Samstag, 25 März 2017 08:00

„Glamazon“ Beth Phoenix: Die heimliche Wegbereiterin

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Um der künftigen WWE Hall of Famerin Beth Phoenix zu gratulieren, schrieb Triple H auf Twitter Folgendes: „Vor den Queens, Bosses, Huggers und Lass-Kickers... war die Glamazon.“ Triple Hs Worte waren nicht nur inhaltsleeres Namedropping – beziehungsweise Gimmick-Dropping – des aktuellen Who is Who der WWE Women's Division, sondern die Wahrheit. Und das „vor“ drückt nicht nicht eine lose Vor-Zeitigkeit aus – sondern einen direkten Zusammenhang. Denn ohne Beth Phoenix hätte es Charlotte, Sasha Banks, Bayley und Becky Lynch vielleicht tatsächlich in dieser Form nicht gegeben.

In einer Generation, in der die Frauen noch keine „Superstars“ waren, sondern „Divas“, denen plumpe Charaktere aufgebrummt wurden, für die sich selbst die Statisten in Scripted-Reality-Formaten auf RTL 2 zu schade wären, in einer Zeit, in der die Frauen im Wrestling eher der Fleischbeschau als des Wrestlings dienten, als Püppchen durch den Ring hüpften und keine Power-Bräute – war Beth Phoenix die Vorreiterin für eine neue Generation an Wrestlerinnen. Die, die keine Divas sein wollen.

Beth Phoenix, die blonde Muskel-Braut mit einem Gesicht, das nur im Keller lacht, hatte eine beeindruckende Karriere. Besonders vor dem Hintergrund, dass sie 2008 im Hauptkader der WWE startete und dort gerade mal vier Jahre blieb. In dieser Zeit gewann sie dreimal die WWE Women's Championship, ja, auch einmal die WWE Divas Championship, und 2008 den Slammy Award als Diva of the Year. Die Pro Wrestling Illustrated wählte sie 2012, im Jahr ihres Karriereendes, auf Rang zwei der 50 besten weiblichen Wrestler der Welt. Außerdem ist Beth Phoenix erst die zweite Frau nach Chyna, die im Royal Rumble Match mitmischte (2010 eliminierte sie sogar den Great Khali), und sie ist – Stand heute – die Frau mit den drittmeisten WWE-PPV-Matches überhaupt (38), nur hinter Trish Stratus und Natalya (beide 39 – Natalya wird in Kürze davonziehen). Wow.

Gut, vielleicht sind das auch Erfolge, die man schlicht und ergreifend in der Biografie einer Frau erwartet, die in eine Wrestling-Ruhmeshalle aufgenommen werden will. Bei Beth Phoenix kommen aber noch die Erfolge dazu, die keinem präsent sind, die sie aber erst zu einer heimlichen Wegbereiterin für folgende Generationen machte. Sie war gemeinsam mit Katie Lea Burchill die erste Frau in einem Ladder Match der WWE, neben Natalya, Michelle McCool und Layla die Erste in einem Tables Match der WWE und gemeinsam mit Melina die erste in einem I Quit Match, das in einem McMahonschen Ring ausgetragen wurde. Mit Beth Phoenix emanzipierten sich die Wrestlerinnen. Zumindest ein Stück weit.

„Sie hat die Flamme für Frauen-Wrestling am Leben gehalten“

Zwei Tage vor WrestleMania 33 wird Beth Phoenix in Orlando in die WWE Hall of Fame aufgenommen. Und auch wenn sie das nicht wirklich beeinflussen kann: Sie bricht schon wieder Rekorde. Mit gerade einmal 36 Jahren ist sie die jüngste Hall of Famerin der Geschichte. Und sie ist Teil des allerersten Ehepaares in der Ruhmeshalle. Ihr Ehemann wurde bereits 2012 aufgenommen und ist niemand Geringeres als Edge.

Der ist natürlich unendlich stolz auf sie. „Es gibt einen Grund dafür, dass sie in diesen Positionen landete“, begann Edge seine Erklärung mit Blick auf die etlichen zuvor genannten Erfolge und Meilensteine: „Sie war verdammt gut in ihrem Job. Sie war die Frau, auf die sich die Company über Jahre bei den Pay-Pay-Views verlassen konnte. Sie war eine der Frauen, die die Flamme für Frauen-Wrestling am Leben gehalten hat in einer Ära, als es auf Eis lag, und sind wir ehrlich, wenig Aufmerksamkeit von der WWE bekommen hat.“

Beth Phoenix hat die neue Ära insgeheim mit eingeleitet

Seine Frau, erzählte Edge, habe gezweifelt, ob sie so kurz nach ihrem Karriereende schon in die WWE Hall of Fame gehen solle. Edge findet: „Hell yeah“, sollte sie. „Wenn man einen Hall-of-Fame-Lebenslauf hat, verdient man es ganz einfach hinein zu gehen. Wen juckt es, wann es passiert, solange es passiert.“

Außerdem, das ergibt sich von selbst, verdient die Personalie Beth Phoenix Aufmerksamkeit in dieser neuen Ära, die sie vor wenigen Jahren insgeheim mit eingeleitet hat. Mit Namen wie Charlotte und Sasha Banks, Bayley und Becky Lynch hat sich die WWE ein Roster voller Klasse-Wrestlerinnen zusammengestellt. Sie sind es nun, die Rekorde aufstellen, Barrieren durchbrechen und neue Wege beschreiten. Auf sie kann man sich bei Pay-Per-Views nicht nur verlassen – manchmal sind die sogar die Headliner.

Gelesen 1114 mal Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 20:29

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