ Die Grundaussage: Dein Leben wird nur zu 10% von Dingen bestimmt, die dir passieren – und zu 90%, wie du darauf reagierst.

Allgemein ist das Prinzip von Team DDPYOGA ein großer Teil der Marketingstrategie. Dallas fordert die Leute dazu auf, in Blogs, Videos & Co. ihre Erfolgsgeschichte zu erzählen. Diese werden alle paar Monate dann auch mal mit 5.000$ - 10.000$ belohnt. In einer Zeit, in denen Menschen mal gerne vorgeworfen wird, den schnellen Dollar zu machen, könnte man DDP jetzt natürlich so einiges vorwerfen: Sich von Hemp Force bezahlen zu lassen und dafür ihr Pulver in die Kamera zu halten, menschliche Schicksale auszubeuten etc...

Aber mal ehrlich: Alle diese Menschen teilen ihre Story freiwillig. Mehr als das, sie wollen andere inspirieren, es ihnen gleich zu tun. In keinster Weise vergleichbar mit dem, was teilweise im TV abläuft. Zudem gibt Dallas zuhause in den Staaten gratis (!) DDPYOGA Training. Wenn er da ein paar Werbeverträge abschließen muss, um die Accountability Crib zu finanzieren, ist das eben so. Das alles ändert nichts daran, dass der King of Bada-Bing eines hat, was vielen Fitness-Gurus und Werbestrategen fehlt: Glaubwürdigkeit. Er glaubt an all das, was er von sich sich gibt. Schon damals im TV als Diamond Studd, als er im Grunde sich selbst spielte – das hat sich bis heute nicht geändert.

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Letzte Änderung am Montag, 13 Januar 2014 11:24

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