Size doesn’t matter - die kleinsten Heavyweight Champions

  • 20 Dezember, 2017
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Wenn es nach dem Gusto eines bestimmten Herren geht, der seine Patengeschenke gern mit Südfrüchten vergleicht, oder dem eines inzwischen ergrauten Ex-Promotors … dann bestünden die Wrestling-Kader ihrer Ligen nur aus solchen Vertretern, die der alte Fritz gern als „lange Kerls“ bezeichnet hat. Gemeint sie Hünen, Kolosse oder sonstige imposante Erscheinungen, welche den Durchschnittsbürger in sämtlichen Dimensionen überragen. Das mag seine Gründe haben - denn wenn dort alle gleich sind steigt die Spannung wer denn nun in einem möglichen Aufeinandertreffen die Nase vorn hat.

Nun ist das wahre Leben aber keinesfalls uniform und gleichförmig - die Welt ist bunt und verschieden. Das Wrestling - Business hat das in den vergangenen Jahrzehnten auch erkannt - und so hat die qualitative Evolution von der Wirthausklopperei zur salonfähigen Brutal-Akrobatik auch dem Querschnitt der Bevölkerung die Tür zum Kader aufgestoßen. Inzwischen tummeln sich Koryphäen aller Couleur und Gestalt - und die wahre Spannung baut inzwischen eher auf dem Sinnbild „David gegen Goliath“ auf. Zumindest in vielen Fällen.

Ginge es nach besagten Herren hätten gewisse Leute ohne das gewisse Gardemaß nicht den Hauch einer Chance einmal zum Leitwolf (oder mindestens zur Hyäne) einer Liga zu werden. Dass sie es dann doch geschafft haben ist vorrangig anderen Werten geschuldet: Showqualitäten, Technik, Raffinesse und Geschwindigkeit zählen da zu den ausschlaggebenden Attributen.

Und je mehr mancher davon besitzt, umso mehr macht er dadurch gewisse Insuffizienzen vergessen und gewisse Kritiker mundtot. Daher an dieser Stelle eine große Top Ten der kleinsten Heavyweight - Champions …. zumindest der vom amerikanischen Kontinent.

Platz 10: Chris Jericho (6‘0‘‘)

Von dem US-Standardgrößenmaß existiert eine ganze Latte an hochkarätigen Maineventer und Gürtelträgern wie beispielsweise Kurt Angle, Buddy Rodgers oder Bret Hart. Die Intern-Entscheidung fiel auf den Ayatollah of Rock’n’Rolla, da er als ehemaliger Cruiserweighter da noch am gefühlt schmalsten wirkt. Was allerdings seine Fähigkeiten im Ring und ganz besonders am Mikro keineswegs schmälern soll: es kommt daher nicht von ungefähr, dass er immer wieder die Ringe der WWE beehren und sich mit neuen Leuten das Spotlight teilen darf, damit diese over kommen. Von seinen Erfolgen und Titelsammlungen brauchen wir gar nicht anfangen zu reden - das kann der Kanadier sowieso selbst am besten. Kostprobe gefällig: bei Videoportalen einfach seinen Namen und den eines McMahon - Familienmitglieds eingeben. Das kann ein paar verregnete Nachmittagsstunden schon mal vergessen machen …



Platz 9: A.J. Styles (5‘11‘‘)

Ja, auch der Filigrantechniker mit der Frisur irgendwo zwischen Günter Netzer und Prinz Eisenherz ist nicht wirklich größer … was man eigentlich gar nicht glauben mag angesichts der Tatsache, wo er überall auf der Welt schon Prestige und Titelgürtel eingeheimst hat. Inzwischen auch schon mit der großen Vier vorne scheint der gute Mr. Jones noch nicht ans Aufhören zu denken - wozu auch. Denn gerade im Land der McMahons hat er so noch allen Grund sein Können gegen den Kader unter Beweis zu stellen … selbst wenn er unlängst wieder gegen einen der Big Men verlor, aber der ist ja leider gefühlt unantastbar. Wahrlich unantastbar sind dagegen Styles Move-Repertoire und seine Präsenz.



Platz 8: Chris Benoit (5‘11‘‘)

Von einer großen Company gerne mal totgeschwiegen war drahtige Kanadier mit dem oft stoisch ernsten Gesichtsausdruck eines mit Sicherheit: ein Allround - Wrestler par excellence. Stand er auf der Card egal gegen wen: das Ergebnis sprach fast immer für sich. Genau wie Ric Flair konnte auch er im übertragenen Sinne faktisch mit einem Besenstiel einen Showstealer herzaubern. Dass ihm auf der anderen Seite Charisma und Alleinunterhalterqualitäten fehlten verzog man ihm da gern - aber vielleicht war es mit ein Grund, warum er bis zu seinem 33. Lebensjahr warten musste, bis ihm endlich die Ehre eines Heavyweight - Titelgewinns zuteilwurde. Viele weitere wären vermutlich gefolgt, wenn ... es nicht so gekommen wäre wie es kam. Eine Leben, dass eine Liedzeile sehr treffend beschreibt: „Fortune Fame Mirror Vain gone insane - but the memory remains …“

Platz 7: Bruno Sammartino (5‘10‘‘)

Der legendäre Italo-Amerikaner ist ein wahres Paradebeispiel für diese Rubrik: denn obwohl relativ untersetzt hält er mit guten sieben Jahren Titelregentschaft noch immer einen einsamen Annalen-Rekord, welcher wohl auch nie mehr gebrochen wird (in der Hoffnung, dass bald mal jemand Lesnar Einhalt gebietet …). Klar liest sich seine Titelsammlung nicht unbedingt hammermäßig - aber manchmal ist weniger halt mehr. Und manchmal braucht es bei einer entsprechend starken Präsenz nicht zwangsläufig einen Titel. Eine Gabe, die nicht viele besitzen. Und die Sammartino nicht gerade mit vielen teilt - am Ehesten noch mit dem Undertaker.



Platz 6: Jeff Jarrett (5‘10‘‘)

Tja, auch er darf nicht fehlen: das wandelnde Nashville-Haarmodel mit der opulentesten Buchstabierkunst seiner Zeit. Und das sind längst nicht alle Facetten eines Double - J, der später Gitarren wie weiland Garth Brooks zerdepperte - nur eben auf den Köpfen der Gegner. Auch bei ihm waren die Titans lange skeptisch und hielten ihn sowohl in character als auch vom großen Gold fern. Doch Jarrett reagierte kreativ - gründete nach dem Abgang seine eigene noch immer bestehende Liga (selbst, wenn sie heute anders heißt) und zeigte dann schließlich dort, zu was er fähig ist, wenn man ihn denn hätte machen lassen. Klar - auch in der WCW trug er mehrfach den höchsten Gürtel … aber um manche Art und Weise des Erreichens breiten wir lieber den Mantel des Schweigens.



Platz 5: Pedro Morales (5‘10‘‘)

Und eine weitere Legende der Marke „Big is beautiful - small is powerful“. Noch am ehesten aus den Annalen der Intercontinental Championship bekannt sowie als erster Triple Crowner geht seine Schwergewichtsregentschaft vor über 40 Jahren fast unter. Diese hatte es allerdings ebenfalls in sich: mit einer Dauer von über zweieinhalb Jahren reiht er sich damit in der Bestenliste knapp hinter John Cena ein … der allerdings 13 Regentschaften brauchte, um das zu erreichen. Und - er brachte auch den gewissen Phänotyp als kleinen Vorteil mit (siehe oben). Etwas, das Morales nicht vergönnt war … und er eigentlich auch nicht nötig hatte. Dafür spricht sein bis heute guter Leumund, vor allem im lateinamerikanischen Lucha Libre - Business.



Platz 4: David Arquette (5‘8‘‘)

Leider gehört auch er in diese Auflistung, obwohl er weder ein Wrestler noch ein besonders ruhmreicher Champion war. Böse Zungen sprechen ihm gar Talent in seinem eigentlichen Metier ab … aber Fakt ist: auch Ex - Mr. Courteney Cox trug dereinst mit der WCW Heavyweight Championship für stolze zwölf Tage einen hohen Gürtel. Dies war damals als Promotiongag gedacht, nachdem der halbe Ligenkader bei „Ready to Rumble“ mitgewirkt hatte, wo David die Hauptrolle mimte. So kam er in den Genuss nach einem Tag Team Match Eric Bischoff zu pinnen und gab rund anderthalb Wochen später diesen bei „Slamboree“ wieder an Jarrett weiter. Aus wessen trashiger Feder diese Idee stammt muss (und möchte) ich hier nicht erwähnen - außer vielleicht, dass diese Unpersönlichkeit sich ein halbes Jahr später selbst diesen Gürtel um die Hüften schrieb … und ihn damit gänzlich entwertete.

Platz 3: Daniel Bryan (5‘8‘‘)

Ganz klar darf er in dieser Aufzählung nicht fehlen: eine Ikone der Bartträgerkultur, der ähnlich anderer hochgeschätzter Ring-Kosmopoliten wie Benoit, Jericho oder Malenko mit einer fast sensationellen Technikpräsenz, komplettiert um ein Kämpferherz, schon Jahre lang auf sich aufmerksam machte. Groß war die Vorfreude, als er dann endlich bei der WWE aufschlug … wie auch die Fragezeichen, ob es ihm denn gelänge so weit wie einer der beiden Erstgenannten zu kommen. Man kann sagen: er schaffte es - und wie. Wäre nicht die einschneidende Verletzung gewesen, wäre der natürliche Hype, der um ihn gestartet wurde, ein noch größeres Phänomen geworden, als er ohnehin schon war. Daher braucht sein „Yes!“ den Vergleich mit Hogan, Austin und Cena nicht zu scheuen - und macht seine beiden anderen zu kurzen HWC-Runs als Opfer der Schreiberlinge schnell vergessen.



Platz 2: Eddie Guerrero (5‘8‘‘)

Wieder in aller Munde und wieder ganz vorn: im Herbst hatten wir bereits den guten Eddie in den Fokus gerückt. Einerseits aufgrund seines eigentlich 50. Geburtstages … und dann nochmal, weil auch der Tages seines Ablebens sich leider mal wieder gejährt hatte. Fakt ist aber eines: Guerrero war stets ein Vollblut-Wrestler, der immer alles gegeben hatte. Wer ihn in seinen Anfangsjahren erlebt hat, hätte sich nie ausmalen können, dass so ein vergleichsweise nüchtern daherkommender Mexikaner ohne Maske mal eine derart schillernde Persönlichkeit werden könne. Und genau dies war vermutlich aus der ausschlaggebende Punkt, dass Eddie unaufhörlich immer weiter nach oben stieg … mit der Belohnung Anfang 2004. Und die war zu dem Zeitpunkt mehr als redlich verdient. Gern hätten wir mehr davon gesehen, wie das Lasso from El Paso in den höchsten Titelkreisen funktioniert hätte - aber das Schicksal sah für ihn andere Wege vor. Leider den alles Irdischen …



Platz 1: Rey Mysterio (jr.) (5‘6‘‘)

Profitiert hat davon (muss man so sagen) unser Platz 1, sein Landsmann und wohl der im Pro Wrestling bekannteste Maskenträger Lateinamerikas der neueren Zeit. Ich hätte mir dereinst nie ausgemalt, dass der nur 1,68m große Kolibri-ähnliche Wirbelwind mit Namen ReyRey mal den höchsten Gürtel der WWF/E tragen und sich Kalibern wie Big Show, dem Untertaker oder dem Great Khali stellen würde. Dass er solchen Kaventsmännern durchaus beikommen kann hat er sowohl in seiner alten Heimat WCW bewiesen als auch beim Stamford-Debüt gegen Kurt Angle - bei Ersteren haben allerdings die Drehbücher Beihilfe geleistet. Und bei seinem Titelgewinn 2006 war es halt das Fahrwasser des großen Abschieds von Freund Eddie. Verdient war er allemal - und wie man vier Jahre später sah keine Eintagsfliege.

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