Montag, 27 März 2017 08:00

Nichts für die Ewigkeit: Warum sich Tag Teams trennen

geschrieben von Manfred Reisinger
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"Nichts hält für die Ewigkeit" - das gilt vor allem beim Wrestling. Manchmal kursiert gar das Gerücht, Vince McMahon ändert seine Meinung stündlich und wirft Planungen mehrfach über den Haufen. Doch an dieser Stelle will ich nicht über das Booking reden, sondern über Tag Teams und Stables. Denn auch diese halten nicht für die Ewigkeit, wie die WrestleMania-Gegner Kevin Owens und Chris Jericho beweisen.

Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass frühere Tag-Team-Partner im späteren Karriere-Verlauf wieder zueinanderfinden wie die Hardy Boys oder die Brothers of Destruction, doch bei jedem Tag Team kommt es irgendwann zum Split – und zur Fehde. Auch hierfür kann man die beiden bereits erwähnten Tag Teams als Beispiel bestens heranziehen.

Doch warum ist das so? Warum ist irgendwann der Zeitpunkt erreicht, an dem man ein Stable oder ein Tag Team splitten muss?

Den ersten Grund sehe ich darin, dass jedes Tag Team sozusagen sein Ablaufdatum hat. Man hat gegen jedes andere Team gefehdet, alle Geschichten sind erzählt. Würde man nicht getrennte Wege gehen, so würde man sich im Kreis drehen und alles von vorne erneut erzählen. Ein aktuelles Beispiel wären die Usos. Hier entwickelt sich nichts mehr und ein großes Potenzial für eine Fehde gegen ein anderes Team erkenne ich nirgendwo.

Ein weiterer Grund sind Verletzungen. Erleidet ein Mitglied eine schlimme Verletzung und fällt über Wochen oder gar Monate aus, so steht das zweite Mitglied plötzlich ohne Partner da. Wenn die Promotion dem gesunden Wrestler nicht gerade direkt einen neuen Partner an die Seite stellt, kann man nun zwei Szenarien unterschieden, welche mitunter abhängig sind vom Standing, welches man bei den Offiziellen genießt. Variante Nummer eins ist, dass man bis zum Comeback des Freundes als Jobber eingesetzt wird, um andere Wrestler zu pushen. Die Zeit wird einfach überbrückt und nicht großartig in eine Single-Karriere investiert. Möglichkeit Nummer zwei ist hingegen der Push der Single-Karriere. Beispielsweise wurde Big Cass im letzten Jahr als Single Wrestler getestet, als Enzo Amore mit einer Gehirnerschütterung einige Wochen ausfiel. In diesem Fall wurde anschließend das Tag Team fortgeführt, doch wäre Enzo Amore länger als nur drei Wochen ausgefallen, wer weiß, ob man auch dann das Tag Team weitergeführt hätte.

Weg mit dem Bremsklotz: Das "Shawn Michaels / Marty Jannetty"-Syndrom

Der folgende Grund für den Split setzt direkt an Punkt Nummer zwei an. Wenn die Offiziellen unterschiedliche Ansichten über die beiden Wrestler haben, das heißt, wenn für einen eine Karriere in der Uppercard, für den anderen nur in der Undercard vorgesehen ist, so wird das Team zwangsläufig getrennt, um den "Bremsklotz" loszuwerden. Könnte man pauschal als das "Shawn Michaels / Marty Jannetty"-Syndrom bezeichnen. Denn während HBK zum absoluten Main Eventer und mehrfachen World Champion aufstieg, reichte es für Marty Jannetty lediglich zu einem mickrigen Midcard-Title. Man muss wohl kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dieses Schicksal bald auf das bereits angesprochene Tag Team um Enzo Amore und Big Cass zukommen wird.

Ein letzter und abschließender Grund liegt darin, dass alle Team-Mitglieder mittlerweile etabliert sind und somit als Singles-Wrestler durchstarten können. Soll heißen, das Tag Team (beziehungsweise in der Mehrheit der Fälle wohl ein Stable) diente zunächst nur dem Aspekt "gemeinsam sind wir stark". Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit wären der Nexus oder The Shield. Hier versammelten sich die Nachwuchsleute in einer Gruppe und konnten sich dadurch ein gewisses Standing bei den Fans erarbeiten und auf sich aufmerksam machen. Dies wäre ihnen allein wohl kaum gelungen, oder glaubt jemand, ein Heath Slater hätte als Single-Wrestler dauerhaft Erfolg gehabt? Doch irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem die Jungs soweit sind, allein auf Reisen zu gehen. Manche fallen dann durch Sieb und werden entlassen (siehe bei Nexus etwa Michael Tarver oder Justin Gabriel), andere können sich dauerhaft halten (die drei Shield-Jungs).

Kevin Owens und Chris Jericho: Ihr Bündnis hat den Zweck erfüllt

Bisher nicht eingegangen bin ich auf die Zweck-Bündnisse. In diese Kategorie zähle ich etwa Kevin Owens und Chris Jericho. Schon zu Beginn der Freundschaft wusste jeder, dass diese irgendwann zu Bruch gehen wird und eine Fehde daraus entsteht. Bei Owens und Jericho kamen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen war auch hier die Geschichte zu Ende erzählt, denn Chris Jericho hat mehrmals dafür gesorgt, dass Kevin Owens seinen WWE Universal Title verteidigen könnte. Das hätte man jetzt nur noch wiederholen können, ohne dass dadurch ein Mehrwert entstanden wäre. Zudem war der Zweck für dieses Bündnis bereits erfüllt. Beide Wrestler gehen gestärkt hervor. Chris Jericho ist over wie selten zuvor und Kevin Owens wird selbst von den Leuten ausgebuht, die normalerweise "gegen den Strom schwimmen" und die Heels bejubeln.

Ist das eigentlich schon jemandem konkret aufgefallen? Wir haben hier die klassische 80er-Jahre Face/Heel-Rollenverteilung und die Zuschauerreaktionen sind genau so, wie sie anhand der Darstellung sein müssten. In meinen Augen ein Novum in den letzten gefühlt zehn Jahren. Insbesondere da Kevin Owens eben wirklich jemand ist, der von der Internet-Gemeinde gefeiert wird. Aber hier wird er ausgebuht. In meinen Augen kann man daher die diese Fehde nicht genug loben. Es ist eine Schande, dass nicht diese den WrestleMania-Main-Event stellt, sondern die Teilzeit-Wrestler Goldberg und Brock Lesnar. Doch das ist ein anderes Thema.

Gelesen 825 mal Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 19:44

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