Falsche Sieger Teil 2 oder Die WCW konnt’s auch nicht besser …

  • 15 Dezember, 2017
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Die Feststellungen, dass manchmal gefühlt oder real nicht die richtigen Leute in Wrestling-Matches des Titan-Lands gewonnen haben, wurden ja unlängst getroffen und darüber spekuliert. Und das muss auch so sein - denn sonst wären die Foren, Bulletins und Newsboards des WWW ohne ihre Haupt-Daseinsberechtigung.
Und die Liste derartiger Booking-Fettnäpfe … ist leider Gottes lang - und auch umfassend. Und wenn schon die WWF/E etliche dieser Böcke geschossen hat … so möchte man sich gar nicht ausmalen, was alles bei der Turner Promotion aus Atlanta schiefgelaufen ist. Wohlgemerkt: die Anzahl stieg zum Ende faktisch exponentiell. Die Auffallendsten haben wir hier einmal aufgelistet:

 

Platz 10: „Hollywood“ Hulk Hogan vs. Sting; StarrCade 1997

Hui, gleich eine Überraschung bei der ersten Nennung. Denn hier haben wir eigentlich den Mainevent bei der Hauptveranstaltung des Jahres, auf den ein Selbiges lang hingearbeitet und eigentlich nichts falsch gemacht wurde. Bis das Match kam … und das war noch nicht mal grottig, sondern ganz nett mit recht hohem Unterhaltungsfaktor. Einziges Problem: Hogans Ego. Der wollte nämlich nicht verlieren und setzt daher ein mehr als bescheidenes Finish an, in dem Sting gewann … aber auch wieder nicht, da man einen kontrollierten Screwjob mit Neuerwerbung Bret Hart bookte. Das war nix Halbes und nix Ganze … oder doch: nämlich die super aufgebaute Fehde gänzlich vor die Wand zu fahren. Statt Borden hier den klaren Sieg zu geben hätte die andere Variante dann schon eher Titelverteidigung heißen sollen als diesen Bockmist hier präsentiert zu bekommen. Im Grunde … war dieses Finish der Anfang vom Ende der WCW. Auf alle Fälle der Logik.

Platz 9: Evan Karagias vs. Madusa; StarrCade 1999

Der eine oder andere wird es sicher bereits gemerkt haben: der Autor steht mit einem gewissen Chefschreiber und -booker der US-Wrestlinggeschichte auf Kriegsfuß. Und da ist er sicher nicht der einzige. Aber mal ehrlich: der selbsternannte Antichrist des Pro Wrestlings … Mr. Russo, schmeicheln sie sich nicht selber - wohl eher der Durchfall guten Geschmacks. Das hat er gleich nach seinem Amtsantritt in Georgia bewiesen - und die Cruiserweight-Division, einst eine Bank in der WCW, mal komplett in den Sand gesetzt. Die meisten Lichtgestalten waren nicht mehr da oder fighteten in höheren Gewichtsklassen, genügend Nachwuchs wäre aber vorhanden gewesen … da fragt man sich, was diesen Festnetztelefonierer geritten haben mag, eine der wenigen Hoffnungen dieser Sparte seinen Gürtel an eine Ex-WWFlerin über ihrem Zenit und mit der Optik eines Spice Girls in den Wechseljahren abzutreten. Zumindest eine Story gab es ja zwischen beiden - leider aber auch den Russo-typischen „Turn of the Week“. Und damit hat er neben seinen kruden Ideen und dem Tellerrand-Booking am meisten genervt. Hier wäre der Titel eindeutig besser bei Karagias aufgehoben gewesen.

Platz 8: Madusa vs. Oklahoma; Souled Out 2000

Und wo wir schon mal da sind, dann bleiben wir auch hier … passt gerade auf die Situation - und das, was der liebe Jürgen von der Lippe umschreibt. Als wäre diese erste Cruiserweight - Titelfarce nicht schon schlimm genug gewesen, nein - es ging noch übler. Mit Russo wechselte auch Arbeitskollege und Best Buddy Ed Ferrara ins Turnerland - und mit ihm eine selten dämliche wie geschmacklose Parodie von Jim Ross, die Ferrara „Oklahoma“ (Ross Heimat) nannte und mit der er auch live in den Sendungen auftrat. Und gegen genau den verteidigte Madusa ihren Cruiserweight-Gürtel (!!! - ja, richtig gelesen...) … und gab ihn wieder ab. Mit Ex-Alundra oder sonst einer halbwegs wrestlende Lady hätte man sich als Leichtgewichts-Primus ja noch anfreunden können - aber einen Nicht-Wrestler, der eher schlecht einen Nicht-Wrestler karikiert, zum Champion zu machen … mag vielleicht der feuchte Traum eines Ed Ferrara gewesen sein, bescherte den armen Teufeln, die teuer Geld für diesen Anti-PPV hingeblättert hatten, aber nur die mit Alp am Anfang. Da half auch nichts, dass Oklahoma wegen Gewichtsverstoß den Gürtel bald wieder los war.
In meiner wilden Zeit als Mark dachte ich mal, der Abgang von Russo & Ferrara wäre der Todesstoß für Stamford gewesen - heute weiß ich: es war die Rettung und Erlösung.

Platz 7: Berlyn vs. Brad Armstrong; Halloween Havoc 1999

Ohne jetzt zu viel über den guten Alex Wright, seine Fähigkeiten oder seinen Stil zu diskutieren: ihm wurde dreifach übel in der zweiten Hälfte 99 mitgespielt. Über einen großen Zeitraum wurde sein Gimmick als böser Deutscher aufgebaut - und ein gewisses Potential hatte die ganze Sache mit Sicherheit auch. Doch schon das Debüt kam ins Stocken: das sollte bereits im Frühjahr starten, wurde dann aber auf den Herbst verschoben, da zum geplanten Start die Columbine Highschool - Massaker stattfanden und Alex Look zu starke Parallelen aufwies. Das Debütmatch bei „Fall Brawl“ sollte dann gegen Buff Bagwell erfolgen, aber der weigerte sich schlicht & HBK-like - und wurde gegen „Hacksaw“ Jim Duggan ausgetauscht, der schon damals körperlich jenseits von Gut und Böse war. Die größte Company-Backpfeife kam aber einen Monat später: beim „Havoc“ sollte Berlyn gegen US-Guy und Road Dogg-Bruder Brad Armstrong ran, selbst nicht mehr als ein etwas aufgewerteter Jobber. Sein Pech war, dass genau in diesen Zeitraum das Auftauchen Vince Russos fiel. Der krempelte den Laden von Null auf Hundert nach seinem Gusto um - und säbelte das Berlyn-Gimmick dabei gleich mit ab. Zu gut Deutsch: Alex musste gegen Nobody Armstrong jobben - und tat es auch in der Folgezeit. Im Gegenzug bekam sein Bodyguard The Wall (imposante Statur, aber technischer Analphabet) anscheinend Wrights somit ausgebliebenen Push. Hier wäre Alex (egal mit welchem Gimmick) vermutlich die bessere Wahl gewesen, auch über die folgenden Monate betrachtet. Zumindest qualitativ - aber diese Niederlage hat seinen WCW-Leumund im Grunde beerdigt.

 

Platz 6: Glacier vs. Buff Bagwell; WCW Thunder vom 01.09.1997

Und schon wieder steht Marcus Alexander „Buff“ Bagwell, der wrestlerische Chancen- und Kritikertod, im Mittelpunkt. Denn er beendete etwas, das gut ein Jahr zuvor gestartet worden war: nämlich die Karriere von Glacier. Charisma mag man bei dieser fleischgewordenen Videospielfigur vergebens suchen, dafür stimmten die technischen Skills halbwegs, was man in verschiedenen Matches über die kommenden Monate bewundern durfte. Vom Start weg hatte der Mann mit dem Huskyauge und dem kaltrinnenden Blut zudem eine Siegesserie aufgebaut und diese rund zwölf Monate durchgezogen. Es folgten Martial Arts- und Horror-Storylines, welche auch ganz unterhaltsam waren und eigentlich ihre Nische im Programm hatten. Von daher ist es doppelt unverständlich, dass er bei einer Wochenshow einfach mal aus dem Kalten heraus und komplett unlogisch seine erste Niederlage einsteckte. Keiner, der im Rahmen einer Storyline eingriff. Und das vor allem nicht mal auf großer Bühne, geschweige denn gegen einen halbwegs renommierten Superstar. Denn das ist und war Bagwell mitnichten, obwohl er sich vielleicht damals dafür hielt. Eher liegt die Tatsache nahe, dass er seinen Diva-Allüren ähnlich Platz 7 mal wieder freien Lauf ließ. Fakt ist: hier hat die WCW mal wieder mit Zitronen gehandelt. Die Glacier-Story ließ man im Nichts versickern, ohne das Potential voll auszunutzen. Ein Titelmatch, ein Hypestar - oder von mir aus Nr. 1 auf Goldbergs Liste. Aber das hier war eindeutig der falsche Weg. Glacier wurde zum Jobber gestutzt und Bagwell dackelte weiter als Steroid-Appendix im Schatten der nWo-Leitwölfe. Mal wieder flog Geld zum Fenster raus - aber (zumindest damals) hatte man ja noch genug davon ...

Platz 5: Hulk Hogan vs. Jeff Jarrett, Bash at the Beach 2000

The day, the wrestling died … und wieder mal ist die Anti-Ikone involviert. Russo zog seinen Stil rücksichtslos durch und positionierte seine Lobbyisten. Inzwischen war er bei denen angekommen, die ähnlich ihm bislang die Fäden gezogen hatten: Eric Bischoff und Hulk Hogan. Und die sollten nun auch ihre Wachablösung bekommen. Geplant war der große Zapfenstreich für den Millennium - Bash … genau vier Jahre, nachdem Hogan selbst einen eingeleitet hatte. Aber wieder tobte der Krieg der Egos: Hogan wollte die geplante Niederlage gegen Russo-Guy Jeff Jarrett nicht akzeptieren und putschte. Was letztlich herauskam ist negativ-legendär: Double-J legt sich hin, ein verwirrte Hogan pinnte und verteidigte und wurde anschließend seitens Russo mit einer Shoot-Rede rauskomplimentiert. Bischoff ging dann gleich mit. Egal, ob der Einschnitt vielleicht wichtig für die Company war: Hogan hat hier einen Fehler begangen. Nur weil er standhaft blieb, sich weigerte zu verlieren und so vielleicht erhobenen Hauptes hätte gehen können, haben er und letztlich WCW am Ende noch mehr Schaden genommen als vorher. Dass auch eine Niederlage am Ende ein Erfolg für einen sein kann, hat er erst zwei Jahre später gegen The Rock lernen dürfen.

Platz 4: 3 - Ring - Battle Royal; World War 3 1997

Es gibt Dinge, die sind so gut, dass man sie sinngemäß adaptiert. Und es gibt Dinge, die manchmal wenig Sinn machen. Dass es eigentlich ne gute Idee ist, einen Event mit einer Battle Royal vor dem größten PPV des Jahres zu positionieren, fand auch die WCW anno 1995, hob damit den dritten Weltkrieg aus der Taufe - und nahm statt einem gleich drei Ringe. Der Sinn des WWE-Rumble ist allerdings, dass der dortige Sieger - da er dadurch nur seine aktuelle Over-Ness demonstriert - bei WrestleMania auf den Champion trifft. Im WCW-Pendant funktionierte dies bei vier Ausgaben jedoch nur bei Nr. 1 und Nr. 4 (wobei man den Erstling eigentlich auch abziehen muss, da hier der vakante Titel auf dem Spiel stand). Die anderen beiden lagen mitten im nWo - Krieg - und wurden logisch anders ausgelegt. Am ehesten kam man noch 97 ins Grübeln: die große Storyline Hogan vs. Sting war kurz vor dem Siedepunkt - der ideale Zeitpunkt also, um vor dem Money-Match dem Heel-Stable zu zeigen, wo der Hammer bzw. der Baseball Bat hängt. Und es gewann … Scott Hall. Zwar überraschend, aber wenig kreativ und sinnvoll. Ein Henchman aus den eigenen Reihen in der latenten Upper Midcard ohne vorzeigbare eigene Fehde - nee, das wollte man doch wirklich nicht sehen. Hier hätte die Crow-Kopie den eindeutig besseren Part als Sieger abgegeben. Im Übrigen: Halls Shot war für den Superbrawl geplant - und fand letztlich bei Uncensored statt. Als wenn er ein lästiges Übel wäre, für das man keinen Timeslot fand.

Platz 3: Lex Luger vs. Ric Flair; Great American Bash 1988

Für den Schritt aufs Treppchen tummeln wir uns mal nicht in der WCW-Endzeit, sondern müssen etwas weiter zurückgucken. Eine Begegnung, die damals „on fire“ war: Luger und Naitch kämpften noch ein Jahr zuvor Seite an Seite in den legendären „Four Horsemen“, ehe das spätere Totale Package dem Stable den Rücken kehrte, zum Top-Babyface mutierte … und zu Flairs Erzfeind. Das Ganze bereitete man mehrere Monate vor, ehe Luger bei GAB seinen einstigen Mentor um dessen Titel forderte. Das Match war dann auch der erwartete Kracher, bei dem Luger Flair an dessen Grenzen und den Rand einer Niederlage brachte. Das Torture Rack saß, die Glocke erklang … aber zum Schrecken aller wurde der Kampf via „Blood Stoppage“ abgebrochen und Flair behielt sein Gold. Eine Entscheidung, die sehr subjektiv und zweischneidig erschien: offiziell war nie etwas nachzuweisen, aber die angeblich tangierende Wunde war so gering, dass sie im McMahon-Country nicht mal ein Pflaster gebraucht hätte. Man hatte eine große Storyline … mal wieder versiebt. Und Luger war wieder eine Stufe herabgestiegen: sein Rematch verlor er nämlich auch und fehdete ab dann wieder in der Midcard. Wenn man gewollt hätte, dann wäre Lex Champion geworden … aber warum auch immer hatte es mal wieder nicht sollen sein.

Platz 2: Diamond Dallas Page & David Arquette vs. Jeff Jarrett & Eric Bischoff; WCW Thunder vom 25.04.2000

Ganz klar sind VIPs oder sonstige Celebrities immer eine Aufwartung für die großen Ligen, da das Medieninteresse an derartigen Leuten das Publikum außerhalb des Mikrokosmos Pro Wrestling auch mal auf dieses Metier aufmerksam macht. Besonders wird es aber immer dann, wenn sie auch aktiv ins Geschehen eingreifen und sich selbst mal im „Catchen“ versuchen. Übers Ziel hinausgeschossen ist die WCW in ihrem vorletzten Jahr dabei allerdings mit der Promotion für „Ready to Rumble“. Als Dank, dass der halbe Kader im fertigen Werk mitwirken durfte, lud man Hauptdarsteller David Arquette dann zu den Weeklys, steckte ihn in ein Tag Team Match … und sorgte so für den ersten Titelgewinn eines hauptamtlichen Schauspielers. Das Medienecho war wie erwartet groß - die Championship selbst, welche dereinst von Leuten wie Ric Flair, Vader, Sting oder Randy Savage glorreich ausgefochten wurde, dürfte indes symbolisch geweint haben. Nix gegen Publicity, aber warum muss man auf Holzhammer komm raus ein Prestigeobjekt jemand zuschustern, das diesem eine Nummer zu groß ist und dadurch rapide an Wert verloren hat. Der Gürtel hätte bei Jarrett bleiben oder zu DDP wechseln können, Arquette hätte man aktiv als Referee, Enforcer oder Valet einbinden können, dann hätte auch ein Turn funktioniert. So machte man faktisch die Liga lächerlich und den Gürtel wertlos … halt, nein: wertlos wurde er erst ein halbes Jahr später, als Russo ihn sich für eine Woche um die Hüften schrieb.

Platz 1: Goldberg vs. Kevin Nash; StarrCade 1998

Und damit sind wir bei einer der größten Mauscheleien des Pro Wrestlings: die über ein Jahr andauernde Siegesserie des Bill Goldberg hat inzwischen ihren Platz in der Wrestling-Geschichte. Mit einer Dominanz, wie man sie eigentlich selten erlebt hat, pflügte der Hüne seinerzeit durch das gesamte Roster und brachte sie alle mit dem Jackhammer zur Niederlage. Die große Frage ehemals: wer würde diese Streak dereinst brechen? Hogan war um den Titel bezwungen, StarrCade rückte immer näher und letztlich sollte es … Kevin Nash sein. Ich weiß nicht, wie es den meisten geht - aber meine Begeisterung hielt sich in Grenzen. In Stamford ein mittelmäßiger Titelträger, im Turnerland eher Tag Team - Champion und Mitläufer. Trotz Wolfpäc - Gründung blieb er das ganze Jahr einfach zu unscheinbar, als dass er in den Fokus hätte rücken können. Aber da ist und war nun mal diese eine persönliche Trumpfkarte, die Big Sexy wie einem echten Kardinal Richelieu des Pro Wrestlings die Macht abseits der Kamera bescherte.
Faktisch roch so alles nach (Verzeihung Werder-Fans) dem üblichen Stallgeruch und Kungelei. Und das war es dann auch wirklich - sieht man mal das Match als Fingerpoke of Death - Ouvertüre an. Blut mag dicker als Wasser sein … aber längst nicht so dick wie die Schmiere beim Schmieren. Und so hat sich Ur - Alpha Kevin Kraft seines Egos in die Topposition gebracht - und somit logisch glaubwürdigeren Varianten wie Sting, DDP, Bret Hart oder eben Hogan in diesem Moment die Nase gezeigt. Gutsherren- Booking allererster Güte … naja, zumindest hat er die WW3-Battle Royal gewonnen, damit es einigermaßen logisch daherkam (siehe Platz 4). Und ein Elektroschocker leistete auch dankbare Beihilfe. Da kann man nur sagen: That’s Entertainment!

Letzte Änderung am Samstag, 16 Dezember 2017 06:55

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