Mittwoch, 29 März 2017 08:00

Vom Undertaker bis Donald Trump: Meine Erinnerungen an WrestleMania 23

geschrieben von Manfred Reisinger
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Vor ziemlich genau zehn Jahren begann der Autor dieses Artikels, sich für Wrestling zu interessieren. Somit war WrestleMania 23 seine erste Großveranstaltung, die er sozusagen "live" miterlebte. Daher dreht sich sich heute alles um WrestleMania 23 und insbesondere die daraus entstandenen Nachwehen. Lassen wir die Gedanken schweifen.

Besonders denkwürdige Highlights setzte WrestleMania 23 eigentlich nicht. Kein besonderes Karriereende, kein Streak-Bruch, kein 10-Sterne-Match, die man unbedingt gesehen habe müsste.  Dennoch blieb mir der Event in guter Einnerung, denn die großen Matches lieferten durchwegs gute Qualität und waren zudem die Basis für die folgenden Wochen, die in meinen Augen deutlich unterhaltsamer waren als WrestleMania 23 selbst.

Nur acht Matches auf der Card – löblich!

Auffällig in der Retrospektive ist auf jeden Fall die geringe Anzahl an Matches. Nur acht Matches schafften es auf die Main Card, wodurch allerdings auch der eine oder anderen Title auf der Strecke blieb. Ich für meinen Teil brauche aber eh nicht jeden Titel auf der WrestleMania-Card, insbesondere dann nicht, wenn die Matches – wie zum Teil auch dieses Jahr wieder zu bestaunen – nur auf die Card geklatscht werden, damit eben jeder Title vertreten ist.

Doch werden wir etwas konkreter: Von den acht Matches sind es eigentlich nur vier wert, etwas näher auf sie einzugehen. Denn Diven-Matches wurden damals noch in unter fünf Minuten abgefrühstückt, der ECW-Brand bekam ebenso traditionell kaum Beachtung und zu The Great Khali vs. Kane braucht es wohl kaum Worte.

Donald Trump rasiert Vince McMahon

Beginnen wir von den großen Matches daher mit dem "aktuellsten". Wer hätte gedacht, dass ein Match von WrestleMania 23 gute zehn Jahre später nochmals so interessant werden könnte? Die Rede ist von Donald Trump, einem heutigen WWE Hall of Famer als US-Präsident. Er lieferte sich ein Duell mit Vince McMahon, wobei uns Fans zumindest die Farce eines direkten Aufeinandertreffens erspart geblieben ist. Stattdessen wählte jeder der beiden Herren einen Repräsentaten. Da sich Donald Trumps Mann Bobby Lashley gegen McMahons Umaga durchsetze, verlor der WWE-Boss aufgrund der Matchstipulation seine Haarpracht. Während die Sache für Donald Trump damit erledigt war, schließlich wurde er lediglich für ein wenig Celebrity-Aufmerksamkeit gebraucht, führte Vince McMahon die Fehde gegen Bobby Lashley weiter. Jener war zu dieser Zeit ECW Champion, die McMahons hielten große Stücke auf ihn. Wie in so vielen Wrestlern sah man "The Next Big Thing" in Bobby Lashley. Dass es dazu nicht kam, ist mittlerweile bekannt.

Chris Benoit gegen MVP war eine mehr als solide Midcard-Storyline, da man diese Fehde als Durchbruch von MVP bezeichnen darf. Während er bei WrestleMania noch der Unterlegene war – Benoit siegte nach Diving Headbutt –, konnte er sich kurz darauf den United States Title vom Kanadier sichern und in der Folgezeit ein knappes Jahr halten. In diese Zeit fällt auch eine der besten Midcard-Storylines des vergangenen Jahrzehnts: MVP vs. Matt Hardy. Über Chris Benoit indes kann man leider nicht mehr allzu viel berichten. Nach besagtem Titelverlust sollte er zur ECW wechseln und dem Brand helfen, nicht völlig an Wert gegenüber SmackDown und RAW zu verlieren. Doch wie wir wissen, kam alles anders...

Schon damals im Main Event vertreten war John Cena. Irgendwie schon beeindruckend, wie ich finde. Klar, Wrestling ist kein realer Sport, wodurch man nicht eins zu eins behaupten kann, der Kerl stehe nur wegen seiner Leistungen nach wie vor ganz weit oben. Doch betrachtet man andere Sportarten, etwa Tennis mit Roger Federer und sieht sich die weltweite Bewunderung für dessen konstanten Top-Leistungen an, ist es doch irgendwie merkwürdig, wie wenig dies bei John Cena honoriert wird. Über zehn Jahre das Aushängeschild eines Unternehmens zu sein und damit jeden Tag zahlreiche Verpflichtungen nachkommen zu müssen, stelle ich mir alles andere als einfach und stressfrei vor.

John Cena vs. Shawn Michaels: RAW überflügelt WrestleMania

Cenas Gegner hieß Shawn Michaels, und im Grunde blieb von dieser Fehde nicht wirklich jenes Match von WrestleMania in Erinnerung, sondern eines, das wenige Wochen später bei RAW stattfand und über eine Stunde dauerte. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bis heute, HBK habe sich bei WrestleMania 23 nur deshalb von Cena zur Aufgabe zwingen lassen, da ihm zugesichert wurde, dass er dann dieses Mega-Match bei RAW gewinnen darf. Naja, WWE Champion wurde Shawn Michaels dennoch nicht.

Wie eingangs schon erwähnt, war dies alles meine Anfangszeit als Wrestling-Fan und ich verfolgte das Geschehen zunächst nur anhand von Berichten auf bsww.de und der internationalen Zusammenfassung von SmackDown auf DSF. Daher lag mein größtes Interesse bei den Stars des blauen Brands – und das waren in dieser Zeit zweifelsohne Batista und The Undertaker. Der Deadman konnte 2007 das Royal Rumble Match gewinnen und fordetre daher bei WrestleMania 23 Batista heraus. Wie nicht anders zu erwarten, verteidigte der Undertaker seine damals noch bestehende Streak und wurde World Heavyweight Champion. Ähnlich wie beim RAW Main Event allerdings blieb mir weniger das Match selbst in Erinnerung, sondern die folgenden Wochen.

Batista bekam logischerweise ein Rematch zugeschrieben. Das ging beim nächsten PPV Backlash über die Bühne. Backlash war übrigens der erste B-PPV, an dem wieder alle drei Brands beteiligt waren, denn zuvor wurde strikt getrennt wie es auch aktuell (mal wieder) der Fall ist. Bei besagtem Großereignis standen sich beide Wrestler in einem Last Man Standing Match gegenüber. Nach seinem Spear auf der Entrance-Rampe durch ein Stahlgerüst wurden Batista und Undertaker von eben jener untergraben, sodass beide den Referee-Count nicht erwidern konnten und es zu einem Unentschieden kam. Leider führte eine Verletzung des Undertakers zu einem abrupten Ende dieser in meinen (damaligen) Augen tollen Fehde, nicht allerdings, um zuvor nochmal ein absolutes Highlight zu setzen, das mich samstagabends mit offenem Mund vor dem Fernsehr stehen ließ.

Bei SmackDown traten Batista und der Undertaker in einem Steel Cage Match gegeneinander an. Wie bei Backlash kam es erneut zu einem Draw, weil beide gleichzeitig den Boden außerhalb des Käfiges berührten. Freute ich mich zunächst noch über die erfolgreiche Titelverteidigung, erschien plötzlich Mark Henry und attackierte den Undertaker. Damit wurde die Comeback-Storyline für den Herbst bereits begonnen. Nach getaner Arbeit verließ Henry die Halle und es war Zeit für den ultimativen Opportunisten Edge. Dieser hatte ein Köfferchen in der Hand.

Edge nimmt Mr. Kennedy den Koffer ab

Der Besitzer dieses Köfferchens war eigentlich Mr. Kennedy. Denn bei WrestleMania 23 konnte er sich beim Money in the Bank Ladder Match durchsetzen, weil die Verantwortlichen auch in ihm das Potenzial für einen Main Eventer sahen. Etliche Verletzungen und einige andere Probleme (zum Beispiel Randy Ortons Beschwerde über mangelnde Rücksichtnahme von Kennedy beim Ausführen seiner Moves) verhindetren diesen vorgesehen Weg. So war auch eine Verletzung Schuld, dass Mr. Kennedy den Koffer an Edge verlor.

Die Verantwortlichen machten aus den zeitgleichen Verletzungen von Kennedy und dem Undertaker eine Tugend, schickten Edge von RAW zu SmackDown und etablierten ihn dort als ganz großen Star. Nachdem das Einlösen des Koffers gegen den nahezu regungslosen Undertaker nur Formsache war, folgten Fehden gegen Batista und Rey Mysterio, im späteren Verlauf zusammen mit La Familia (Vickie Guerrero, Chavi Guerrero, Curt Hawkins, Zack Ryder) auch gegen den Undertaker, in dessen Verlauf es zu vielen tollen Matches kam.

Donald Trump: Zehn Jahre später ist er US-Präsident

Man liest oft, dass Vince McMahon bei WrestleMania einen besonderen Moment haben möchte, mit dem man das Event verbindet. Etwa Ric Flairs Abschiedsmatch gegen Shawn Michaels bei WrestleMania 24 oder der Sieg von Brock Lesnar über den Undertaker bei WrestleMania 30. Auch die Matches von The Rock darf man wohl in diese Liste aufnehmen. Doch nicht immer gelingt dies, wie man etwa bei WrestleMania 23 feststellen konnte.

Es ist schon irgendwie witzig, dass man derzeit wohl zunächst an Donald Trump denkt, wenn man auf WrestleMania 23 zurückblickt. Wer hätte das damals erwarten können, dass dieser Prominente zehn Jahre später der Präsident der USA ist. Vielleicht sollte es sich Shaquille O'Neal noch einmal überlegen, ob er nicht bei der diesjährigen WrestleMania doch gegen The Big Show in den Ring steigt...

Gelesen 1042 mal Letzte Änderung am Samstag, 09 September 2017 19:39

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