Sonntag, 26 März 2017 10:00

Rick Rude: Der Grandmaster of Arrogance...

geschrieben von Thomas Hippel
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...kommt in die Hall of Fame (18 Jahre zu spät, aber was soll's)
 
Auch in diesem Jahr nutzt WWE die große Bühne von WrestleMania, um einige verdiente Gesichter der Vergangenheit in die Hall of Fame einzuführen. Neben Stars wie Kurt Angle oder dem von Fans schon lange geforderten DDP gibt es 2017 mit dem legendären Rick Rude erneut eine posthume Ehrung: eine Ankündigung, die mich ehrlicherweise ziemlich überrascht hat, da ich mir doch eigentlich recht sicher war, dass sich Richard Erwin Rood – so Rudes bürgerlicher Name – längst im illustren Kreis der Ruhmeshallen-Mitglieder befinden würde.
 
Dass dem offenbar nicht so ist, ist letztlich ein Versäumnis, wäre doch eine Aufnahme bereits 1999 – im Jahr von Rudes Tod – mehr als nur angebracht gewesen. Immerhin verkörperte Rude den klassischen arroganten, maßlos von sich selbst überzeugten Bösewicht so gut wie kein Anderer im Wrestling-Business. Auch wenn ich die absolute Hoch-Zeit des Ravishing One in der WWF nicht mehr wirklich miterlebt habe, so kann ich doch behaupten, dass es immer Rudes Gesicht war, das vor meinem geistigen Auge auftauchte, wenn irgendwo das Wort „Heel“ fiel. Sicher hat Rude das heute gemeinhin schon als Klischee geltende Bild des arroganten, selbstverliebten Wrestling-Fieslings nicht erfunden. Er hat es aber genommen, perfektioniert und immer wieder auf die Spitze getrieben.

Pornöse Einlaufmusik, Hüftschwung und Kuss-Attacken

Viel mehr noch als Rudes' (alles andere als schlechte) Matches dürften den Fans dieser Zeit daher wohl noch sein Auftreten und seine Beleidigungen der Zuschauer in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Hier passte einfach alles zusammen: Die pornöse Einlaufmusik, die Mimik, die Robe, der Hüftschwung, die Tirade gegen das „fette, hässliche und ungebildete“ Publikum sowie das (offenbar einzig) hübsche Mädchen aus diesem Publikum, das dann, bevor das Match angeläutet wurde, erst einmal von Rude in die Besinnungslosigkeit geküsst wurde. Bemerkenswert dabei auch die Hosen, die Rude im Ring trug: Auf diesen prangten nämlich die Gesichter seiner bereits besiegten Gegner – ein Who is Who der Wrestling-Szene der 80e- Jahre strahlte dem Zuschauer hier entgegen. Ultimate Warrior, Ricky Steamboat, alle dabei...
 
Den großen Gürtel der WWF konnte Rude zwar nie gewinnen, allerdings glückte ihm dies in der NWA/WCW gleich dreimal. In Stamford blieben ihm lediglich Intercontinental-Titel-Ehren. Jedoch dürfte Rudes Fehde gegen den Ultimate Warrior um diesen Gürtel wohl so manches Programm in den Schatten gestellt haben, das sich in den letzten Jahren um einen der großen WWE-Titel zugetragen hat. Unvergessen ist hier sicherlich das Cage Match der beiden beim SummerSlam 1990.

Legendär: Rick Rude am selben Abend bei RAW und Nitro

Seine aktive Karriere musste Rick Rude im Jahr 1994 nach einer schweren Nackenverletzung zwar beenden, nach einer mehrjährigen Wrestling-Pause kehrte er 1997 allerdings wieder ins Business zurück – zunächst als Kommentator in der ECW, später dann als Bodyguard-Manager-Hybrid bei der Degeneration X in der WWF. Auch hier machte der wohl definierteste Wrestler aller Zeiten eine gute Figur, trotzdem blieb sein WWF-Comeback aber nur ein Zwischenspiel. Dies lag aber weniger an der Promotion aus Stamford als vielmehr an ihm selbst und seinen starken Prinzipien: So verließ Rude am Tag nach dem Montreal Screwjob in kollegialer Treue zu seinem hintergangenen Kumpel Bret Hart kurzerhand die WWF und heuerte über Nacht bei der WCW an, was wohl zu der kuriosesten Episode in der Wrestling-Karriere des Ravishing One führte und ihm einen ganz besonderen Rekord einbrachte... oder kennt ihr etwa einen anderen Wrestler, der es geschafft hat, am selben Abend sowohl bei Raw (damals noch im Vorfeld aufgezeichnet) als auch bei Nitro (welches live gesendet wurde) aufzutreten? Wohl nicht...
 
Richard Erwin Rood starb 1999 im Alter von 40 Jahren nach einer Medikamenten-Überdosis. In seinem viel zu kurzen Leben machte er aber unendlich vielen Menschen große Freude... indem er sie beleidigte, sie als fett und hässlich beschimpfte... indem er sie unterhielt. Mit ihm nimmt WWE nun einen der ganz Großen in ihre Ruhmeshalle auf... und einen, der viele andere Wrestler mit seiner grandiosen Arbeit inspiriert hat. So verbindet Rood und Bobby Roode etwa nicht nur der sehr ähnliche Nachname, auch das Gimmick des amtierenden NXT Champions lässt sich eigentlich nur als eine einzige Hommage an den Ravishing One begreifen. Oder erinnern wir uns an den (meiner Meinung nach absolut grandiosen) IC-Titelrun von „Dashing“ Cody Rhodes – auch hier schwang immer eine Spur vom Geist des Grandmaster of Arrogance mit.
 
Wir sehen: Das Vermächtnis von Rick Rude lebt in der heutigen Generation von Wrestlern weiter. Festzuhalten bleibt aber auch, dass – wie traurig das auch sein mag – es auf ewig nur einen Ravishing One geben wird: Ravishing Rick Rude. Dieser war – nicht durch das, was er tat, sondern dadurch, wie er es tat – einzigartig... und er fehlt.

Gelesen 1531 mal Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 20:27

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