Freitag, 17 August 2012 08:57

SummerSlam damals vs. SummerSlam heute

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summerslam88Wir schreiben Montag, den 29. August 1988. Das McMahon-Imperium hat mit Jim Crockett Promotions die größte Konkurrenz gerade in den Ruin getrieben, die USA erscheinen in Hulkamania-gelb-rot und unbestätigten Gerüchten zufolge zwang an jenem geschichtsträchtigen Tag ein zukünftiger Clothesline.eu-Redakteur seine Erziehungsberechtigten mehrmals dazu, Ausscheidungen aus seiner Windel zu entfernen. Ob es sich bei dieser um ein Markenprodukt handelte, ist nicht überliefert.

 

An diesem Tag stieg zum ersten Mal der SummerSlam, der die große PPV-Lücke zwischen WrestleMania im März und der Survivor Series im November füllen sollte. Es sollte das letzte Puzzlestück im Kalender des Wrestlingfans werden. Fortan waren diese drei, damals sagte man in good ol' Germany noch Großveranstaltungen, zusammen mit dem Royal Rumble, als „Big 4“ bekannt. Was hat sich in dieser Zeit verändert? Können trotz all dieser Veränderungen Parallelen zum heutigen Programm gezogen werden? Auf diese Fragen werde ich heute versuchen, eine Antwort zu finden und einige Paarungen von damals den heutigen gegenüberstellen.


Tag Team Division

Damals

Ja, ihr lest richtig. Es ging nicht nur um die Tag Team Titel. Nein, damals gab es eine ganz Division und die durfte auch versammelt beim PPV antanzen. In der Midcard besiegten die Power Of Pain die bösen Kommunisten, The Bolsheviks. Sogar den wichtigen Platz als Opener hatten damals echte Tag Teams inne. Als Anheizer gab es ein schön anzusehendes Match zwischen den British Bulldogs und den Fabulous Rougeaus. Als letztes Tag Team Match, welches in der Uppercard (!) stattfand, gab es die Titelverteidigung von Demolition gegen die kurz zuvor Face-geturnte Hart Foundation. Aus technischer Sicht waren der Opener und die Titelverteidigung die beiden mit Abstand besten Matches des Abends. Hier wurde jedoch nicht überdurchschnittlich viel Aufbauarbeit geleistet.

Heute

Nun, was gibt es da noch zu sagen? Das Elend ist bekannt. Es gibt gezwungenermaßen zwei mal mehr, mal weniger zusammengewürfelte Teams, die um einen Titel kämpfen, von dem niemand so recht weiß, ob und wenn ja warum er überhaupt noch existiert. Aktuell also Kofi Kingston & R-Truth und die Prime Time Players Darren Young & Titus O'Neil. Plus Primo & Epico und die Usos, die jedoch, wenn sie Glück haben, einmal im Monat im TV eingesetzt werden, um sich für neue No.1 Contender hinzulegen. Von PPV-Matches mal ganz zu schweigen, da kommen selbst die Champs nur bei jeder dritten Veranstaltung zum Zuge. Nun gut, was erwartet uns wohl mit diesem einen Match, welches auch wieder mit einer sehr spärlichen Hintergrundgeschichte abläuft? Ich denke, die vier werden einen soliden Lückenfüller hinbekommen. Im Ring sind Kofi & Truth eine Bank und auch die Prime Time Players haben sich bislang als nicht ganz unbrauchbar erwiesen. Es bleibt nur die Frage, ob sie ohne A.W. weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal aufrecht erhalten können. Angeblich sei bis kurzem der Plan gewesen, die Titel wechseln zu lassen. Nach A.W.s Entlassung bin ich mir da nicht mehr so sicher...


Intercontinental Championship

Damals

Ein Titel mit bekannterweise hohem Prestige und einer glorreichen Vergangenheit – die jedoch unter Garantie nichts mit dem SummerSlam '88 zu tun hat. Der Honky Tonk Man ging hier als bis dato am längsten amtierender Champ in die Veranstaltung. Ursprünglich sollte er den Titel gegen Brutus „The Barber“ Beefcake verteidigen, dieser fiel jedoch aufgrund einer Storyline-Verletzung nach einer Attacke von „Outlaw“ Ron Bass  aus. So wurde es eine Open Challenge, die dann vom Ultimate Warrior angenommen wurde. Der Warrior machte kurzen Prozess und nach 30 Sekunden hatten wir einen neuen IC Champ. Auch wenn die In-Ring-Fähigkeiten beider nicht für mehr ausgereicht hätten, so ist es doch reichlich sinnbefreit eine Rekordregentschaft auf diese Weise enden zu lassen. Auch wenn der Warrior anschließend einen großen Push bekam. Wie gesagt, keine Sternstunde für den Midcard-Titel.

Heute

Heute haben wir zwei Midcard Titel und einer davon steht in der Pre-Show. Auch wenn ich Antonio Cesaro für einen äußerst fähigen Mann halte, der dem US Title etwas Glanz zurück geben könnte, ist es traurig zu sehen, dass keinem der beiden Gürtel so etwas wie eine Geschichte spendiert wird. Immerhin das gab es beim ersten SummerSlam. Früher hatten diese Titel tatsächlich einmal eine Funktion. Sie sollten dem Zuschauer die aufstrebenden Talente näher bringen. Es gab sogar Zeiten, da war der IC Title dafür zuständig, Tickets zu verkaufen. Man erinnere sich nur an den Summerslam '92 mit dem Match Bret Hart vs. British Bulldog. Jetzt hat es also gerade noch Rey Mysterio geschafft, sich auf die Card zu mogeln und gegen The Miz um den Titel anzutreten. Warum bekommt er eigentlich den Shot? Weil er Monate aus den Shows war? Weil er nichts gerissen hat, seit er zurück gekommen ist? Weil es keine Reibungspunkte zwischen ihm und Miz gibt? Ich weiß es nicht. Wenigstens werden die beiden ein anständiges Match liefern und The Miz einen bitter nötigen Sieg gegen Mysterio einfahren.


Main Event

Damals

So, die U20-Fraktion hält sich jetzt bitte fest: Der Aufbau für den Main Event begann bei WrestleMania IV – sprich im März, also 5 Monate vorher! „Macho Man“ Randy Savage und „Million Dollar Man“ Ted DiBiase standen im Finale eines Turniers um den vakanten WWF Championship. Savage gewann unter Mithilfe von Hulk Hogan. DiBiase fehdete anschließend gegen Savage und holte zur Attacke aus: Er holte sich Andre the Giant ins Boot. Nachdem sich Savage von einer Attacke Andres erholt hatte, forderte er die beiden zum einem Tag Team Match beim Summerslam mit einem Partner seiner Wahl. Dieser stellte sich letztendlich als Hogan heraus. Anschließend wurde Jesse „The Body“ Ventura als Spacial Guest Referee vorgestellt. Dieser turnte Heel, als er sich kurz darauf von DiBiase bestechen ließ. Das mag aus heutiger Sicht kein kreatives Meisterwerk sein, aber man konnte als Zuschauer mit den Charakteren mitfiebern, deren Beziehungen untereinander über Monate aufgebaut wurden. Von solch einem Match kann man natürlich kein Technikfeuerwerk erwarten und es lebte auch mehr von der Stimmung und den Geschichten. Immer wieder mischten sich die Ringbegleiter Miss Elizabeth, Virgil und Bobby Heenan ein. Insgesamt war es ein knapp 14-minütiges, heilloses Durcheinander, dass damit endete, dass Hogan DiBiase pinnte und Savage Venturas Hand zum three count auf die Matte drückte.

Heute

Zunächst einmal das Positive: Der WWE Championship steht auf dem Spiel. Wir haben in CM Punk einen würdigen Champ (ein seltenes Phänomen dieser Tage). Das wars dann auch schon. Warum hatten Big Show und John Cena gleich nochmal ein No.1 Contender Match? Ach so, weil Cena Cena ist und Show gerade zufällig mit ihm fehdet. Dass Show eigentlich aus der Midcard kommt, Cena gerade glücklos seinen Money in the Bank Contract eingelöst hat und noch nie jemand derart versagt hat, ist offensichtlich egal. Hauptsache, Bryan gewinnt an Punks Seite nicht noch mehr Overness. Hier fehlt das, was man vor 24 Jahren so wunderbar hinbekommen hat: Die persönliche Geschichte dahinter. Dabei hatte man DIE Möglichkeit dazu. Letzten Sommer, im Summer of Punk, gab es eine Reihe sehr persönlicher Promos von Punks Seite. Auch wenn Cena inhaltlich nicht mithalten konnte, so hatte er das ein oder andere nette Wort in Richtung Punk auf Lager. Nur das alleine reicht nicht, um beim Zuschauer das Gefühl von Hass hervorzurufen. Selbst von Cena-Kritikern wird als Pro oft angeführt, seine Promofähigkeiten seien doch „ganz gut“. Das sind sie auch – für einen Midcarder. Für einen Top Dog sind sie miserabel. Punk kann Cena anschreien, wie er will, solange er über allem schwebt und Punk in den Boden grinsend da steht, bleibt nichts davon im Gedächtnis. Und Big Show, tja... der wirkt aus genau demselben Grund wie ein Fremdkörper in diesem Match.


Rahmenprogramm

Damals

Die restlichen Matches boten eigentlich kaum Erwähnenswertes. Es gab einige Promos, die eben klassisch 80er-WWF waren: knallbunt und over the top. Und dennoch merkte man den Protagonisten, im Gegensatz zu heute, eine gewisse Authenzität an, da einfach nicht jedes Wort vorformuliert war, es musste nicht auf jede kleine politische Unkorrektheit geachtet werden. Dreh- und Angelpunkt des damaligen Ramenprogramms war sicherlich die Fehde zwischen Rick Rude und Jake Roberts. Rude, mit dem Gimmick des Womanizers, lud jede Woche eine Frau in den Ring ein, um ihn zu küssen. Eine Dame weigerte sich jedoch und stellte sich später als Roberts' Frau heraus. Rude hatte an diesem Abend ein Match gegen den Junkyard Dog. Nach einigen Minuten zog er sich die Hose aus und enthüllte: Eine weitere Hose – mit dem Gesicht von Cheryl Roberts darauf. Jake kam daraufhin heraus und verprügelte Roberts, womit dieser das Match durch DQ gewann. Sehr nette Idee, die beiden haben den Brawl auch wirklich gut verkauft.

Heute

Natürlich zunächst einmal das alles überstrahlende Match: Triple H vs. Brock Lesnar. Der Aufbau war, nun ja... holprig aber immerhin, der gute Wille war erkennbar. WWE hat hier versucht, im Rahmen ihrer Möglichkeiten, Arbeitsergebnisse zu erzielen. Dass die Fehde dennoch nicht so richtig zünden wollte, liegt vermutlich daran, dass beide absolut überragende Heels sind, jedoch niemand Triple H als nüchtern argumentierenden Geschäftsmann, der vom WWE Universe geliebt werden will, sehen möchte. Die Fehde hatte ohne Zweifel ihre Highlights, dennoch hat man immer noch dieses absolute miese Finish von Extreme Rules im Hinterkopf, welches einen daran hindert, Lesnar als „Asskicker“ wahrzunehmen. Der Rest des Rahmenprogramms erscheint mir allerdings ganz anständig. Auch wenn Kane vs. Daniel Bryan nur ein Notnagel ist, es ist immerhin ein gut Gewählter. Beide liegen sich seit Wochen in der Haaren und bei Kane braucht man ohnehin keine Bedenken mehr haben, seine Glaubwürdigkeit könne irgendwie leiden. Selbst nicht mit einer Involvierung Charlie Sheens. Last but not least gibt es die mit Abstand unterhaltsamste Fehde der letzten Wochen: Chris Jericho, der zum Abschied wieder sein Y2J Gimmick ausgegraben hat und uns mit genialen Promos beglückt gegen den Show-Off, Dolph Ziggler. Das Ding hat das Zeug zum Showstealer!


Fazit

Da ich ja immer die schlechtesten Gags bringe, muss ich jetzt auch die Erwartungshaltung meiner Leser erfüllen und die offensichtlichsten Parallelen ziehen: Damals im Main Event: Hogan. Heute: Cena, der sich beim vergangenen RAW bereits an einer Hogan-Gedächtnis-Pose versuchte. Nur das Hogan nie so unbeliebt war und zur Zeit des SummerSlam '88 noch gut funktionierte. Abseits des Main Events ist der wohl krasseste Unterschied die heutige Geringschätzung der (nicht mal mehr) Midcard-Titel, die essentieller Bestandteil des Aufbaus neuer Gesichter waren. Ich bin nicht konservativ und offen für neue Wege, neue Gesichter zu etablieren. Hätte man neue Wege gefunden, frische Charaktere zu schaffen, hätte ich hier nichts zu kritisieren, doch man sucht sie nicht einmal. Es braucht nicht zwingend einen Titel, um jemanden Neues over zu bringen (siehe Ziggler, dessen Fehde mit Jericho ihn derzeit weiter bringt, als es sämtliche Midcard-Titel könnten). In Sachen Promos und Backstage-Segmente ruhen meine Hoffnungen auf Chris Jericho und CM Punk. Die beiden sind derzeit die einzigen, die es mit ihrer Lockerheit im spröden, komplett durchgescripteten, steif gespielten WWE-Alltag schaffen,wirklich zu überzeugen.

Wer nun immer noch nicht genug von der größten Party des Sommers hat, darf sich an unserem Gewinnspiel versuchen.

Gelesen 2116 mal Letzte Änderung am Dienstag, 13 August 2013 14:46

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