Donnerstag, 01 Dezember 2016 06:00

Matches made in heaven

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Normalerweise ist es eigentlich nicht üblich, den Reigen der Kalendertürchen mit was Traurigem zu beginnen, aber… der eine oder andere wird es mit Sicherheit gemerkt haben: 2016 war (und ist noch) ein trauriges Jahr, zumindest was die gefühlt vielen Prominenten angeht, von denen wir uns über die vergangenen Monate verabschieden mussten. Und auch das Wrestling-Business blieb davon leider nicht verschont, wie wir beispielsweise anhand von „Chyna“ Joanie Laurer oder Balls Mahoney erlebt haben.

Eine traurige Randerscheinung des Wrestlings ist ja leider, dass den Athleten sehr oft keine besonders hohe Lebenserwartung beschieden ist. Nur sehr wenige erreichen die 80, während beim Rest oft das Schicksal in Form von Krankheiten, Unglücksfällen, beruflichen Spätfolgen oder medikamentösem Fehlgebrauch dazwischenhaut.

Über die vergangenen Jahre haben uns viele langjährige Superstars verlassen - in manchen Fällen derlei, dass man ihre damaligen Matches mit dem Personal inzwischen eine Etage höher wiederholen könnte. Diesen Leuten und Matches ist das heutige Kalendertürchen gewidmet: eine… zugegebenermaßen sekundär eingefärbte Top 10 seitens des Autors, die gern Spielraum zur Diskussion oder Philosophie über etwaige eigene Hitlisten zulässt. Zudem sei auch verziehen, dass als Bewertungszeitraum nur die letzten Jahrzehnte herangezogen wurden - das Wrestling an sich aber deutlich älter ist.

Ferner werden einige Akteure hier und heute mehrfach genannt. Dies sei genauso verziehen - denn andererseits: es bedeutet, dass viele andere unserer Helden der Mattscheibe ja noch unter uns weilen. Und darüber sollten wir froh sein.

 

10.) WWE RAW vom 17.01.2000 - Hardcore Championship: Big Bossman © vs. Test

Für einige dürfte hier bereits die Top Ten in Frage gestellt werden - zum einen angesichts der geschichtlichen Fülle legendärer Schlachten mit bereits verschiedenen Topstars sowie zum anderen aufgrund der Akteure. Denn der von Ray Traylor verkörperte Bossman war zwar dessen bekanntestes Gimmick, welches jedoch kaum mit akrobatischen Kabinettstückchen im Gedächtnis geblieben ist. Allerdings gefiel er mir hier in diesem Fight um die Hardcore Championship ausgesprochen gut als Gegner des leider ebenfalls zu früh verstorbenen Test. Andrew Martin galt in seiner kurzen Karriere auch nicht gerade als Sinnbild des Topdraws, allerdings besaß er eine für seine Größe vergleichsweise beachtliche Agilität, was sich beispielsweise in erinnerungswürdigen Matches gegen Shane McMahon (SummerSlam 1999) oder Edge (Survivor Series 2001) zeigte. Hier waren beide mitten in einer Weekly-Fehde, die auf ihre Weise ganz unterhaltsam war… und für Test in dem Falle erfolgreich.

Jon Cross - Wertung: **

 

9.) WWE RAW vom 24.05.1993 - KOTR-Qualifying Match: Doink vs. Mr. Perfect

Man kann sagen, was man will: Der vor drei Jahren verstorbene Matt Osborne war der bessere Mann im Spaßmacher-Kostüm, denn er verstand es nahezu ideal eine Symbiose aus Bedrohlichkeit und optischer Clownerie zu schaffen, die den groben Vergleich mit Heath Ledger’s Joker oder dem It - Pennywise nicht zu scheuen braucht. Daraus resultiert dann auch, dass man ihm die Rolle abnimmt - und dabei auch tolle Matches wie z.B. gegen Crush bei WrestleMania IX herauskommen sind (und welches im Übrigen auch gut in diese Auflistung gepasst hätte; ***). Hier nun bekam es der gute Doink mit dem legendären Mr. Perfect zu tun - und das gleich dreimal, wobei das dritte und entscheidende Aufeinandertreffen auch mit das Beste zwischen beiden war. Ein eindeutiger Sieger musste gefunden werden, der später ins 93er King-of-the-Ring-Turnier einziehen durfte… und dafür legten sich beide auch mächtig ins Zeug.

Jon Cross - Wertung: ***

 

8.) WWE SummerSlam 1990 - Heavweight Championship - Steelcage Match: Ultimate Warrior © vs. Rick Rude

Weniger ist manchmal mehr?! Nun ja, bei einem traditionsreichen und großen Event wie dem SummerSlam gehe ich in der Regel davon aus, dass man den großen Matches auch entsprechend Zeit gibt. Und solange kein Bill Goldberg im Hauptkampf steht, sind knapp zehn Minuten dann doch eine recht kümmerliche Sache. Zumal sich man sich in einem Stahlkäfig befindet und die Akteure Ultimate Warrior und Rick Rude heißen. Schon in Hinblick auf die Tatsache, dass ihr IC-Match von WrestleMania V genau so kurz und eher durchschnittlich war, hätte man hier das Timelimit mal ausdehnen können. Aber gut: Die damalige Ausrichtung und ein Hulk Hogan in der Card tun ihr Übriges zu diesem Fight dazu, dass in seiner Kompaktheit leider nicht ganz zu überzeugen weiß, trotz allem aber ein guter Kampf ist.

Jon Cross - Wertung: ***1/4

 

7.) WWE Vengeance 2003 - US Championship - Turnierfinale: Chris Benoit vs. Eddie Guerrero

Keine Auflistung darf ohne die beiden „US-Gastarbeiter“ fehlen, welche in den großen amerikanischen Ligen technisch beeindruckend auftrumpften. Obwohl heute (wohl willentlich) kaum noch erwähnt, war der kanadische Crippler mit dem unrühmlichen wie tragischen Abgang damals stets ein Garant für die Eyecatcher der Card - ein Lob, das auf Guerrero ebenso zutraf (nur ohne dramatischen Beigeschmack). Mehrfach hatten es beide über die Jahre zu tun - im Sommer 2003 zur Krönung der wieder eingeführten US Championship. Dass beide dabei faktisch nur ein Match von der Stange ablieferten, störte nicht weiter - denn es war klasse und lässt mit dem Gedanken an beider Luft nach oben jeden Fan mit der Zunge schnalzen. Und sie konnten es besser… aber dazu gleich mehr.

Jon Cross - Wertung: ****

 

6.) WWE SummerSlam 1992 - Heavyweight Championship: Randy Savage © vs. Ultimate Warrior

Das zweite Highlight des legendären Wembley-SummerSlams war ein Beweis dessen, dass man mit Hard Knocks und Storytelling in Zeiten des wrestlerischen Umbruchs noch ein Supermatch aufs Parkett zaubern konnte. Der Macho Man und der Warrior trafen sich auf Augenhöhe und schenkten sich absolut nichts. In Kombination mit einer der sensationellsten Crowds aller Zeiten ergibt diese den Stoff für wahre Klassiker. Die weiteren Rahmenbedingungen… waren dann über die Jahre Basis für vielschichtige Diskussionen im Fanbereich. Daher war es eine Entscheidung des eigenen Gustos, ob man Ric Flair und Curt Hennig als jeweilige Sekundanten in Hinblick möglichen Overbookings als störend empfand oder beide gerade wegen ihrer Präsenz als maßgeblich für den erfolgreichen Matchverlauf ansah. Gleiches gilt auch für den Ausgang des Kampfes durch Count Out: Ob salomonisch oder ob eine Clean Decision nun besser gewesen wäre, bleibt jedem selbst überlassen. Den Fans bleibt auf alle Fälle ein denkwürdiger Fight.

Jon Cross - Wertung: ****

 

5.) AJPW Budokan Hall Show vom 28.07.1994 - Steve Williams vs. Mitsuharu Misawa

Ja, auch die Fans des Puroresu sollen in dieser Auflistung nicht ungenannt bleiben. Und ganz besonders, wenn der Name Mitsuharu Misawa fällt… welcher nicht nur im Land der aufgehenden Sonne, sondern weit über die Grenzen des Inselstaates hinaus einen mehr als legendären Ruf (noch immer) genießt. Zu Lebzeiten als einer der besten Wrestler der Welt gehandelt erlebten insbesondere die Fans in seiner Heimat die eine oder andere Schlacht, über die man heute noch spricht. Umso interessanter, wenn denn auch jemand beteiligt ist, der einem auch als Japan-Laien bekannt sein dürfte: so wie „Dr. Death“ Steve Williams. Im Zuge der Fehde Misawas gegen Williams, Johnny Ace und Terry Gordy sprangen etliche klasse Fights heraus - und dieses Match als Ausdruck toller Ringpsychologie ist nur ein Beweis dessen.

Jon Cross - Wertung: ****1/4

 

4.) WWE Armageddon 2002 - Chris Benoit vs. Eddie Guerrero

Und da sind die beiden zuvor Genannten schon wieder - mit dem angesprochenen Beweis, dass es besser geht. 2002/03 bildeten beide das qualitative Rückgrat der meisten PPVs der WWE und verliehen in dieser Zeit u.a. den Tag-Team-Titeln einen derartigen Glanz, welchen man heutzutage nur noch selten erleben darf. Derart im Fehdenkontext war es eigentlich den meisten Fans egal, dass das Match faktisch ohne konkreten Aufbau im Vorfeld dargeboten wurde, denn die Guerreros rutschten erst vor der Survivor Series 2002 ins Tag-Team-Geschäft hinein. Aber - es war wie gesagt schnurz bei zwei Vollblut-Athleten, die sich inzwischen in- und auswendig kannten und dabei „mal wieder“ einen Fight ablieferten, der einer jeden Veranstaltung zur Zier genügt. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen - außer vielleicht: unbedingt anschauen!

Jon Cross - Wertung: ****1/2

 

3.) WWE WrestleMania VII - Retirement Match: Ultimate Warrior vs. Randy Savage

Und auch die zwei Genannten kehren in der Rangliste zurück - mit einem wie ich finde sensationellen Match. Und dabei bildeten beide nur die Randfiguren des großen Titelpics, welches von Hulk Hogan und Sergeant Slaughter geheadlined wurde… und dies mehr schlecht als recht im Nachhinein betrachtet, so dass viele geunkt haben, Savage und der Warrior hätten den „Schaukasten der Unsterblichen“ quasi gerettet. Und dies… haben sie in der Tat. Savage, damals noch als „Macho King“ mit Sensational Sherry an seiner Seite unterwegs, trachtete dem Warrior über dessen ausgeschlagenes Versprechen eines Titelmatches nach - und bescherte diesem prompt den Titelverlust an Slaughter. Die Sache bereinigten beide dann auf die übliche Weise - als Ouvertüre ihres Londoner Matches anderthalb Jahre später. Dafür um die Stipulation des jeweiligen Ruhestands ergänzt - und letztlich noch eine Spur besser dadurch. Denn beide Athleten lieferten sich einen verbissenen Kampf mit viel Drama - und einem Entscheidungs-Pin, der so großk***ig nicht unbedingt hätte ausfallen müssen.

Jon Cross - Wertung: ****3/4

 

2.) AJPW Budokan Hall Show vom 08.06.1990 - Mitsuharu Misawa vs. Jumbo Tsuruta

Puroresu die Zweite! Und diesmal sind nicht nur die Mitstreiter legendär, sondern das Match an sich ebenfalls, wenn man denn den „Wrestling Observer“ als Gradmesser nimmt. Ein Fight, den man gesehen haben muss … und der zudem eine Geschichte dahinter hat, die - würde sie nicht auf wahren Tatsachen beruhen - zum Stoff à la Hollywood gehören könnte. Denn der gute Mitsuharu war bereits in frühesten Jahren begeisterter Fan des Wrestlings und beabsichtigte gar die Schule zugunsten des Trainings abzubrechen. Doch ein Treffen mit Tsuruta, damals selbst ein Hüne von Superstar, überzeugte den jungen Misawa schließlich, erst die Schule abzuschließen. Mit Erfolg wie sich zeigte, denn Misawa wrestlete sich beeindruckend nach oben und stand Jahre später seinem einstigen Idol und Ratgeber Tsuruta im ersten eigenen Show-Mainevent gegenüber. Das Match selber - ein All-Time-Classic, der Misawa mit einem Schlag in die Topriege der japanischen Szene beförderte.

Jon Cross - Wertung: *****

 

1.) WWE RAW vom 03.03.1997 - European-Championship-Turnierfinale: Owen Hart vs. British Bulldog

OK, den Fight hat vielleicht der eine oder andere auch mit auf der Top Ten erwartet - nur nicht so hoch. Und klar: da spielt auch viel persönliche Vorliebe mit rein. Aber für mich ist es einfach ein fantastischer Fight zweier begnadeter Athleten, die ich gern noch etwas länger auf dieser unserer Welt hätte bewundern mögen. Klasse Match, das mal nicht bei einem PPV stattgefunden hat und vor allem: auf europäischem bzw. deutschen Boden! Das „Finale in Berlin“ um die damals neu eingeführte WWE European Championship bot beiden Anverwandten eine (teilweise) Gelegenheit, die starren Storyline-Ketten weitgehend in Übersee zu lassen und sich nach Herzenslust zu suplexen und auszukontern, wie man es dereinst im Dungeon mal gelernt hat. Wenn schon keine Großveranstaltung in Deutschland - so verbeugte man sich auf diese Weise vor einem auch in schwierigen Zeiten stets dankbarem Publikum. Und alleine das… ist für mich die Topplatzierung schon wert.

Jon Cross - Wertung: *****

Gelesen 1093 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 01 Dezember 2016 21:41
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