Samstag, 22 Dezember 2012 17:58

Survivor Series 1994: Casket Match: Yokozuna vs. Undertaker

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adventskalender22dezember

Mit riesigen Schritten geht es auf Heiligabend zu. Wer heute noch nicht alle Geschenke beisammen hat, der sollte dringend noch ein bisschen shoppen gehen. Aber natürlich erst, nachdem er hier gelesen hat, was im Casket Match zwischen dem Undertaker und Yokozuna 1994 so alles passierte und ob der dicke Samoaner überhaupt in die Kiste passte!


Selbst wenn man nicht auf die Straße geht und an dem teilnimmt, was manch komische Gestalten als „real life“ bezeichnen, verrät spätestens ein Blick auf unsere Hauptseite: Weihnachten steht unmittelbar vor der Tür. Und selbst, wenn man sie nicht aufmacht: Sogar durch solch unchristliche Medien wie eine Wrestling-Seite wird einem der Schnodder trotzdem ins Haus getragen.

Dann geht es erst richtig los: Man macht die Tür auf und wird erschlagen von Glühwein-Geätze, Zimtgestank eliminiert jegliche Konkurrenz auf dem Weg in deine Nasennebenhöhlen, und die Intensität, mit der WHAM! aus sämtlichen, an jeder Weihnachtsmarkt-Ecke aufgestellten Billigboxen auf das geplagte Trommelfell trifft, gleicht Vince McMahons inbrünstigem „You're fired!“. Wenn ich allerdings meine Arbeit als Redakteur nutze, um meinen Privatfrust über die Feiertage auszulassen und euch hier den Grinch mache, laufe ich Gefahr von unserem Hausdrachen gefressen zu werden.

Deshalb habe ich mich bei der Auswahl meines Lieblings-Matches völlig uneigennützig in den Dienst der Leser gestellt und bin beim Thema „Feiertage“ geblieben. Ein Match des traditionsreichen Survivor Series PPV, der als Thanksgiving-Veranstaltung startete. Genau gesagt geht es 18 Jahre zurück, also kurz vor Beginn der Monday Night Wars. Die Fehde zwischen Yokozuna und dem Undertaker lief bereits ein ganzes Jahr, das nun schon zweite Casket Match der beiden sollte den großen Abschluss darstellen. Doch wie kam es eigentlich dazu?


Sex, lies & Headlocks

Sicherlich passierte in dieser Zeit vor der Kamera einiges, dahinter passierte jedoch noch einiges mehr: Die beiden Akteure trugen die Company in einer ihrer schwersten Zeiten. Vince McMahon sah sich mit einer massiven Klage, u.a. wegen Handels mit Steroiden und sexueller Nötigung, konfrontiert. Trotz anfangs miserabler Aussichten wurde McMahon am Ende freigesprochen, weil alle entscheidenden Zeugen (darunter Hulk Hogan) in den entscheidenden Momenten auf wundersame Weise von ihrer Erinnerung im Stich gelassen wurden. Auch wenn McMahon die meiste Zeit kommentierte, so waren Writer und Worker auf sich gestellt. Die comichafte Absurdität der 90er hat darunter zumindest nicht gelitten.


Americas next real American

Yokozuna war auf dem Höhepunkt eines Pushs als Monsterheel und hatte so gut wie alle Topfaces auseinandergenommen. Ihm wurde unter anderem die Ehre zuteil, Hogan zu pinnen, ihm den Titel abzunehmen und ihn in Richtung Hollywood zu verabschieden. Es brauchte also ein neues Topface. Nein, am besten zwei, Hogans Lücke war schließlich riesig. Einer davon war der Undertaker, der seit seinem Debüt als Heel unterwegs war und nun auf der Seite der Guten stand, seit er gegen seinen alten Gefährten Jake Roberts turnte. Man hatte also zwei der talentiertesten Big Men, die das Business je gesehen hat, einer davon der absolute Monsterheel, der andere ein vielversprechendes Talent, das als Babyface etabliert werden wollte. Da will gut überlegt sein, wie man so eine Fehde startet.

Was zieht immer in den Staaten? Natürlich: Patriotismus! Nachdem der Spot des Real American vakant war, musste jemand Neues her. Das sollte Lex Luger werden. Yokozuna forderte sämtliche amerikanischen Athleten zu einer Bodyslam Challenge heraus. Viele bissen sich die Zähne aus, bevor der heldenhaft Steroid-aufgeblasene Luger daher kam. Damit verdiente er sich ein Titelmatch beim Summerslam 1993, welches er nur durch Countout gewann.

Der hart arbeitende Amerikaner hatte also gewonnen, allerdings ohne den verdienten Lohn zu bekommen. Das konnte man so natürlich nicht stehen lassen. Ein weiterer Ausländer, ein Finne namens Ludvig Borga, hatte ebenfalls ein Problem mit Luger und mit Amerika allgemein. Alles lief dann auf ein Survivor Series Elimination Match hinaus. Die All Americans, bestehend aus den Steiner Brothers, Tatanka  & Luger gegen die Foreign Fanatics, bestehend aus Jaques, Crush, Ludvig Borga & Yokozuna. Doch es sollte zuvor noch eine winzige Änderung geben. Tatanka war mitten in einer zweijährigen Siegesserie, was dem Anti-Amerikaner Borga so gar nicht gefiel. Gemeinsam mit Yokozuna schaltete er ihn aus. Das sollte sich später als Fehler herausstellen: Luger heuerte den Taker als Ersatz an.

Das Match endete, wie es enden muss, mit den All Americans als strahlenden Siegern, nachdem Luger Borga pinnte. Anschließend kam der Weihnachtsmann, um mit Luger zu feiern. Ich schwöre, ich wusste nichts davon, als ich mir das Match ausgesucht habe. Die Series fanden am 24. November 1993 statt. Könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, dass Santa bereits seit einigen Jahren an Alzheimer leidet. Könnte es sogar ein Indikator dafür sein, dass der Genuss von zu viel Coca Cola zu Alzheimer führt? Ich glaube, ich bin da etwas Großem auf der Spur... wo war ich?

Ach ja, Yoko und der Taker: Wie gesagt, beide waren inmitten eines riesigen Pushs, daher wäre es unklug gewesen, einen der beiden den Pin einstecken zu lassen. Yokozuna zeigte einen Banzai Drop gegen den Taker. Bevor er einen Zweiten folgen lassen konnte, setzte sich der Deadman auf, die beiden brawlten außerhalb des Rings und wurden ausgezählt.


Der Deadman auf Titeljagd

Nun war der Taker also hinter Yokozuna und damit automatisch hinter dem Titel her. Jim Cornette, Yokos zweiter Manager neben Mr. Fuji und zugleich Mouthpiece, handelte zunächst ein normales, einmaliges Titelmatch zwischen den beiden aus, welches jedoch kurz darauf von Comissioner Gorilla Monsoon in ein Casket Match umgeändert wurde. Plötzlich hatte Yokozunas Charakter eine ganz neue Dimension: Eine Sargphobie! Genau... ähm... hat die nicht irgendwie jeder? Aber egal, Yoko hat das richtig gut verkauft. Wenn ich das dieser Tage sehe, muss ich sagen: Yokozuna ist bis heute der Super Heavyweight mit der besten Mimik! Sicher gibt es einige talentierte Big Men, die auch reden können. Aber in der Regel geht die Beweglichkeit ihrer Gesichtszüge nicht über die einer Chiara Ohoven hinaus.

Er hatte genug Zeit, seine Mimik zu beweisen, denn Woche für Woche meldeten sich der Taker und Paul Bearer mit Videobotschaften aus einer Sargtischlerei. Kurz vor dem Rumble wollte er sich also einen psychologischen Vorteil verschaffen, indem er einen Sarg des Takers zum Ring rollen ließ, um ihn zu Kleinholz zu verarbeiten. Ähnlich der Attacke auf Tatanka eine miserable Idee: Der Deadman wartete im Sarg und hatte damit das Momentum für den Rumble auf seiner Seite.

Das eigentliche One on One Match war recht kurz. Nach einigen Minuten griff nach und nach die gesamte Heel-Midcard ein, darunter namhafte Worker wie Diesel, Jeff Jarrett oder Bam Bam Bigelow. Doch auch gegen die Übermacht von mehr als zehn Leuten konnte sich der Taker dank der Kraft seiner Urne behaupten. Erst als Yokozuna es schaffte, Paul Bearer die Urne zu entreißen und sie zu öffnen, schafften es die Heels mit vereinten Kräften, den Taker in den Sarg zu befördern. Auf halbem Weg aus der Halle stieg plötzlich Rauch aus dem Sarg auf und der Taker erschien auf dem Titantron. Die abschließende Message: „Soon all mankind will whitness the rebirth of the Undertaker. I will not rest in peace.“

Das Ganze endete in einer sehr trashigen Videoanimation, in der der Geist des Takers nach oben aus dem Titantron verschwand und plötzlich ein Schatten auf dem Titantron stehend zu sehen war. So schlecht das auch gemacht sein mag: Es sind Momente, die in Erinnerung bleiben. Etwas, was den schlechten Momenten von heute, die man fünf Minuten später wieder vergessen hat, fehlt.


Titelverlust und Special Enforcer

Das mag für den Moment creepy gewesen sein, aber hey – der Taker war im Sarg. Und da sollte er auch für die nächsten sieben Monate bleiben, um eine Rückenverletzung auszuku, äh... ich meine, seine übernatürlichen Kräfte zu sammeln. Doch Yoko blieb keine Pause, denn kurz darauf stand schon wieder der Royal Rumble an, der den nächsten Herausforderer auf seinen Titel ermitteln sollte. Lex Luger und Bret Hart eliminierten sich am Ende gegenseitig.

Schlussendlich sollten beide ihren Shot bei WrestleMania X bekommen und via Münzwurf sicherte sich Luger das erste Match. Das verlor er, nachdem sein Temperament mit ihm durchging, er Special Referee Mr. Perfect schubste und dafür disqualifiziert wurde. Hart gewann das zweite Titelmatch des Abends, nachdem Yokozuna bei einem Banzai Drop das Gleichgewicht verlor und der Hitman lässig das Cover einfuhr.

Nach einem erfolglosen Versuch, zusammen mit Crush die Tag Titles zu ergattern, hatte er es auch schon wieder mit dem zurückgekehrten Undertaker zu tun. Der hatte sich einer Fake-Version von sich selbst, gemanagt von Ted DiBiase, entledigt und wollte nun Rache. Es sollte ein weiteres Casket Match folgen. Das musste jedoch erst von offizieller Seite überdacht werden, man wollte schließlich kein Chaos wie beim Royal Rumble. Zwei absolute Giganten im Ring, dazu zehn Worker die eingegriffen haben, im Grunde hatte der komplette Lockerroom Potential für einen Run In.

Ein einziger Mann, ein Special Enforcer zum Beispiel, scheidet da also schonmal aus. Wer könnte das schon schaffen? Es müsste schon jemand sein, der Freddy Krüger dazu bringt, unter seinem Bett nach Monstern zu suchen. Jemand, der die Fähigkeit hat, Zwiebeln zum Weinen zu bringen und Fische zu ertränken. Moment, da gibt es doch jemanden: Walker, der Texas Ranger! Chuck Norris wurde auserwählt, als Special Enforcer im finalen Casket Match zwischen dem Undertaker und Yokozuna zu fungieren.


Das Match

Der Taker begann das Match mit kleinen Mindgames, warf Yokozuna unter anderem auf den Sarg. Wieder im Ring musste Yoko einige Uppercuts, gefolgt von einem Old School einstecken, die anschließende Clothesline konterte er in einen Samoan Drop. Der Monsterheel machte weiter mit Headbutts, Leg Drops und Clotheslines, doch der Taker setzte sich immer wieder auf. Bei einem Versuch, den Deadman aus dem Ring zu rollen, landeten beide im Sarg und brawlten, bis sich schließlich Mr. Fuji einmischte und eine Tracht Prügel für sich und Jim Cornette abholte.

Zurück im Ring setzte Yoko sofort mit einem Bodyslam und weiteren Aktionen nach, doch der Taker konnte sich immer wieder aufsetzen und schließlich mit einer Clothesline vom Turnbuckle zurück ins Match kommen. Als er den Sumoringer gerade in den Sarg rollen wollte, kamen King Kong Bundy und Bam Bam Bigelow Richtung Ring, wurden aber von zwei Ringrichtern zurückgehalten und lieferten sich einen Staredown mit Chuck Norris. Währenddessen kam IRS durchs Publikum, attackierte den Taker, nahm ihn in den Sleeper Hold und schmiss ihn in den Sarg. Yoko, langsam wieder erholt, machte sich auf den Weg, den Sarg zu schließen, als die Hand des Takers nach oben schnellte und ihn am Hals griff.

Zurück im Ring folgte eine Diving Clothesline und ein Running DDT, während sich Jeff Jarrett auf den Weg zum Ring machte. Der wurde kurzerhand von Chuck Norris mit einem Kick abgefertigt. Im Ring schickte derweil ein Running Boot Yoko schließlich in den Sarg, der Taker schnappte sich noch Mr. Fujis Japanflagge, zerbrach sie, schmiss sie mit in den Sarg und schlosss ihn.


Fazit - Warum dieses Match?

Als das Thema für unseren Adventskalender stand, wusste ich: Die Mammutaufgabe wird, ein Match herauszusuchen. Egal, wie lange ich nachgedacht habe, für mich gibt es nicht das Match. Also: Ausschlussprinzip.

Matches aus meiner Zeit als Smartmark gingen schonmal nicht, da gibt es eine endlose Liste, die kaum in eine Reihenfolge zu bringen ist. Nächste Frage: Was hat mich zum Fan gemacht? Nachdem ich nicht über etwas schreiben wollte, was schon 1000x durchgekaut wurde (Hogan vs. Flair, Gründung der nWo, Crow-Sting), habe ich überlegt, woran ich mich denn so in der WWF erinnere. Da kamen mir als erstes die Casket Matches in den Sinn. Und ich muss sagen: Ich bereue meine Wahl nicht. Ich hatte jede Menge Spaß bei meiner Recherche zur Fehde.

Gerade die Szenen mit Bearer und dem Taker in der Sargtischlerei sind gar nicht mal schlecht gemacht und erinnern einen wieder daran, wie cool der Deadman mal war. Selbst die erwähnte Szene mit dem Taker im Sarg: Würde man so etwas heute bringen, gäbe es immerhin wieder Momente, an die man sich erinnert, die für Gesprächsstoff sorgen, völlig egal ob positiv oder negativ. Abgesehen von Edge und CM Punk kann ich niemanden nennen, der es in den letzten sechs, sieben Jahren geschafft hat, einen Moment zu kreieren, an den ich mich erinnere, als wäre es gestern gewesen, den ich sofort aus dem Stand zum Besten geben könnte.

Aus heutiger Smartmark-Sicht hatte die Fehde einen wirklich guten Aufbau, sogar Takers Pause wurde sinnvoll genutzt, indem man Luger noch einmal eingebaut hat. Am Ende steht das aufstrebende Talent, das den Monsterheel nach einem Jahr entgegen aller Widrigkeiten niedergerungen hat. So etwas würde ich gerne wieder einmal sehen.

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