WrestleMania 2017

WrestleMania 2017 (28)

Vor ziemlich genau zehn Jahren begann der Autor dieses Artikels, sich für Wrestling zu interessieren. Somit war WrestleMania 23 seine erste Großveranstaltung, die er sozusagen "live" miterlebte. Daher dreht sich sich heute alles um WrestleMania 23 und insbesondere die daraus entstandenen Nachwehen. Lassen wir die Gedanken schweifen.

Besonders denkwürdige Highlights setzte WrestleMania 23 eigentlich nicht. Kein besonderes Karriereende, kein Streak-Bruch, kein 10-Sterne-Match, die man unbedingt gesehen habe müsste.  Dennoch blieb mir der Event in guter Einnerung, denn die großen Matches lieferten durchwegs gute Qualität und waren zudem die Basis für die folgenden Wochen, die in meinen Augen deutlich unterhaltsamer waren als WrestleMania 23 selbst.

Nur acht Matches auf der Card – löblich!

Auffällig in der Retrospektive ist auf jeden Fall die geringe Anzahl an Matches. Nur acht Matches schafften es auf die Main Card, wodurch allerdings auch der eine oder anderen Title auf der Strecke blieb. Ich für meinen Teil brauche aber eh nicht jeden Titel auf der WrestleMania-Card, insbesondere dann nicht, wenn die Matches – wie zum Teil auch dieses Jahr wieder zu bestaunen – nur auf die Card geklatscht werden, damit eben jeder Title vertreten ist.

Doch werden wir etwas konkreter: Von den acht Matches sind es eigentlich nur vier wert, etwas näher auf sie einzugehen. Denn Diven-Matches wurden damals noch in unter fünf Minuten abgefrühstückt, der ECW-Brand bekam ebenso traditionell kaum Beachtung und zu The Great Khali vs. Kane braucht es wohl kaum Worte.

Donald Trump rasiert Vince McMahon

Beginnen wir von den großen Matches daher mit dem "aktuellsten". Wer hätte gedacht, dass ein Match von WrestleMania 23 gute zehn Jahre später nochmals so interessant werden könnte? Die Rede ist von Donald Trump, einem heutigen WWE Hall of Famer als US-Präsident. Er lieferte sich ein Duell mit Vince McMahon, wobei uns Fans zumindest die Farce eines direkten Aufeinandertreffens erspart geblieben ist. Stattdessen wählte jeder der beiden Herren einen Repräsentaten. Da sich Donald Trumps Mann Bobby Lashley gegen McMahons Umaga durchsetze, verlor der WWE-Boss aufgrund der Matchstipulation seine Haarpracht. Während die Sache für Donald Trump damit erledigt war, schließlich wurde er lediglich für ein wenig Celebrity-Aufmerksamkeit gebraucht, führte Vince McMahon die Fehde gegen Bobby Lashley weiter. Jener war zu dieser Zeit ECW Champion, die McMahons hielten große Stücke auf ihn. Wie in so vielen Wrestlern sah man "The Next Big Thing" in Bobby Lashley. Dass es dazu nicht kam, ist mittlerweile bekannt.

Chris Benoit gegen MVP war eine mehr als solide Midcard-Storyline, da man diese Fehde als Durchbruch von MVP bezeichnen darf. Während er bei WrestleMania noch der Unterlegene war – Benoit siegte nach Diving Headbutt –, konnte er sich kurz darauf den United States Title vom Kanadier sichern und in der Folgezeit ein knappes Jahr halten. In diese Zeit fällt auch eine der besten Midcard-Storylines des vergangenen Jahrzehnts: MVP vs. Matt Hardy. Über Chris Benoit indes kann man leider nicht mehr allzu viel berichten. Nach besagtem Titelverlust sollte er zur ECW wechseln und dem Brand helfen, nicht völlig an Wert gegenüber SmackDown und RAW zu verlieren. Doch wie wir wissen, kam alles anders...

Schon damals im Main Event vertreten war John Cena. Irgendwie schon beeindruckend, wie ich finde. Klar, Wrestling ist kein realer Sport, wodurch man nicht eins zu eins behaupten kann, der Kerl stehe nur wegen seiner Leistungen nach wie vor ganz weit oben. Doch betrachtet man andere Sportarten, etwa Tennis mit Roger Federer und sieht sich die weltweite Bewunderung für dessen konstanten Top-Leistungen an, ist es doch irgendwie merkwürdig, wie wenig dies bei John Cena honoriert wird. Über zehn Jahre das Aushängeschild eines Unternehmens zu sein und damit jeden Tag zahlreiche Verpflichtungen nachkommen zu müssen, stelle ich mir alles andere als einfach und stressfrei vor.

John Cena vs. Shawn Michaels: RAW überflügelt WrestleMania

Cenas Gegner hieß Shawn Michaels, und im Grunde blieb von dieser Fehde nicht wirklich jenes Match von WrestleMania in Erinnerung, sondern eines, das wenige Wochen später bei RAW stattfand und über eine Stunde dauerte. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bis heute, HBK habe sich bei WrestleMania 23 nur deshalb von Cena zur Aufgabe zwingen lassen, da ihm zugesichert wurde, dass er dann dieses Mega-Match bei RAW gewinnen darf. Naja, WWE Champion wurde Shawn Michaels dennoch nicht.

Wie eingangs schon erwähnt, war dies alles meine Anfangszeit als Wrestling-Fan und ich verfolgte das Geschehen zunächst nur anhand von Berichten auf bsww.de und der internationalen Zusammenfassung von SmackDown auf DSF. Daher lag mein größtes Interesse bei den Stars des blauen Brands – und das waren in dieser Zeit zweifelsohne Batista und The Undertaker. Der Deadman konnte 2007 das Royal Rumble Match gewinnen und fordetre daher bei WrestleMania 23 Batista heraus. Wie nicht anders zu erwarten, verteidigte der Undertaker seine damals noch bestehende Streak und wurde World Heavyweight Champion. Ähnlich wie beim RAW Main Event allerdings blieb mir weniger das Match selbst in Erinnerung, sondern die folgenden Wochen.

Batista bekam logischerweise ein Rematch zugeschrieben. Das ging beim nächsten PPV Backlash über die Bühne. Backlash war übrigens der erste B-PPV, an dem wieder alle drei Brands beteiligt waren, denn zuvor wurde strikt getrennt wie es auch aktuell (mal wieder) der Fall ist. Bei besagtem Großereignis standen sich beide Wrestler in einem Last Man Standing Match gegenüber. Nach seinem Spear auf der Entrance-Rampe durch ein Stahlgerüst wurden Batista und Undertaker von eben jener untergraben, sodass beide den Referee-Count nicht erwidern konnten und es zu einem Unentschieden kam. Leider führte eine Verletzung des Undertakers zu einem abrupten Ende dieser in meinen (damaligen) Augen tollen Fehde, nicht allerdings, um zuvor nochmal ein absolutes Highlight zu setzen, das mich samstagabends mit offenem Mund vor dem Fernsehr stehen ließ.

Bei SmackDown traten Batista und der Undertaker in einem Steel Cage Match gegeneinander an. Wie bei Backlash kam es erneut zu einem Draw, weil beide gleichzeitig den Boden außerhalb des Käfiges berührten. Freute ich mich zunächst noch über die erfolgreiche Titelverteidigung, erschien plötzlich Mark Henry und attackierte den Undertaker. Damit wurde die Comeback-Storyline für den Herbst bereits begonnen. Nach getaner Arbeit verließ Henry die Halle und es war Zeit für den ultimativen Opportunisten Edge. Dieser hatte ein Köfferchen in der Hand.

Edge nimmt Mr. Kennedy den Koffer ab

Der Besitzer dieses Köfferchens war eigentlich Mr. Kennedy. Denn bei WrestleMania 23 konnte er sich beim Money in the Bank Ladder Match durchsetzen, weil die Verantwortlichen auch in ihm das Potenzial für einen Main Eventer sahen. Etliche Verletzungen und einige andere Probleme (zum Beispiel Randy Ortons Beschwerde über mangelnde Rücksichtnahme von Kennedy beim Ausführen seiner Moves) verhindetren diesen vorgesehen Weg. So war auch eine Verletzung Schuld, dass Mr. Kennedy den Koffer an Edge verlor.

Die Verantwortlichen machten aus den zeitgleichen Verletzungen von Kennedy und dem Undertaker eine Tugend, schickten Edge von RAW zu SmackDown und etablierten ihn dort als ganz großen Star. Nachdem das Einlösen des Koffers gegen den nahezu regungslosen Undertaker nur Formsache war, folgten Fehden gegen Batista und Rey Mysterio, im späteren Verlauf zusammen mit La Familia (Vickie Guerrero, Chavi Guerrero, Curt Hawkins, Zack Ryder) auch gegen den Undertaker, in dessen Verlauf es zu vielen tollen Matches kam.

Donald Trump: Zehn Jahre später ist er US-Präsident

Man liest oft, dass Vince McMahon bei WrestleMania einen besonderen Moment haben möchte, mit dem man das Event verbindet. Etwa Ric Flairs Abschiedsmatch gegen Shawn Michaels bei WrestleMania 24 oder der Sieg von Brock Lesnar über den Undertaker bei WrestleMania 30. Auch die Matches von The Rock darf man wohl in diese Liste aufnehmen. Doch nicht immer gelingt dies, wie man etwa bei WrestleMania 23 feststellen konnte.

Es ist schon irgendwie witzig, dass man derzeit wohl zunächst an Donald Trump denkt, wenn man auf WrestleMania 23 zurückblickt. Wer hätte das damals erwarten können, dass dieser Prominente zehn Jahre später der Präsident der USA ist. Vielleicht sollte es sich Shaquille O'Neal noch einmal überlegen, ob er nicht bei der diesjährigen WrestleMania doch gegen The Big Show in den Ring steigt...

Tja, das Team hat so nett entschieden, dass mein erster Beitrag zum WrestleMania-Special der Bericht zu den künftigen WWE Hall of Famern des Rock 'n' Roll Express sein soll. Ich weiß auch nicht warum – vielleicht lag’s am Alter. Dummerweise habe ich tatsächlich keine nennenswerten Erinnerungen an das Tag Team, bestehend aus Ricky Morton und Robert Gibson. So blieb mir also auch nichts anderes übrig, als das mächtige G zu konsultieren und war etwas erschrocken, als ich las, dass die beiden mit 58 und 60 Jahren immer noch auftreten. Also… aktiv… im Ring… mit Wrestling und so.

Aber genug davon – schauen wir uns die Karriere der beiden Herren mal an: Wir befinden uns im Jahr 1983 in Memphis. Ein gewisser Jerry Lawler brauchte ein Team, das er einsetzen konnte, wenn „The Fabulous Ones“ gerade mal nicht auftreten konnten. So erfand er den RnR-Express, Glam Metal hörende Highflyer, die es mit jedem namhaften Team der frühen 1980er aufnehmen mussten. Die beiden hatten zu dem Zeitpunkt etwas mehr als sechs Jahre Ringerfahrung vorzuweisen.

Von Memphis aus ging es für Morton und Gibson zu Mid-South Wrestling, wo sie vor allen Dingen gegen Jim Cornettes Midnight Express positioniert wurden. Die Fehde zog sich später in die NWA, wo der Rock 'n' Roll Express immerhin vier Mal NWA World Tag Team Champions wurde. Ende der 1980er machten die beiden Herren einen kleinen, durchaus erfolgreichen, Ausflug in Richtung CWA und AWA, nur um 1989 wieder zur NWA zurückzukehren. Dort hatten sie den beiden Erfolgsteams Road Warriors und Steiner Brothers allerdings nichts mehr entgegen zu setzen. Glam Metal war auch irgendwie out und der RnR-Express verschwand in der Midcard.

In den 1990ern fehdeten sich die beiden durch alle Ligen, die man sich so denken kann. Von Smoky Mountain Wrestling über WCW bis in die WWF. Und zwar meistens gegen die Heavenly Bodies, mit denen sie es wirklich überall zu tun hatten und gegen die sie wirklich brutale Matches zeigten. Und zwar in aller Regel um die SMW Tag Team Championship – auch bei WCW und WWF.

1996, genauer gesagt am 5. August des Jahres, kehrten Morton und Gibson dann zu WCW zurück, allerdings nur, um bei Monday Nitro gegen die WCW World Tag Team Champions Harlem Heat zu verlieren. High Voltage, die Faces of Fear oder auch Ric Flair und Arn Anderson waren die Gegner der beiden. Echte Erfolge feierten sie keine mehr.

So verließen sie 1997 dann auch die WCW wieder, um sich im Indy-Bereich durchzuschlafen. Im Januar 1998 tauchen sie dann in der WWF auf, verloren (durch DQ) aber gegen Skull und 8-Ball, auch hier war für die beiden nichts mehr zu reißen.

Und was macht man, wenn man bei den großen Ligen niemandem mehr die Wurst vom Brot ziehen kann? Genau, man geht zu TNA. Allerdings blieb es auch hier in den 2000er bei kurzen Gastspielen.

Aber auch, wenn die beiden sich kein Gold mehr um die Hüften schnallen konnten, blieben sie immer dabei. Nicht immer zusammen, denn mit anderen Partnern bildeten sie zum Beispiel den New Rock 'n' Roll Express oder auch die Rock 'n' Rockers.

Aus heutiger Sicht wirkt das Team angestaubt, ähnlich wie die Rockers, dennoch ziehen sie dieses Jahr absolut berechtigt in die Hall of Fame der WWE ein: Diese zwei brannten fürs Wrestling und tun es noch heute.

Mein Gott, was freue ich mich auf WrestleMania! Nee, wat schööön. Endlich mal steht wieder jemand im Main Event, der es wirklich verdient hat, der über Jahre hinweg nicht nennenswert in Erscheinung getreten ist und bei dem man sich immer gefragt hat, ob er wohl noch einmal zurückkommt und jemanden bestialisch in Sekundenschnelle und ohne jegliche Mühe zerfleischt. Genau, die Rede ist von Brock Lesnar! Jemand, dessen Nahrung ausschließlich aus rohem Fleisch und Steroiden besteht, kann für einen WrestleMania-Main-Event sicher nicht verkehrt sein.

Nee, doch, ernsthaft – was Brock Lesnar alles schon rausgehauen hat, spottet jeder Beschreibung. Seine Shooting Star Press gegen Kurt Angle bei WrestleMania 19 ist genauso legendär wie die Schneise der Verwüstung, die er ins WWE-Roster gefräst hat. Brock Lesnar hat mich im Laufe meines Daseins als Harry-Potter-Fan reich beschenkt: J. K. Rowling beschrieb Malfoys willfährigen Schergen Crabbe immer als „Gesicht wie eine Puddingschüssel“. Seitdem ich Brock Lesnar kenne, weiß ich, was sie meinte. Vielen Dank, Brock Lesnar. Als ich meine Frau um eine Beurteilung des Beast Incarnate bat, gab sie zurück „Hmm… Groß, hässlich, gruselig und mega-aggro.“ Aber was weiß die schon. Weiber. Haben die jemals Ahnung von Wrestling gehabt? Die Tatsache, dass dieser Text wahrscheinlich eh niemals von einer Frau gelesen wird, untermauert diese These.

Insbesondere Lesnars Oberkörpertätowierung lässt mich mein Facebook-Like für „Tattoofrei – es ist schön, keine Tattoos zu haben“ noch einmal gründlich überdenken. Ich meine, dieses vor Männlichkeit strotzende, lange Teil möchte man doch gerne einmal wirklich in die Hand nehmen und es von oben bis unten befühlen. Dieses Schwert braucht sicher keine Scheide, so männlich sieht es aus.

Kommen wir zu Lesnars Gegner, einem ehemaligen Football-Star, den eigentlich keiner sehen will, der eigentlich nie clean verliert, zahlreiche Karrieren zerstört und Wrestler der Lächerlichkeit preisgegeben hat. Auch, wenn ein Match gegen Roman Reigns hier eigentlich gar nicht mal so schlecht wäre, ist es nun der 50-jährige Tintling Bill Goldberg, gegen den Lesnar ranmuss. Kein Match seiner Karriere hat länger als 15 Minuten gedauert – und selbst das war schon eine Ausnahme. Hochkarätige Squash-Matches pflastern seinen Weg – wer erinnert sich nicht gerne inbrünstig an das Wegmatschen ganzer Divisionen, die Goldberg ganz nach oben brachten? Das ist ein System, das heute auch noch wunderbar für die Top-Faces funktioniert – siehe Braun Strowman bei Fastlane.

Mit Spannung erwarten wir einen sekundenlangen Kampf zweier alternder Teilzeit-Stars. Das „First Blood“-Match ist ja seit PG ein wenig aus der Mode gekommen; wie wäre es an dieser Stelle also im Hinblick auf Goldbergs besondere Kondition mit einem „First Sweat“-Match – derjenige, der zuerst schwitzt, verliert?

Freut euch auf den Main Event von WrestleMania 33 – die spannendsten zwölf Sekunden einer fünfstündigen Show.

"Nichts hält für die Ewigkeit" - das gilt vor allem beim Wrestling. Manchmal kursiert gar das Gerücht, Vince McMahon ändert seine Meinung stündlich und wirft Planungen mehrfach über den Haufen. Doch an dieser Stelle will ich nicht über das Booking reden, sondern über Tag Teams und Stables. Denn auch diese halten nicht für die Ewigkeit, wie die WrestleMania-Gegner Kevin Owens und Chris Jericho beweisen.

Zwar ist es nicht ausgeschlossen, dass frühere Tag-Team-Partner im späteren Karriere-Verlauf wieder zueinanderfinden wie die Hardy Boys oder die Brothers of Destruction, doch bei jedem Tag Team kommt es irgendwann zum Split – und zur Fehde. Auch hierfür kann man die beiden bereits erwähnten Tag Teams als Beispiel bestens heranziehen.

Doch warum ist das so? Warum ist irgendwann der Zeitpunkt erreicht, an dem man ein Stable oder ein Tag Team splitten muss?

Den ersten Grund sehe ich darin, dass jedes Tag Team sozusagen sein Ablaufdatum hat. Man hat gegen jedes andere Team gefehdet, alle Geschichten sind erzählt. Würde man nicht getrennte Wege gehen, so würde man sich im Kreis drehen und alles von vorne erneut erzählen. Ein aktuelles Beispiel wären die Usos. Hier entwickelt sich nichts mehr und ein großes Potenzial für eine Fehde gegen ein anderes Team erkenne ich nirgendwo.

Ein weiterer Grund sind Verletzungen. Erleidet ein Mitglied eine schlimme Verletzung und fällt über Wochen oder gar Monate aus, so steht das zweite Mitglied plötzlich ohne Partner da. Wenn die Promotion dem gesunden Wrestler nicht gerade direkt einen neuen Partner an die Seite stellt, kann man nun zwei Szenarien unterschieden, welche mitunter abhängig sind vom Standing, welches man bei den Offiziellen genießt. Variante Nummer eins ist, dass man bis zum Comeback des Freundes als Jobber eingesetzt wird, um andere Wrestler zu pushen. Die Zeit wird einfach überbrückt und nicht großartig in eine Single-Karriere investiert. Möglichkeit Nummer zwei ist hingegen der Push der Single-Karriere. Beispielsweise wurde Big Cass im letzten Jahr als Single Wrestler getestet, als Enzo Amore mit einer Gehirnerschütterung einige Wochen ausfiel. In diesem Fall wurde anschließend das Tag Team fortgeführt, doch wäre Enzo Amore länger als nur drei Wochen ausgefallen, wer weiß, ob man auch dann das Tag Team weitergeführt hätte.

Weg mit dem Bremsklotz: Das "Shawn Michaels / Marty Jannetty"-Syndrom

Der folgende Grund für den Split setzt direkt an Punkt Nummer zwei an. Wenn die Offiziellen unterschiedliche Ansichten über die beiden Wrestler haben, das heißt, wenn für einen eine Karriere in der Uppercard, für den anderen nur in der Undercard vorgesehen ist, so wird das Team zwangsläufig getrennt, um den "Bremsklotz" loszuwerden. Könnte man pauschal als das "Shawn Michaels / Marty Jannetty"-Syndrom bezeichnen. Denn während HBK zum absoluten Main Eventer und mehrfachen World Champion aufstieg, reichte es für Marty Jannetty lediglich zu einem mickrigen Midcard-Title. Man muss wohl kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass dieses Schicksal bald auf das bereits angesprochene Tag Team um Enzo Amore und Big Cass zukommen wird.

Ein letzter und abschließender Grund liegt darin, dass alle Team-Mitglieder mittlerweile etabliert sind und somit als Singles-Wrestler durchstarten können. Soll heißen, das Tag Team (beziehungsweise in der Mehrheit der Fälle wohl ein Stable) diente zunächst nur dem Aspekt "gemeinsam sind wir stark". Beispiele aus der jüngeren Vergangenheit wären der Nexus oder The Shield. Hier versammelten sich die Nachwuchsleute in einer Gruppe und konnten sich dadurch ein gewisses Standing bei den Fans erarbeiten und auf sich aufmerksam machen. Dies wäre ihnen allein wohl kaum gelungen, oder glaubt jemand, ein Heath Slater hätte als Single-Wrestler dauerhaft Erfolg gehabt? Doch irgendwann ist dann der Zeitpunkt gekommen, an dem die Jungs soweit sind, allein auf Reisen zu gehen. Manche fallen dann durch Sieb und werden entlassen (siehe bei Nexus etwa Michael Tarver oder Justin Gabriel), andere können sich dauerhaft halten (die drei Shield-Jungs).

Kevin Owens und Chris Jericho: Ihr Bündnis hat den Zweck erfüllt

Bisher nicht eingegangen bin ich auf die Zweck-Bündnisse. In diese Kategorie zähle ich etwa Kevin Owens und Chris Jericho. Schon zu Beginn der Freundschaft wusste jeder, dass diese irgendwann zu Bruch gehen wird und eine Fehde daraus entsteht. Bei Owens und Jericho kamen mehrere Faktoren zusammen. Zum einen war auch hier die Geschichte zu Ende erzählt, denn Chris Jericho hat mehrmals dafür gesorgt, dass Kevin Owens seinen WWE Universal Title verteidigen könnte. Das hätte man jetzt nur noch wiederholen können, ohne dass dadurch ein Mehrwert entstanden wäre. Zudem war der Zweck für dieses Bündnis bereits erfüllt. Beide Wrestler gehen gestärkt hervor. Chris Jericho ist over wie selten zuvor und Kevin Owens wird selbst von den Leuten ausgebuht, die normalerweise "gegen den Strom schwimmen" und die Heels bejubeln.

Ist das eigentlich schon jemandem konkret aufgefallen? Wir haben hier die klassische 80er-Jahre Face/Heel-Rollenverteilung und die Zuschauerreaktionen sind genau so, wie sie anhand der Darstellung sein müssten. In meinen Augen ein Novum in den letzten gefühlt zehn Jahren. Insbesondere da Kevin Owens eben wirklich jemand ist, der von der Internet-Gemeinde gefeiert wird. Aber hier wird er ausgebuht. In meinen Augen kann man daher die diese Fehde nicht genug loben. Es ist eine Schande, dass nicht diese den WrestleMania-Main-Event stellt, sondern die Teilzeit-Wrestler Goldberg und Brock Lesnar. Doch das ist ein anderes Thema.

„Ich würde jede Wrestlerin feuern und sie in einen Strip-Club schicken. Frauen ziehen kein Geld, sie haben schreckliche Matches und sie sollten den Männern nicht ihre Jobs klauen, die ihre Familie ernähren müssen. Ich liebe Frauen, aber sie sollten ihren Platz kennen. Frauen sollten keine Wrestlerinnen, MMA-Kämpferinnen oder Boxerinnen werden. Sie sollten zu Hause bleiben, den Abwasch machen, kochen und Kinder kriegen.“

Was glaubt ihr, von wem und aus welchem Kontext stammt dieses Zitat? Vince McMahon, als man ihm zum ersten Mal von der Möglichkeit einer Women’s Championship erzählte? Nope. The Rock vielleicht, der sich - natürlich mit entsprechend ironischem Unterton - über irgend eine Women’s Championesse lustig machte? Wir kommen der Sache zeitlich näher, aber äh-äh. Das Zitat stammt tatsächlich aus dem letzten Jahr, ist frei von jeglicher Ironie und stammt vom WWE Hall of Famer und ehemaligen Intercontinental und Tag Team Champion Greg „The Hammer“ Valentine. Ein Zitat, dass freilich alles andere als freundlich ist, sich durch besonderen Sexismus auszeichnet und die Entwicklungen der letzten Jahre ignoriert.

Keine Angst, das wird jetzt kein Gender-Vortrag, aber Valentines Zitat stammt leider nicht von ungefähr, ohne jetzt den Sexismus übernehmen zu wollen (ich weiß, Männer, wir sind hier unter uns, aber sowas muss echt nicht sein). Das Wrestling der Frauen war bis vor Kurzem eben nur eine Randerscheinung, deren Daseinsberechtigung zumindest fraglich, zumeist aber überflüssig war. Natürlich gab es ein paar löbliche Ausnahmen, Leute wie Lita oder Trish Stratus und sogar Ligen wie SHIMMER mit ausschließlich  weiblichem Ring-Personal (das alles trotzdem eher unter „Ferner liefen“). Und dann kommt das dicke ABER: Es gab keine Matches, für die man Geld bezahlte, keine längeren Matchzeiten für Frauen, keine fesselnden Charaktere (hey, eine Frau mit einem Gimmick, das nichts mit Titten zu tun hat - hat man das schon mal gesehen?), keine wirklichen Storylines. Kurzum: Frauen-Wrestling war gleichbedeutend mit Pinkelpause.

Fabulous Moolah hält NWA Women's Championship über 28 Jahre

Um das mal ein wenig zu veranschaulichen und die Geschichte nachzuzeichnen: The Fabulous Moolah hielt die NWA World Women’s Championship, die sie mit in die WWF brachte, stolze achtundzwanzig Jahre lang - für die totalen Nerds: Sie hat den Titel ein paarmal zwischendrin für ein paar Tage verloren, was die WWE aber bis heute nicht anerkannt hat; aber keine andere hielt den Titel während dieser Zeit länger als drei Wochen. Achtundzwanzig Jahre lang, von 1956 bis 1984. Wenn ihr dachtet, Bruno Sammartinos knapp achtjährige Regentschaft wäre lang und John Cena würde den Main Event schon viel zu lange blockieren (was er auch tut, keine Frage): Acht. Und. Zwanzig. Fucking. Jahre. Wenn man vielleicht nicht so ganz mit der Materie vertraut ist, könnte man sagen: Stramme Leistung. Wenn man ein wenig hinter die Fassade schaut, merkt man dann aber doch relativ schnell, dass ein feministisches Ausschlachten dieser langen Titelregentschaft wohl kaum möglich ist - einfach, weil es keine vernünftigen Gegnerinnen gab. Keine Nachfrage, kein Angebot.

Als die WWF in den 1980er-Jahren schließlich international boomte, wurde das Frauen-Wrestling wenigstens einigermaßen bedacht: Cyndi Lauper (ja, genau, die Girls-just-want-to-have-fun-Cyndi Lauper) wurde für ein paar Storylines verpflichtet. Wrestling-Manager Lou Albano tauchte im Video zum Song auf (kein Scherz, schaut nach) und bei The Brawl to end it All 1984 holte sich Wendi Richter den Titel von Moolah mit Lauper in ihrer Ringecke (kleiner Fun-Fact am Rande: Diese Show lief auf MTV, was damals so etwas wie ein Musiksender war und diese Sendung ist bis heute die meistgesehene in der MTV-Geschichte!). Wer mal kurz reinschauen will:

Das Frauen-Wrestling war im Aufwind. Wobei, nein, das muss ich anders formulieren. Sagen wir mal: Frauen im Sports-Entertainment waren im Aufwind. Wenn man sich das reine WWF-Wrestling der 80er- und frühen 90er-Jahre anschaut, kommt da nicht viel bei rum, geschlechterunabhängig. Es war die Zeit der Over-the-top-Muskelkörper, der quitschbunten Ringkostüme, der schreienden Fleischklopse und der Jeder-Wrestler-hat-einen-Beruf-Gimmicks. Hinter diesen Erscheinungen hatten die Frauen zwar ganz eindeutig das Nachsehen, jedoch waren sie immerhin in Storylines involviert. Mit Cyndi Lauper schlug sich ein echter Star auf Wendi Richters Seite - das war auch bei der allerersten WrestleMania der Fall, wo Richter den Titel ein zweites Mal gewinnen konnte, nachdem sie ihn zwischenzeitlich an Leilani Kai verloren hatte. Zudem wurde eine Tag Team Championship für die Damen eingeführt, die von 1983 bis 1989 Bestand hatte. So richtig prominent war dieser Titel aber nicht; immerhin wurde er einmal beim Royal Rumble 1988 verteidigt. Ansonsten war er eher eine Sache für die Houseshows - aber immerhin.

Aber noch 1985, dem Jahr der allerersten WrestleMania, hing der Segen schief in der Women’s Division. Offenbar hatten Wendi Richter und WWF-Boss Vince McMahon ordentlich Backstage-Probleme. Das sorgte für den sogenannten „Original Screwjob“ im November 1985: Moolah nahm Richter den Titel maskiert und mit dem Namen „The Spider Lady“ ab, ohne, dass Richter etwas davon wusste. Der Ringrichter zählte den 3-Count durch und Richter war ihren Titel los. Ziemlich genau das Prozedere also, was wir zwölf Jahre später beim Montreal Screwjob erlebt haben, nur eben nicht auf einer so prominenten Bühne. Was genau zum Screwjob führte, ist nicht so ganz klar. Beide Seiten behaupten vollkommen unterschiedliche Sachen: Laut Vince McMahon habe sich Richter geweigert, einen neuen Vertrag zu unterschreiben, während Richter behauptete, einen gültigen Fünfjahresvertrag gehabt zu haben und schiebt die Schuld auf McMahon, mit dem sie persönliche Schwierigkeiten gehabt habe. Naja, nix Genaues weiß man nicht. Was aber definitiv passierte: Richter war weg und mit ihr das Gesicht der Women’s Division. Der Titel dümpelte nach dem Screwjob immer weiter in die Bedeutungslosigkeit und wurde 1990 schließlich eingestellt.

Alundra Blayze wirft WWF-Titel bei Nitro in die Mülltonne

Drei Jahre später jedoch wurde ein neues Gesicht gefunden, um das die WWF die Women’s Division aufbauen wollte und wieder einmal sollte es nicht klappen: Diesmal war es Alundra Blayze. Auch weitere Charaktere wie Bull Nakano und Bertha Faye wurden aufgebaut und fehdeten mit ihr. Was dann jedoch im Sommer 1995 passierte, war der erste größere Coup der WCW in Zeiten der Monday Night Wars. Die WWF hatte Geldprobleme - logisch, wenn Medienmogul und Multimilliardär Ted Turner am anderen Ende sitzt. Die WWF musste also Leute entlassen: Alundra Blayze gehörte dazu - und das als amtierende WWF Women’s Championesse. Die WCW witterte ihre Chance. Eric Bischoff verpflichtete Blayze, die zufälligerweise noch den Titelgürtel hatte. Sie hatte eigentlich die Absicht gehabt, den Titel an McMahon zurückzugeben, aber Bischoff ließ all seinen Charme spielen: Blayze tauchte bei Nitro auf und warf den WWF-Frauentitel vor den Livekameras in eine Mülltonne.

Ein Wrestling-Booker hätte sich dieses Szenario wohl kaum besser ausdenken können. Welch eine Chance, auch in der WCW eine Frauen-Division aufzubauen! Mit einem „Elfmeter“-Vergleich kommt man schon gar nicht mehr hin - das ist ein Freistoß 20 Zentimeter von der Torlinie entfernt. Und was war? Die WCW ließ die Frauen-Division komplett verhungern. Notdürftig und alibimäßig wurde in Zusammenarbeit mit der japanischen Frauen-Wrestling-Promotion GAEA 1996 ein eigener Titel eingeführt - aber die Tatsache, dass der Titel nicht einmal ein Jahr überlebte, zeigt, glaube ich, ganz gut, wie ernst es der WCW ums Frauen-Wrestling bestellt war. Prominent vertreten hingegen waren da eher die Nitro Girls. Das waren Chearleader, wie man sie von Basketball- oder Baseballspielen oder so kennt. Ja… das ist im Prinzip auch schon alles, was in der WCW jemals in Sachen Frauen passierte. Nicht, dass es bei der Konkurrenz anders - oder gar besser - gelaufen wäre. Als Alundra Blayze weg war, schlief auch in der WWF das Frauen-Wrestling wieder ein. Der Titel war sowieso weg und wurde auch nicht wieder neu eingeführt. Einmal mehr für ziemlich genau drei Jahre gab es keine eigene Frauen-Division.

Attitude Era: Wrestlerinnen sind Models oder Playmates

Inmitten der Attitude Era schließlich erwachte eine neue Frauen-Division, aber… tja, versucht DAS mal in behutsame Worte zu packen, Leute. Die Attitude Era zeichnete sich durch einen Wechsel der Zielgruppe aus: Man richtete das Programm nun auf Erwachsene aus. Und der Begriff „Erwachsenen-Unterhaltung“ meint hier mehr oder weniger das, wohinter man euphemistisch gerne mal Arsch und Titten verpackt. Im Ring standen ab Ende der 1990er-Jahre bis etwa zum Ende des vorigen Jahrzehnts in erster Linie Models (Trish Stratus, Kelly Kelly), Playmates (Maria Kanellis, Torrie Wilson, Sable) und ehemalige Softporno-Darstellerinnen (Candice Michelle, Mickie James). Zwischendrin waren hier aber auch immer wieder einige eingestreut, die ihr Handwerk wirklich gut beherrschten (Lita, Natalya). Einige der erstgenannten Damen haben sich freilich auch zu guten Wrestlerinnen entwickelt, keine Frage, aber auch hier ist der Begriff Frauen-Wrestling kaum angebracht: Es war die Zeit der Abendkleid-Matches, des Schlammcatchens und des Erotisch-mit-dem-Hintern-Wackelns.

Auch der Begriff „Diva“, der für die Wrestlerinnen verwendet wurde, zeugt von eher semi-begeistertem Interesse an einer echten Klopperei. Bei einer „Diva“ denke ich entweder an eine übergewichtige Sopranistin oder an eine berühmte Zicke mit Star-Allüren - beides keine sonderlich schmeichelhafte Anspielung. Und auch wenn die Frauen im Rahmen ihrer Division gut waren, so war ihr reines Wrestling eben nicht so gut wie das der Männer. Lita zum Beispiel heimst die Lorbeeren dafür ein, Lucha-Libre-Aktionen im Frauen-Wrestling des amerikanischen Mainstreams etabliert zu haben. Stimmt ja auch. Vorher hat man hier von keiner Frau eine Hurricanrana oder einen Moonsault gesehen. Aber hier zeigten Frauen das, was die Männer schon seit Jahrzehnten zeigten. Das hatte nicht das Zeug zur Attraktion.

NXT-Launch als Meilenstein - endlich gutes Wrestling

Seit 2008 jedoch hat sich langsam aber sicher ein Paradigmenwechsel vollzogen, der schließlich in die Women’s Revolution mündete. Mehrere Stimmen schreiben das dem oft verschmähten PG-Rating der WWE-Shows wohlwollend zugute: Eine familienfreundliche Unterhaltung verträgt sich eben schlecht mit einer Tittenshow. Die Wrestlerinnen, die die WWE seitdem verpflichtete, waren eben von nun an in erster Linie tatsächlich Wrestlerinnen. Außer Kontext mag dieser Satz extrem bescheuert klingen,  aber wenn man sich das „Eye Candy“ der vorigen Jahre anschaut, stellt der Umstand, dass man jetzt Wrestlerinnen als Wrestlerinnen einsetzte, wahrlich eine Revolution dar.

Ein weiterer Meilenstein war der NXT-Launch 2010. Wie auch die Einführung des PG-Ratings hat sich das nicht sofort auf die Frauen-Division ausgewirkt, aber hier wurden entscheidende Grundsteine gelegt, auf die in den kommenden Jahren aufgebaut wurde. Bei NXT wurde auf einmal großartiges Frauen-Wrestling gezeigt - Frauen wie Paige, Becky Lynch, Sasha Banks, Charlotte oder Bayley stellten oftmals das beste Match der Show auf die Beine. NXT hatte zwar damals wie heute „nur“ den Status eines Entwicklungsbrands inne, aber die Auswirkungen auf den Hauptkader waren nicht zu übersehen.

Langsam aber sicher begann sich der Blick der Fans auf Frauen-Wrestling - und ja, jetzt kann man diesen Begriff auch guten Gewissens benutzen - zu ändern. Die Lawine ins Rollen brachte schließlich ein Tag Team Match zwischen Paige & Emma und den Bella Twins bei RAW am 23. Februar 2015. Die Bellas frühstückten ihre Gegnerinnen in unter einer Minute ab - die Entrances dauerten, jeder für sich genommen, schon doppelt so lang wie das eigentliche Match. Nicht ungewöhnlich im Hinblick auf das Frauen-Wrestling der letzten Jahrzehnte - zumal in einer Weekly und nicht bei einer Großveranstaltung -, aber da sich das Frauen-Wrestling selbst nun zu einem echten Hingucker entwickelt hatte, sorgte dies für den Beginn einer Revolution; der Hashtag #givedivasachance machte die Runde.

Was folgte, ist glaube ich noch relativ gut bekannt: Frauen durften - inzwischen sogar schon zweimal - ein WWE-Großevent headlinen. Sasha Banks trat bei NXT TakeOver: Respect gegen Bayley im Main Event in einem dreißigminütigen Iron Woman Match an. Etwa ein Jahr später war es abermals Banks, die mit Charlotte bei WWE Hell in a Cell zum ersten Mal ein Hauptkader-PPV-Main Event bestritt - und gleichzeitig war es auch noch das erste Hell in a Cell Match zweier Frauen in der WWE.

Und nun sind es eben jene drei Namen, die bei WrestleMania im Kampf um den Damentitel stehen: Bayley, Sasha Banks und Charlotte. Und dann halt noch Nia Jax. Wir dürfen gespannt sein, denn nie war Frauenwrestling so cool wie jetzt gerade.

Update vom 25. März 2019: Ronda Rousey vs. Becky Lynch vs. Charlotte Flair wird erster Frauen-Main-Event bei WrestleMania

Mittwoch, 29 März 2017 08:30

Teddy Long: Holla, holla, holla in der Hall of Fame

geschrieben von

"Tag Team Teddy" Theodore Long kommt in die WWE Hall of Fame!

Den meisten Lesern und Fans von WWE dürfte Theodore Robert Rufus Long, so der bürgerliche Name des zukünftigen Hall of Famers, als General Manager in Erinnerung sein - so auch mir. Teddy Long war von 2004 bis 2008 der General Manager von Smackdown. Der 69-Jährige war damit nicht nur der erste afro-amerikanische General Manager in der Geschichte von Smackdown, sondern durch sein direktes Einsetzen als Face war er auch noch als Face General Manager das Gegenstück zu Eric Bischoff, welcher zu der Zeit bei RAW der Heel-General-Manager war.

Ein Freund der Marks

Ich selbst fing ungefähr zu der Zeit an, Wrestling zu verfolgen, und war noch ein richtiger Mark, als ich Smackdown auf Tele 5 schaute. Damals freute ich mich immer richtig, wenn Teddy Long rausgekommen ist. Seine Entscheidungen sorgten meistens dafür, dass die bösen, bösen Heels - allen voran WWE Champion John "Bradshaw" Layfield - nicht einfach so mit ihren fiesen und unfairen Tricks davongekommen sind. Im Nachhinein betrachtet würde ich sogar sagen, dass die Kombination vom Face-General-Manager und dem Heel-Champion JBL ziemlich passend war und für großartige Unterhaltung der Fans gesorgt hat. JBL, der es immer wieder irgendwie geschafft hat seinen Titel zu verteidigen/behalten, und Teddy Long, der alles versucht hat, um JBL nicht einfach so damit durchkommen zu lassen.

Ein Tag Team führt "Tag Team Teddy" ein

Passenderweise wird Long am Freitag vor WrestleMania 33 von der APA, also JBL und Ron Simmons, in die WWE Hall of Fame eingeführt. Zwei Männer, zu denen er ein ganz besonderes Verhältnis hat. Während das Verhältnis zu JBL schon klar geworden sein sollte, da sie einander Gegenspieler bei Smackdown waren, wurde Ron Simmons von Teddy Long gemanagt, als dieser zusammen mit Butch Reed das Tag Team Doom gebildet hat und 1990 unter dem Management von Teddy Long die NWA World Tag Team Championship (später umbenannt in die WCW World Tag Team Championship) gewinnen konnte. Aber das sind nicht die einzigen Gründe, warum JBL und Simmons Teddy Long in die Hall of Fame einführen werden. Wie WrestlingInc berichtet, bildeten JBL, Ron Simmons, The Godfather und Teddy Long lange Jahre eine Fahrgemeinschaft und fuhren über Jahre viele Tausende Kilometer zusammen durch das Land zu den Shows.

Theodore Long hatte eine lange Karriere, war Manager vieler namenhaften Wrestler (unter anderem vom Undertaker als dieser noch als "Mean" Mark Callous im Team The Skyscrapers bei der NWA und WCW unterwegs war), stand als Ringrichter im Ring. machte als Face-General-Manager den Heels das Leben schwer und setze als Running Gag häufig Tag-Team-Matches an, der ihm den Spitznamen "Tag Team Teddy" eingebracht hat.

Wir gratulieren Teddy Long zur Aufnahme in die WWE Hall of Fame.

Holla, holla, holla.

 

Wenn man sarkastisch dieser Tage ist, was vermutlich etliche Fans betrifft, so befinden wir uns in einer ähnlichen Situation wie vor zwanzig Jahren: Denn auch da wie heute blickte man im Spätwinter und den ersten Frühlingstagen mit einem unguten Gefühl in Richtung WrestleMania - obwohl faktisch der Super Bowl der WWF/E als Highlight den großen Liga-Turnus abschließen sollte. Doch anders als heute, wo man im Grunde optional aus dem Vollen schöpfen kann (speziell was Personal und Möglichkeiten angeht) bzw. hätte können, sahen die Vorzeichen im Jahre 1997 alles andere als rosig aus… allerdings mit einem unerwarteten wie überraschenden Ausgang.

Drehen wir das Rad der Geschichte um zwei Jahrzehnte zurück: Vince McMahon und seine Promotion standen immer noch mit dem Rücken zur Wand. Nach dem Generationenwechsel, einem mehr als grottigen 1995 sowie einem Folgejahr, das man mit äußerst schmalem Kader halbwegs solide über die Bühne gebracht hatte, kamen erste kleine Sonnenstrahlen zum Jahresende 96 auf: Endlich hatte man ein paar hoffnungsvolle Talente gefunden, bewährten Athleten entsprechende Charaktere verpasst und ein paar Fehden geknüpft, die Lust auf mehr machten. Und auch die Qualität stimmte mal, was man insbesondere an der Survivor Series des Jahres merkte. Aber noch immer drohte der Schatten der damals übermächtig erscheinenden Konkurrenz WCW, welche ebenfalls 1996 enorm aufzutrumpfen gewusst und zusätzlich mit ordentlich Starpower unterfüttert nun einem goldenen Jahr entgegenzublicken hatten. Keine besonders guten Voraussetzungen also, um den Fans die größte Show des Jahres zu servieren.

Erschwerend kamen dann noch einige andere Unstimmigkeiten hinzu: nicht nur, dass der einst groß angekündigte und verpflichtete Rückkehrer Ultimate Warrior im Vorjahr bereits nach wenigen Wochen wieder weg war und man Sycho Sid als halbwegs brauchbaren Ersatz holte; nicht nur, dass mit Marc Mero eine variable Größe der Mittelgewichtsszene verletzungsbedingt weggebrochen war - auch beim größten Zugpferd musste man Abstriche machen: Shawn Michaels zelebrierte seine Backstage-Macht der Tage divenmäßig in vollen Zügen, wollte ungern im Rahmen der Titelfehde verlieren - und verlor aus diesem Grund „sein Lächeln“. So zog er den berühmt-berüchtigten „Lost my smile“-Joker, um sich in eine OP-Pause zu begeben. Die Notwendigkeit des Zeitpunkts ist bis heute umstritten. Dahin also der geplante Mega-Rückkampf mit Bret „The Hitman“ Hart - und graue Wolken zogen sowohl über Stamford als auch dem Michigansee auf. Denn seit jeher eilt dem Publikum von Chicago, wo die dreizehnte WrestleMania stattfinden sollte, der zweifelhafte Ruf der Unberechenbarkeit voraus. Unoptimale Ausgangspositionen also, doch im Endeffekt bewiesen Vince McMahon und seine Mannen genug Mut und Kreativität, den Widrigkeiten zu begegnen… und schufen auf diese Weise einen ungewollten Meilenstein, welcher ihnen den Sieg sowohl im „Monday Night War“ als auch auf ganzer Linie bescherte. Oder… um den Mania-Zweittitel zu bemühen „Wie Phoenix aus der Asche“: für den PPV vielleicht nicht ganz so, für die WWF/E aber auf alle Fälle.

Billy Gunn vs. Flash Funk (Free for all)

… oder im Grunde der Rest vom Schützenfest, denn mehr bot der Kader für die Appetithäppchen-Phase nicht her. Zudem überaus schade, dass es die WWE nicht verstand, aus 2 Cold Scorpio mehr herauszuholen als einen optischen Unfall aus Power Ranger und einer Godfather-Frühform. Und als man es Ende 97 dann doch versuchte… da war es schon zu spät. Nichtsdestotrotz mühten er und Gunn sich rund sieben Minuten redlich ab, ehe der Ex-Tag-Team-Cowboy sich den Pinfall-Sieg holte. Offensichtlich die Ouvertüre zum damals ersten Singles Run Gunns, der kläglich scheiterte. Erst Monate später als Outlaw hatte er seine beste Zeit.
Jon Cross - Wertung: **

4-Way Elimination Tag Team Match
New Blackjacks vs. Headbangers vs. Doug Furnas & Phil LaFon vs. Godwinns

Resterampe Nr. 2 als eigentlicher Opener. Im Grunde… keine so schlechte Idee und ehrlich gesagt auch gar nicht so doof umgesetzt. Zudem gab es nette Schlagabtausche und einige nicht so abzusehende Entwicklungen - welche für mich aber der große Kritikpunkt waren. Schön zumindest, dass man endlich auch mal andere Teams zu sehen bekam außer den Big 4 aus 1996. Klar auch, dass die Godwinns nach der langen Top-Position wohl kaum den Sieg davontragen würden. Und klar, da logisch… wenngleich wie ein Notnagel wirkend ebenfalls, dass man für JBL und Barry Windham eine Tag-Team-Rolle fand, zu der beide auch familiär hervorragend passten - die New Blackjacks. Und - man hatte mit den Kanadiern LaFon & Furnas zwei der heißesten Eisen im Feuer, welche seit dem Jahreswechsel einen steten Weg nach oben angetreten hatten. Im Grunde hätte ihnen vom Logischen her der Spot um die Team-Gürtel zugestanden… wäre das nicht schon beim Vor-Event passiert. Am Ende siegten dann mit den Headbangers ebenfalls zwei Newcomer, die sich allerdings vergleichsweise unscheinbar voran gearbeitet hatten. Und das - letztlich gegen die Godwinns, nachdem die Blackjacks erst disqualifiziert und die Kanadier ausgezählt wurden. Überraschung: ja - aber der offensichtlichere Weg wäre mir lieber gewesen.
Jon Cross - Wertung: **1/2

WWF Intercontinental Championship
Rocky Maivia vs. The Sultan

Um ehrlich zu sein: Die Bekanntgabe war für mich damals wie ein Schlag ins Gesicht. Für den größten PPV des Jahres eine Titelmatch-Ankündigung mit Weekly-Niveau. Da hätte der Gürtel auch beim Vorgänger bleiben können. Und so sehr man sich auch bemühte, den Kampf opulent mit Superstars wie dem Honkytonk Man am Mikro oder Rocky Johnson und dem Iron Sheik als Sekundanten anzureichern - der erste Mania-Auftritt des Future Rock kam daher wie ein Gourmet-Essen mit Bockwurst. Geniales Debüt, stete Siege und einen Monat zuvor den IC-Belt geholt. Und bei WrestleMania?! Da wartete ein Undercard-Edeljobber, dem man mit Zwang Bedrohlichkeit vermitteln wollte. Soweit zu den grottigen Rahmenbedingungen. Der Fight selber… war aber gar nicht so schlecht, denn Johnson hatte es ja mit seinem Cousin Fatu zu tun alias Future Rikishi. Daher zeigten beide zehnminütiges Wrestling auf richtig gutem Niveau - wenn denn nicht das Ende gewesen wäre. Ein simpler Roll-Up und das war’s. Da half selbst der Aftermath wenig. Rocky auf dem absteigenden Ast, der letztlich zur The-Rock-Wiedergeburt führte. Quasi… noch ein Phoenix.
Jon Cross - Wertung: **3/4

Hunter Hearst Helmsley vs. Goldust

Diese Begegnung hatten wir damals schon beim Rumble gehabt - seinerzeit mit Intercontinental-Titel… und ich hätte mir den Fight um diesen auch noch einmal gewünscht. Aber Stamford dachte sich, dass der heutige Chef in spe und der Erstgeborene des „American Dream“ genügend Qualität und Starpower in den Fight pumpen würden, so dass das Gold eigentlich nicht nötig war. Ich muss sagen: Recht hatten sie. Triple H und Dustin Runnels machten da weiter, wo sie zu Jahresbeginn aufgehört hatten - und das richtig gut. Curtis Hughes als Helmsley-Bodyguard war der debütierenden Chyna gewichen, die damals optisch noch nach olympischem Doping-Trainingslager aussah. Mit Marlena als Jagdopfer war genügend Soap Opera integriert, dass der Kampf gut abgerundet wurde… und beide ohne Gesichtsverlust aus der Nummer herauskamen, als Hunter per Pedigree auf 2:0 erhöhte.
Jon Cross - Wertung: ***1/2

WWF Tag Team Championship
Owen Hart & British Bulldog vs. Vader & Mankind

Ein Titelmatch mit einer satten Ladung Technik-Skills und Topstars - eigentlich konnte da nicht viel schiefgehen. Aber trotzdem kam die Begegnung gefühlt aus der kalten Hose. LaFon & Furnas bekamen wie geschrieben nicht den Vorzug und so hatten es die Langzeit-Champions mit zwei echten Großkalibern zu tun. Nur… erwartete man die hier eigentlich nicht. Zumindest ich nicht. Vader und Foley hatte man im Zuge der Undertaker-Fehde zu einem Team gezimmert und für mich damit die Chance verpasst, sie adäquater in die Card einzubauen. Speziell bei Mankind wäre ein Fehdenabschluss gegen den Taker in Chicago sicher besser gewesen… aber manchmal muss man halt umplanen. Wie dem auch sei, zeigten alle Vier einen harten Fight, welcher der Ankündigung auch mehr als gerecht wurde… bis auf das Finish, das, um niemandem zu schaden, per Double-Count-out etwas zu salomonisch geraten ist.
Jon Cross - Wertung: ***3/4

Submission Match
Bret „The Hitman“ Hart vs. „Stone Cold“ Steve Austin

Und damit kommen wir zum großen Highlight des damaligen Abends - und einer historischen Sternstunde für die WWF/E, auch wenn das in der nachfolgenden Dimension vielleicht nicht so abzusehen war. Wir rekapitulieren: HBK fiel aus, wodurch Bret Hart zunächst ohne Gegner dastand. Doch man hatte ja noch Plan B - und der hieß Steve Austin. Die Rattlesnake hatte nach ihrem Sieg beim King of the Ring einen unaufhörlichen Bekanntheitsgrad erfahren, zu dem sich seit Jahresbeginn immer mehr Pops gesellten. Und da die Fehde mit dem Hitman praktisch immer noch offen für neue Impulse war, gab man beiden das Match. Und die Impulse kamen… mehr als genug. Über den Fight selbst muss man keine weiteren Worte verlieren, denn die gut 22 Minuten füllten beide Athleten mit Herzblut, Härte und Hass aus, dass es nur so strotzte. Ohne gefühlte Handbremse gaben Bret und Steve alles, was sie hatten… und sorgten für ein dramatisches Finish: Ein blutüberströmter „Stone Cold“ weigerte sich derart beherzt gegen die Aufgabe im Sharpshooter, dass er letztlich das Bewusstsein verlor. Special Referee Ken Shamrock in seinem ersten Auftritt erklärte den Hitman zum Sieger, doch der stand ebenfalls noch derart unter Adrenalin, dass er seinen Erzfeind unter stetigen Buhrufen immer weiter bearbeitete. Schließlich ging Shamrock per Ausheber dazwischen, wonach Hart mürrisch abzog. Austin dagegen bekam als eigentlicher Heel Jubelarien und wurde selbst dann noch gefeiert, als er dem helfenden Offiziellen den Stunner verpasste und torkelnd die Arena verließ. Einer der besten klassischen Double Turns der Wrestling-Geschichte: Das einstige Top-Babyface Bret Hart und der Ober-Heel Austin hatten auf einen Schlag die Rollen getauscht. Und auch die verbalen wie optischen Obszönitäten gemischt mit salonfähiger Brutalität trugen ihr stilbildend Übriges bei. Wenn es einen Ursprung für die Attitude Era gegeben hat, dann diesen Kampf. Und so wird Hart vs. Austin immer als Urknall des Wrestling-Zeitalters gelten, das nicht nur Austins kometenhaften Aufstieg erst ermöglichte, sondern auch der Company zurück an die Spitze verhalf. Ein Kampf… den man gesehen haben muss.
Jon Cross - Wertung: ***** (hätte sechs gegeben, aber das ist ja nicht möglich…)

Chicago Streetfight
Nation of Domination vs. Ahmed Johnson & Legion of Doom

Nach der vorherigen Darbietung hätte man voraussichtlich einen Gang runtergeschaltet… doch man blieb in etwa bei dem Gewaltgrad: qualitativ eine Etage tiefer, aber nicht minder rustikal beschrieben die Intimfeinde Johnson und Farooq ein weiteres Kapitel ihrer schier endlosen Rivalität. Um der Ur-Nation, welche eher an eine Heel-Version der Village People erinnerte, zahlenmäßig Paroli bieten zu können, hatte sich Johnson mit Hawk und Animal verstärkt. Der zum Austragungsort titulierte Streetfight bot dann im Endeffekt auch alles, was der Name hergab - und was das Arsenal betraf auch alles, was man in der Peripherie finden konnte. Und so kam neben Feuerlöschern, Straßenschildern und den üblichen Alufolien-Mülltonnen auch eine Küchenspüle zum Einsatz. Das Ganze recht chaotisch, aber dafür hart und recht ansehnlich dargeboten… wobei der beste Part daran war, dass auf diese Weise die ringerischen Schwächen der meisten Akteure gut kaschiert wurden. Und so gab es für den Feel-Good-Moment den Sieg der Faces. In der Gänze betrachtet mit Sicherheit das beste Match der Fehde.
Jon Cross - Wertung: ***1/2

WWF Heavyweight Championship
Sycho Sid vs. Undertaker

Zugegeben: für eine WrestleMania eine etwas bescheidene Ansetzung um den höchsten Titel der Liga. Aber andererseits hatte die Company in der Vergangenheit schon weitaus schlechtere Big-Man-Mainer gesehen, und stand der Grim Reaper so far noch in keinem. Daher kreuzte er die Klingen mit Sid, der diesen Spot zumindest einmal innegehabt hatte, und zeigte mit diesem… einen langen und vor allem in Gänze betrachtet bedächtigen Kampf. Zur Ehrenrettung der beiden Halb-Immobilien sei aber gesagt, dass sich diese mehr als redlich mühten und fehlende Dynamik mit reichlich Storytelling und Härte würzten. Abgerundet wurde das Ganze durch Bret Hart, der endgültig zur dunklen Seite der Macht turnte - und am Ende gar matchentscheidend war, dass der Taker sich zum zweiten Mal den großen goldenen Gürtel umschnallen durfte. Und auch auf die eigentlich geplante Vendetta brauchte keiner zu verzichten: Denn der verlorene Lächler Shawn Michaels persönlich kommentierte ringside mit Jerry Lawler und Jim Ross und durfte sich die gepfefferten Spitzen des Hitman aus nächster Nähe anhören. Nichtsdestotrotz: kein Totalausfall, sondern ein halbwegs solider Fight mit positivem Ausgang.
Jon Cross - Wertung: ***

Fazit

Es gab schon weitaus schlechtere WrestleManias - bessere allerdings auch. Die wilde „13“ darf sich allerdings in den Reigen der paar „Grandaddy’s“ einreihen, in welcher Wrestling-Geschichte geschrieben wurde. So wie vieles im Wrestling-Background Spekulationsmasse ist, gilt dies auch für den Ursprung des Attitude-Zeitalters: manche sehen das Submission Match darin, manche die „3:16“-Promo vom King of the Ring. Wenn es nach mir geht... so war das im Sommer 96 die Quelle und WrestleMania XIII die spätere Initialzündung. Denn erst im weiteren Verlauf von 1997 kam die Ära in all ihren Facetten derart zur Ausprägung, was vorher nur sachte der Fall war. Und so folgte nach dem „Flug des Phoenix“ zunächst noch ein etwas holpriges Restjahr, das zudem mit einem kleinen Schocker endete, ehe im Anschluss der Wiederaufstieg begann und die WWE die Früchte ihrer Arbeit ernten durften. Ferner war der durch die Rattlesnake angeschobene Style wegbereitend für kommende Generationen an Superstars, welche sich unabhängig bisheriger Schwarz-Weiß-Malerei ihre Nischen in der großen kreativen Grauzone charakterlicher Ausrichtung suchen konnten.

Ob der 2017er-Mania ein ähnliches Kunststück gelingt wie vor zwanzig Jahren, darf an dieser Stelle bezweifelt werden. Aber wenn zumindest der qualitativ positive Überraschungseffekt letztlich herauskommt, ist das schon mehr als erwartet.

Sonntag, 26 März 2017 10:00

Rick Rude: Der Grandmaster of Arrogance...

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...kommt in die Hall of Fame (18 Jahre zu spät, aber was soll's)
 
Auch in diesem Jahr nutzt WWE die große Bühne von WrestleMania, um einige verdiente Gesichter der Vergangenheit in die Hall of Fame einzuführen. Neben Stars wie Kurt Angle oder dem von Fans schon lange geforderten DDP gibt es 2017 mit dem legendären Rick Rude erneut eine posthume Ehrung: eine Ankündigung, die mich ehrlicherweise ziemlich überrascht hat, da ich mir doch eigentlich recht sicher war, dass sich Richard Erwin Rood – so Rudes bürgerlicher Name – längst im illustren Kreis der Ruhmeshallen-Mitglieder befinden würde.
 
Dass dem offenbar nicht so ist, ist letztlich ein Versäumnis, wäre doch eine Aufnahme bereits 1999 – im Jahr von Rudes Tod – mehr als nur angebracht gewesen. Immerhin verkörperte Rude den klassischen arroganten, maßlos von sich selbst überzeugten Bösewicht so gut wie kein Anderer im Wrestling-Business. Auch wenn ich die absolute Hoch-Zeit des Ravishing One in der WWF nicht mehr wirklich miterlebt habe, so kann ich doch behaupten, dass es immer Rudes Gesicht war, das vor meinem geistigen Auge auftauchte, wenn irgendwo das Wort „Heel“ fiel. Sicher hat Rude das heute gemeinhin schon als Klischee geltende Bild des arroganten, selbstverliebten Wrestling-Fieslings nicht erfunden. Er hat es aber genommen, perfektioniert und immer wieder auf die Spitze getrieben.

Pornöse Einlaufmusik, Hüftschwung und Kuss-Attacken

Viel mehr noch als Rudes' (alles andere als schlechte) Matches dürften den Fans dieser Zeit daher wohl noch sein Auftreten und seine Beleidigungen der Zuschauer in lebhafter Erinnerung geblieben sein. Hier passte einfach alles zusammen: Die pornöse Einlaufmusik, die Mimik, die Robe, der Hüftschwung, die Tirade gegen das „fette, hässliche und ungebildete“ Publikum sowie das (offenbar einzig) hübsche Mädchen aus diesem Publikum, das dann, bevor das Match angeläutet wurde, erst einmal von Rude in die Besinnungslosigkeit geküsst wurde. Bemerkenswert dabei auch die Hosen, die Rude im Ring trug: Auf diesen prangten nämlich die Gesichter seiner bereits besiegten Gegner – ein Who is Who der Wrestling-Szene der 80e- Jahre strahlte dem Zuschauer hier entgegen. Ultimate Warrior, Ricky Steamboat, alle dabei...
 
Den großen Gürtel der WWF konnte Rude zwar nie gewinnen, allerdings glückte ihm dies in der NWA/WCW gleich dreimal. In Stamford blieben ihm lediglich Intercontinental-Titel-Ehren. Jedoch dürfte Rudes Fehde gegen den Ultimate Warrior um diesen Gürtel wohl so manches Programm in den Schatten gestellt haben, das sich in den letzten Jahren um einen der großen WWE-Titel zugetragen hat. Unvergessen ist hier sicherlich das Cage Match der beiden beim SummerSlam 1990.

Legendär: Rick Rude am selben Abend bei RAW und Nitro

Seine aktive Karriere musste Rick Rude im Jahr 1994 nach einer schweren Nackenverletzung zwar beenden, nach einer mehrjährigen Wrestling-Pause kehrte er 1997 allerdings wieder ins Business zurück – zunächst als Kommentator in der ECW, später dann als Bodyguard-Manager-Hybrid bei der Degeneration X in der WWF. Auch hier machte der wohl definierteste Wrestler aller Zeiten eine gute Figur, trotzdem blieb sein WWF-Comeback aber nur ein Zwischenspiel. Dies lag aber weniger an der Promotion aus Stamford als vielmehr an ihm selbst und seinen starken Prinzipien: So verließ Rude am Tag nach dem Montreal Screwjob in kollegialer Treue zu seinem hintergangenen Kumpel Bret Hart kurzerhand die WWF und heuerte über Nacht bei der WCW an, was wohl zu der kuriosesten Episode in der Wrestling-Karriere des Ravishing One führte und ihm einen ganz besonderen Rekord einbrachte... oder kennt ihr etwa einen anderen Wrestler, der es geschafft hat, am selben Abend sowohl bei Raw (damals noch im Vorfeld aufgezeichnet) als auch bei Nitro (welches live gesendet wurde) aufzutreten? Wohl nicht...
 
Richard Erwin Rood starb 1999 im Alter von 40 Jahren nach einer Medikamenten-Überdosis. In seinem viel zu kurzen Leben machte er aber unendlich vielen Menschen große Freude... indem er sie beleidigte, sie als fett und hässlich beschimpfte... indem er sie unterhielt. Mit ihm nimmt WWE nun einen der ganz Großen in ihre Ruhmeshalle auf... und einen, der viele andere Wrestler mit seiner grandiosen Arbeit inspiriert hat. So verbindet Rood und Bobby Roode etwa nicht nur der sehr ähnliche Nachname, auch das Gimmick des amtierenden NXT Champions lässt sich eigentlich nur als eine einzige Hommage an den Ravishing One begreifen. Oder erinnern wir uns an den (meiner Meinung nach absolut grandiosen) IC-Titelrun von „Dashing“ Cody Rhodes – auch hier schwang immer eine Spur vom Geist des Grandmaster of Arrogance mit.
 
Wir sehen: Das Vermächtnis von Rick Rude lebt in der heutigen Generation von Wrestlern weiter. Festzuhalten bleibt aber auch, dass – wie traurig das auch sein mag – es auf ewig nur einen Ravishing One geben wird: Ravishing Rick Rude. Dieser war – nicht durch das, was er tat, sondern dadurch, wie er es tat – einzigartig... und er fehlt.

Es ist endlich mal wieder so weit: ein riesengroßes Wrestling-Event im traditionsreichen Orlando, Florida steht unmittelbar vor der Tür. Die zweitgrößte Marke hinter WWE hat hier schon seit einigen Jahren Tradition: Die Wechselwirkungen mit der WWE sind ja ohnehin ziemlich eindeutig. Viele WWE-Main-Eventer reiften und reifen hier immer noch hier zu ihrem späteren Ruhm: Samoa Joe etwa oder aktuell Bobby RoodeNXT ist eine großartige Marke. 

Wir können uns bei WrestleMania auf totale, pausenlose Action einstellen, so viel ist sicher. Sicher werden einige Linien überschritten, wie jedes Jahr wird die Veranstaltung ihren Impact hinterlassen, aber auch einmal mehr liegen dem Großevent fragwürdige Booking-Entscheidungen zugrunde.

Mickie James – die knockt einen echt aus!

Ganz prominent sieht man das an AJ Styles. Er hat sich wirklich abgerackert und immer wieder eine großartige Leistung gezeigt, aber er stößt immer wieder an eine gläserne Decke, da er auf keine lange WWE-Karriere zurückblicken kann. Immer wieder darf er zwar Main-Event-Luft schnuppern und sogar Titel halten, aber dann sind es doch die großen WWE-Namen, die ganz oben auf der Card stehen.

Und: Mickie James ist zurück! Mann, die knockt einen echt aus! Mal eine der wenigen aus der „Generation Diva“, die wirklich was leisten können. Die ist jetzt am richtigen Platz, in ihrer „alten“ Division wurde sie schließlich immer unter Wert verkauft.

Was hat eigentlich Kurt Angle die letzten Jahre gemacht?

Ein ganz besonderes Highlight für mich wird der Auftritt von Kurt Angle sein. Der olympische Held hat zur aktiven Zeit quasi alles gehalten, was ging – einmal sogar mehrere Titel gleichzeitig. Legendär ist wohl seine Aussage: „I became the first Euro-Continental Champion in WWE history. Well, besides D’Lo Brown, but he doesn’t count.“ Keine Ahnung, was er in den letzten elf Jahren gemacht hat. Umso mehr freue ich mich auf seine Einführung in die WWE Hall of Fame.

Aber was mich wirklich stört: Den Main Event von WrestleMania bestreiten mit Brock Lesnar und Goldberg alte, abgehalfterte Ex-Stars, die kein Mensch mehr sehen will. Das wäre ja genauso, als würde man jetzt noch einmal, naja, sagen wir mal einem Sting, einem Scott Steiner, einem Kevin Nash, einem Mick Foley oder einem Lashley geben. Das ist wirklich albern – wie sollen Talente wie AJ Styles oder Samoa Joe, die sich aktuell den Arsch aufreißen, jemals dauerhafte Stars werden können, wenn der Main Event ständig von Ex-WWElern blockiert wird?

Schaut euch WrestleMania trotzdem an. Zu viele Promotion gehen pleite dieser Tage.

2016 war die WWE den Legacy-Flügel an die WWE Hall of Fame angebaut, 2017 ziehen acht neue Mitglieder ein. Dabei handelt es sich um Rikidozan, Haystacks Calhoun, Dr. Jerry Graham, Judy Grable, Farmer Burns, Luther Lindsay, Toots Mondt und June Byers.

Die Namen waren – wie im Vorjahr – durchgesickert, weil sie bereits auf T-Shirts gedruckt wurden, berichtet der Wrestling Observer. Die Legacy-Auszeichnung geht an Ur-Legenden und Pioniere des Wrestling-Business. Sämtliche Auszeichnungen werden in diesem Jahr posthum vorgenommen.

In der Übersicht:

Rikidozan (1924-1963): Wahrscheinlich der einflussreichste Wrestler aller Zeiten auf dem ganzen Planeten. Der Vater des japanischen Wrestlings, tief verwurzelt in der japanischen Kultur. Dave Meltzer vom Observer geht so weit, zu sagen, dass Rikidozan eher Richtung Muhammad Ali als Hulk Hogan geht.

Toots Mondt (1894-1976): Ein Shooter in den 20er-Jahren, der für eine Zeit den World Title beherrschte. Gründete zusammen mit Jess McMahon die Capitol Wrestling Corporation, den frühen Vorläufer der WWE. Business-Partner von Vince McMahon Senior. Galt als sehr kontrovers.

Judy Grable (1935-2008): Eine der weiblichen Stars in den 50ern – nicht der größte Star, aber ein Star. Arbeitete im Zirkus, bevor sie Wrestlerin wurde. Galt auch im Ring als Akrobatin.

Farmer Burns (1861-1937): Ein World Champion Ende des 19. Jahrhunderts, wrestlete noch im Catch-as-Catch-can-Stil. Soll angeblich von mehr als 6000 Matches nur sieben verloren haben. Coach und Promoter von Frank Gotch, dem ersten wirklichen Wrestling-Superstar (der 2016 den Legacy Award bekam).

Luther Lindsay (1924-1972): Einer der ersten afroamerikanischen Wrestling-Stars, ein Shooter, ein Submission-Wrestler, genoss hohes Ansehen bei Top-Wrestlern wie Lou Thesz und Stu Hart.

Dr. Jerry Graham (1921-1997): Gründungsvater der Kayfabe-Familie Graham mit Billy, Eddie, Luke und Mike Graham. In den 50er- und 60er-Jahren eine große Nummer im Madison Square Garden. Der Lieblings-Wrestler von Vince McMahon im Teenager-Alter.

June Byers (1922-1998): Fast zehn Jahre Frauen-Champion in den 50er- und 60er-Jahren. Viele hielten sie für die beste Wrestlerin nach dem Karriereende von Mildred Burke (die 2016 den Legacy Award bekam).

Haystacks Calhoun (1934-1989): Als Big Man von bis zu 300 Kilo Gewicht ein Pionier der Super-Heavyweights, konnte gut als Attraktion als Tournee gehen, ähnlich wie Andre the Giant – nur nicht auf dem gleichen Level.

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