Sonntag, 03 April 2016 09:33

WWE Hall of Fame: Sting - Abwechslung, Furchtlosigkeit & Storytelling

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"The only thing that's for sure about Sting is: Nothing's for sure."

... außer vielleicht, dass wir seit gestern Abend einen neuen Hall of Famer haben. Ein Wrestler, der mehr ist, als seine Titelgewinne. Mehr als der vielleicht erfolgreichste Bodybuilder im Wrestling-Business und mehr als eine Säule im Monday Night War.

Von den grellen Neon-Farben der 80er über den düsteren "Crow"-Look bis hin zur durchgeknallten Jim Carrey Version des Jokers: Sting steht vor allem für Abwechslung, Vielseitigkeit und die Fähigkeit, sich neu zu erfinden.

Oft wird von den Three Faces of Foley gesprochen. Sting ist der einzige, der ihm in Sachen Kreativität das Wasser reichen kann. Zugegeben, sonderlich originell waren die Gimmicks nicht, aber er hat sie mit Leib und Seele verkörpert, sowie mit einer Story miteinander verknüpft.

Als die nWo über die WCW herfiel, hatte der Stinger mit schlechten Immitatoren zu kämpfen. Und mit jedem Fake-Sting begannen alle mehr und mehr an Stings Loyalität zu zweifeln und wendeten sich von ihm ab. Kommentatoren, alte Weggefährten, sogar Tag Team Partner Lex Luger misstraute seinen Worten.

Kunst ist, wenn du andere fühlen lassen kannst, was du selbst fühlst.

Jedes verdammte Mal, wenn Sting zum Ring marschiert ist, jedes Mal, nachdem er den Baseballschläger geschwungen hat und jedes mal, wenn er sich von der Hallendecke abseilte: Immer hatte er diese leeren Blick. Er bewies: Selbst ein leerer Blick sagt mehr, als tausend Worte.

Man konnte alles darin lesen: Den Schmerz, die Kälte und die Enttäuschung, von jedem seiner alten Weggefährten hintergangen und angezweifelt worden zu sein.

Unter anderem hat dieses Gimmick so überragend funktioniert, weil es Stings echter Persönlichkeit näher kommt. Schaut sich Interviews von Steve Borden an, merkt man schnell: Das ist so gar nicht der bunte Spaßmacher, der laute, auf Konfrontation gebürstete Surfertyp. Steve Borden ist eigentlich ein Mann der leisen Töne.

Was Sting jedoch von den Three Faces of Foley unterscheidet und ihn in meinen Augen sogar noch beeindruckender macht: Jeder seiner Turns von Charakter zu Charakter wurde von einer ausführlichen Geschichte begleitet. Bei TNA drehte er schließlich langsam durch und wurde zum Batman-Joker, nachdem Hogan & Bischoff TNA infiltriereten und der Stinger Hogan wieder auf die richtige Seite losten wollte.

Waren alle Promos des Joker-Sting genießbar? Nein. Bei weitem nicht. Aber genau das ist etwas, das dem heutigen Wrestling fehlt: Hit & Miss. Die Abwesenheit von Angst, sich zu blamieren. Das sieht man heute, wenn überhaupt, nur noch bei New Day.

... und es ist etwas, das alle Größen predigen: Sei es Steve Austin, Jim Ross oder Mick Foley: Du musst nicht immer einen Treffer landen. Aber ohne Versuch wirst du gar nichts landen.

Insofern ist der Main Event unserer diesjährigen Hall of Fame ein wenig symbolisch für vieles, was dem Mainstream-Wrestling unserer Zeit abgeht: Abwechslung, Furchtlosigkeit & Storytelling.

Wir sagen: Herzlich willkommen in der Hall of Fame. Wurde aber auch Zeit!

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