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Freitag, 01 April 2016 06:00

Die beste Show aller Zeiten? WrestleMania X-Seven – PPV-Talk

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Die beste WWE-Show aller Zeiten? Die beste WrestleMania? Für viele Fans gibt es darauf nur eine Antwort: WrestleMania X-Seven aus dem Jahr 2001. Wir haben die Show 15 Jahre später noch einmal in den Videorekorder gelegt, um zu prüfen: Was kann die Show aus heutiger Sicht? War wirklich alles toll oder gab es auch Ausreißer nach unten? Und die Frage aller Fragen: War es wirklich die beste Show, die es je gab?

WWF Intercontinental Championship
Chris Jericho © vs. William Regal

Maik: Ein Opener, der solide war, von dem man aber hätte auch noch eine Ecke mehr erwarten dürfen. Leider mit einem dicken Botch am Ende, als Jericho Regal für den Lionsault mit einem Suplex neu positionieren musste. Nicht zuletzt dadurch wirkte das Finish etwas sehr abrupt.
Wertung: **1/2

Jon Cross: Mit den Voraussetzungen, den Akteuren und der bisherigen Storyline eigentlich ein Selbstläufer – das Ergebnis entsprach dem dann leider nicht. Der einfache Grund: hinter den Kulissen saß offenbar wer mit der Stoppuhr. Für mich unverständlich, mussten beide auf die Tube drücken und ihr Programm in siebeneinhalb Minuten runterspulen. Das dies dann nicht ganz fehlerfrei abging, ist ein Grund dafür. Man hätte lieber woanders ein paar Minuten abzweigen oder ein Match ganz streichen können. Was beide draufhaben zeigten sie ein paar Wochen später. Schade.
Wertung: **3/4

Six Man Tag Team Match
Right to Censor (The Goodfather, Val Venis & Bull Buchanan, w/ Steven Richards) vs. Tazz & The APA (Bradshaw & Farooq, w/Jacqueline)

Maik: Die APA teamt mit Tazz? Die WWE hat also auch schon vor 15 Jahren random Teams  für WrestleMania zusammengewürfelt. Der Entrance von Right to Censor ist ja mal der nervtötendste ever – warum muss der Weg zum Ring bei WrestleMania bloß immer so weit sein? Das Match war dann kurz und nicht weiter relevant. Bradshaw mit einer schönen Clothesline from Hell am Ende. Besser als Match hat mir das Backstage-Segment mit APA und Jacqueline gefallen. Da sieht man: Schon in der Vor-JBL-Zeit war Bradshaw ein toller Talker.
Wertung: **

Jon Cross: Das typische Filler-Match für eine Großveranstaltung – allerdings mit Handlung und einem gewissen Unterhaltungswert. Dieser lag für mich aber in dem Segment direkt davor, in welchem Pre-JBL in schönsten patriotischen Zügen schwelgen durfte. Das Match selber war belanglos, das RTC-Trio ein Sparrings-Partner und Tazz eine austauschbare Variable. Übrig bleibt eine APA-Show, um die Fans anzuheizen.
Wertung: *3/4

WWF Hardcore Championship
Raven © vs. Kane vs. Big Show

Maik: Schöne Abwechslung für zwischendurch. Klar, ist schon ziemlich trashig, aber passt in die WWF-Hardcore-Championship-Tradition. Von daher als Zeitdokument ganz ok. Die eine oder andere Einlage und vor allem das Finish mit Kanes unbeholfenem Sprung und dem nicht erkennbaren Cover sahen wiederum etwas dämlich aus.
Wertung: **1/2

Jon Cross: Der Rabe im Land der Riesen – allerdings brawlgestärkt auf Augenhöhe mit den Hünen. Der Titel passt perfekt zu den limitierten Fähigkeiten der Giants, welche allerdings in der Vergangenheit auch schon die eine oder andere recht gute Fehde hatten. Raven wird zum Spielball beider und lässt sich genüsslich anfahren, bearbeiten oder durch Scheiben werfen. Das Ganze in Russo-esquer Stuntchoreographie – nur eben ohne Russo. Ganz nett, aber vorhersehbar – selbst, wenn der Gewinner nicht so offensichtlich war.
Wertung: **1/2

WWF European Championship
Eddie Guerrero vs. Test ©

Maik: Das Match hat ganz gut angefangen, fand ich nur leider insgesamt sehr austauschbar. Als Verfechter von cleanen Finishes bei WrestleMania leider kein sonderlich zufriedenstellendes Ende. Insgesamt nichts, was groß in Erinnerung bleibt.
Wertung: **1/2

Jon Cross: Das Match kam ein wenig aus der kalten Hose – Eddie saß damals glaube ich im „The World“, als der Kampf mal eben angesetzt wurde. Keine schlechte Idee, denn Eddie lieferte mit Test eines von dessen besten Matches ab. Traurig, dass beide heute nicht mehr unter uns weilen. Gute Chemie und gute Unterhaltung, doch zum Ende hin screwen die übrigen Radicalz den bislang sauberen Fight und sorgen für den Titelwechsel. Der große Makel dieses sonst soliden Fights.
Wertung: ***

Kurt Angle vs. Chris Benoit

Maik: Gutes Match! Gerade den Anfang mit den Ringer-Einlagen fand ich ganz hervorragend, so etwas sieht man beim heutigen Roster gar nicht mehr. Benoit und Angle waren einfach Könner im Ring. Angle ist dazu ein Heel, den ich auch als smarter Zuschauer ausbuhen könnte. Als Match-Story nett die Finisher und das gegenseitige Klauen der Finisher mit eingebaut. Leider hat man auch in diesem Match das Finish mit dem Einroller und dem Hosen-Griff für eine Story-Fortschreibung geopfert. Insgesamt aber ein ganz feines Match.
Wertung: ****

Jon Cross: Allein die Ansetzung war zum Zungeschnalzen – und das Match bestätigte diese mehr als deutlich. Am Anfang werden viele mit unwirsch geguckt haben angesichts der Mat-Wrestling-Sequenzen, aber es war halt mal ein Unterschied zum Üblichen. Haben die beiden auch prima geschafft, weshalb wir wieder einmal festhalten dürfen, dass dieses Duell der Startschuss für ihre späteren Fights war, welche allesamt super waren. Zudem… Angle at his best, wie er das Publikum gekonnt gegen sich aufbringt – und nicht zu vergessen: sein Monolog mit Edge & Christian. Eins der drei besten Matches des Abends.
Wertung: ****1/2

WWF Women’s Championship
Ivory © vs. Chyna

Maik: Hier hat man zu Ende gebracht, was die APA und Tazz schon angefangen haben: die Beerdigung von Right to Censor. Chyna zeigte sich optisch als sehr gruseliger Mix aus Katy Perry und King Kong. Zum Glück war das Match kurz und schmerzlos und Chyna bekam mit dem Titelgewinn ihren kleinen WrestleMania-Moment. Schnell weiter.
Wertung: *1/2

Jon Cross: Der Abkühler nach dem großen Kampf. Einbahnstraßen-Wrestling für das neunte Weltwunder, dem Ivory aber auch gar nix entgegenzusetzen hatte. Chynas Einzug war noch mit das Beste. Ansonsten: Lady-Squash. Ab dafür.
Wertung: *1/2

Street Fight
Special Referee: Mick Foley
Shane McMahon vs. Mr. McMahon

Maik: Um ziemliche trashige Soap-Elemente kommen wir hier auch nicht rum, aber insgesamt war es ziemlich unterhaltsam, fand ich. Gerade Vinces Mimik ist einfach unschlagbar. :D Das Match wurde natürlich vor allem von Shane und seinen Stunts getragen. Seinen Elbow durch den Tisch und der Coast-to-Coast sehe ich nach wie vor einfach unfassbar gerne, sieht richtig gut aus. Von daher natürlich ein Finish wie gemacht für Highlight-Videos.
Wertung: ***2/3

Jon Cross: Kapitel eins der großen Seifenoper. Und etwas anderes hatte ich bei der Ansetzung auch nicht im Kopf. Großes Theater gab es – und auch überraschenderweise gutes hartgeführtes Wrestling, das teilweise besser war als manches Match der Profis. Vater und Sohn teilten hart gegeneinander aus, wobei Shane (wie hoffentlich demnächst wieder) einmal mehr der Löwenanteil gebührt. Abgerundet mit den anderen Familiendamen, Trish Stratus und Mick Foley „in Houston, Texas“ entstand das bis dahin beste Non-Wrestler-Match der Company.
Wertung: ***3/4

WWF Tag Team Championship
TLC Match
The Hardy Boyz (Matt Hardy & Jeff Hardy) vs. Edge & Christian vs. The Dudley Boyz (Bubba Ray Dudley & D-Von Dudley) ©

Maik: Auch heute noch: Wow, wow, wow! Ein Match, das zu Recht sofort legendär wurde. Ein unglaubliches Non-Stop-Action-Feuerwerk. Extrem beeindruckt bin ich nicht nur von den spektakulären Spots an sich, sondern auch davon, wie die einzelnen Elemente so nahtlos ineinander griffen. Das war schon ganz großes Können. Zwei kleine Haare in der Suppe hab ich aber: Schade, dass Jeff Hardy seinen Spaziergang über die Leitern nicht unfallfrei hingekriegt hat, das wäre cool gewesen. Und das Finish fand ich etwas unglücklich. Rhyno hilft Christian hoch und Edge hält D-Von fest? Das konnte man in Anbetracht des fetten Tables-Spots kurz vorher, den Replays und der Kameraarbeit danach gar nicht so schnell wahrnehmen. Ich wundere mich übrigens immer noch, wieso Edge und Christian eigentlich alle diese großen Matches gewinnen durften. Etwas schade im Rückblick für die Karrieren der anderen. Aber das hier ist definitiv ein Match für die Geschichtsbücher, über das man auch in Jahrzehnten noch sprechen wird.
Wertung: *****

Jon Cross: Aller guten Dinge sind drei – selbst, wenn der Erstling noch als Triple Threat Ladder Match geführt wird. Die sechs Akteure plus Team-Titel sind/waren ein Garant für ein Super-Match. Die bange Frage: Wie sollte es halbwegs unfallfrei angesichts „höher, schneller, härter“ auf der Bump-Skala über die Bühne gehen? Einmal mehr bewiesen die Schreiber und Akteure, noch nicht alles erzählt und gezeigt zu haben. Stürze, Moves und Stunts, wie man sie noch nicht vorher gesehen hatte, zudem griffen mit Rhyno, Lita und Spike Dudley die jeweiligen Dritten mit ein – am Ende Match-entscheidend. Der zweite unter den besten Matches des Abends und eines der besten Tag-Team-Titel-Matches der WWE so far.
Wertung: ****1/2

Gimmick Battle Royal

Maik: Ein Cooler zwischen den großen Matches mag manchmal nicht schlecht sein, aber das hier war schon arg überflüssig. Allein die Entrances mit den vermeintlichen Legenden (?) zeigte, warum mir 80er- und 90er-Jahre-Wrestling meist zu kitschig und trashig war und ist. Wenn ihr jemandem mit WrestleMania 17 jemandem die beste Show aller Zeiten zeigen wollt, lasst dieses Match besser aus. Immerhin ging die Battle Royal recht schnell und weil ja immer jemand rausfliegt, war es auch nicht langweilig. Gut war allerdings nicht viel.
Wertung: *1/2

Jon Cross: Und wieder was zum Abkühlen – und urinalem Dehydrieren. War schön, die alten Haudegen mal wieder in einem Ring zu sehen: manchmal schön, manchmal auch erschreckend, in welchem Zustand manche waren. Aber allein der Moment, in dem jeder in den Ring kommen durfte, hatte schon etwas – schließlich dauerte er länger als das Match selbst, bei dem die Recken sich in Windeseile über die Seile warfen oder besser rangelten, um Verletzungen vorzubeugen. Gewinner war dann wenig überraschend der Iron Sheik: einmal, da sein Entrance – wie Bobby Heenan treffend feststellte – so langsam war, dass er wohl erst zu WrestleMania 38 im Ring sein würde, und zweitens, dass er eine Elimination wohl nicht überlebt hätte. Wrestling null, Show pur ergibt klasse Intermezzo. Was am Rande: Hab mich jahrelang gewundert, was bei dem Match so gebrummt hat – bis ich merkte, dass es Lemmys Soundcheck war…
Wertung: *1/4

Triple H vs. The Undertaker

Maik: Spätestens mit diesem Match wurde WrestleMania 17 richtig, richtig gut. Eine in der öffentlichen Wahrnehmung (und durch die zehn Jahre später aufgegossene Fehde in der WWE-Wahrnehmung) zu wenig geschätzte Perle. Triple H und der Biker-Undertaker mit einem großartigen Big-Man-Brawl. Allein die Action auf dem Kameragerüst und der Chokeslam nach unten – das war schon sehr geil. Im Laufe des Matches haben wir vermutlich den längsten WWE-Referee-Bump aller Zeiten gesehen. Wie lange war der nach dem Elbow Drop des Takers außer Gefecht? Zehn Minuten? Logik? Egal! Zum Ende des Matches dann noch ein ganz dickes False Finish von Triple H am Undertaker und danach der einzige Sieg nach einem Last Ride für den Taker bei einer WrestleMania. Sehr, sehr gutes Match.
Wertung: ****1/2

Jon Cross: Nach dem sensationellen Main Event des Vormonats eine ideale Steilvorlage für Hunter, um sich dem Deadman zu stellen. Geiles Match, dem zum Super-Superlativ leider das gewisse kleine Etwas fehlte. Hunter und der Taker zeigten ein wie zu erwarten hartes und hochwertiges Match, dass seine Schwächen hatte. Die Brawl- und Bump-Einlage am Kameraturm war sehenswert, aber in einem Normalmatch etwas überstrapaziert, was die Anwesenheit außerhalb der Seile angeht. Ansonsten aber mehr als solide. Ich weiß nur bis heute nicht, ob die cleane Niederlage Hunters gut oder schlecht war. Ein sauberes Finish ist das eine – die nicht-verwirklichte Option eines Screwjobs durch Shawn Michaels die andere. Wir werden es nie erfahren – zurück bleibt ein toller Kampf.
Wertung: ****

WWF Championship
No Disqualification Match
Stone Cold Steve Austin vs. The Rock ©

Maik: Ein absoluter Kracher zum Abschluss. Die Mega-Stars The Rock und Stone Cold Steve Austin auf dem Höhepunkt ihres Schaffens, beide over wie Sau und mit ihrem besten Match gegeneinander. Einfach alles wirkte riesig. Das Match war nicht nur richtig gut, richtig intensiv und richtig kurzweilig, es war auch mal ein Main Event fern ab von allen typischen Match-Schemata von Shine, Heat, Comeback und Finish. Der Double Turn, der sich während des Matches herrlich einschlich und später nicht mehr zu übersehen war, machte das Match zusätzlich wichtig und besonders. Großartig in diesem Zusammenhang war die Sharpshooter-Referenz auf WrestleMania 13, als Austin und Bret Hart ihren berühmten Double Turn durchzogen. In diesem Match hier also zunächst wieder der Sharpshooter an einem blutenden Austin – kurz darauf, die verschobene Rolle mit dem Sharpshooter von Austin an Rock. Schließlich turnte jetzt Austin Heel. Manche halten die Allianz von Austin mit Mr. McMahon für die Beerdigung der Attitute Era, ein großer Moment war es aber definitiv. Und Austin fand ich 2001 als Heel auch bärenstark. Auch er war einer, den man gut als smarter Fan hassen konnte. Insgesamt einer der besten WrestleMania-Main-Events aller Zeiten, vielleicht der beste. Und der krönende Abschluss der wohl besten WWE-Show ever.
Wertung: *****

Jon Cross: Der Kulminationspunkt von Kampfabend und Fehde. Dachte damals nicht, dass man da noch etwas hätte rausholen können bei einem gefühlt mehr als kurzen Aufbau. Aber der… lief heimlich im Hintergrund ab, aber das nur am Rande. Beide liefern für ihr Können und ihren Status eine epische Schlacht auf Augenhöhe in voller Härte und mit jeder Menge Drama ab. Blut floss relativ früh und bildete ein Stilelement des Fights, der gut 30 Minuten nonstop auf hohem Tempo lief – und das will schon etwas heißen. Maivia versprach, er werde Austin das Beste von ihm geben – und hielt Wort. Dazu kam der Double Turn, welcher durch Vince McMahon und den Handschlag mit Austin vollendet wurde (Kapitel 2 der großen Seifenoper). Hab noch heute die SOB-Rufe von JR im Ohr – und faktisch vor Heimkulisse funktionierte das noch eine Spur extremer. Fazit: der absolute Höhepunkt dieser Mania und einer der besten Mainevents ever beim "Grandaddy of them all".
Wertung: ****3/4

Allgemein:

Maik: Die Card war leider zu voll und die erste Hälfte mit den Undercard-/Midcard-Matches war durchaus zäh und belanglos und mit etlichen doofen Finishes – also schlicht nicht wirklich gut. Immerhin gab es Unterschiedliches für viele Geschmäcker. Die zweite Card-Hälfte war dann aber der absolute Wahnsinn: Rock vs. Austin, TLC II und Taker vs. Triple H waren schlicht großartig. Auch Benoit vs. Angle und das McMahons-Match waren sehenswert. Dazu der fantastische Kommentar von Jim Ross mit Paul Heyman. Schade, dass es das Duo nicht einmal ein ganzes Jahr gab. Die beiden waren ein Wunder-Duo, für mich vielleicht das beste. Insgesamt: Ja! Diese WrestleMania gilt zu Recht als absoluter Meilenstein der WWE-Geschichte!
Wertung: ****1/2

Jon Cross: Für mich auch heute noch die bislang beste WrestleMania. Klar, nicht alles war gut und nicht alle Matches konnten das abrufen, was möglich war. Aber allein die altbekannte Tatsache, dass es eben die Mischung macht, erklärt viel über den Reiz, den diese siebzehnte Mania ausmacht. Schließlich… sprechen wir nicht nur von Matches. Schon das Intro, das mit seiner Einfachheit, der Musik und Classie Freddies rauchiger Stimme besticht, beschert mir heute noch eine kleine Gänsehaut. Dazu die kleinen Backstage-Begebenheiten über die gigantische Kulisse bis zum Limp-Bizkit-Video der Haupt-Fehde – das war gut bis perfekt abgestimmt. Es gibt halt Tage, da stimmt vieles bis nahezu alles – der 1. April 2001 war so einer…
Wertung: ****1/2

 

Gelesen 2206 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 30 März 2016 14:01